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Kunst

«Das leisten wir uns - auch wenn es kostet»

Liechtensteins Fürst Hans-
Adam II. gehört zu den wohlhabendsten Monarchen der Welt und ist im Besitz einer der grössten ­privaten Kunstsammlungen. Er sammelt aus Freude - und zur Sicherheit.

Iris Kuhn Spogat

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Liechtensteins Fürst Hans-Adam II.: Monarch mit Kunst- und Geschäftssinn.Gian Marco Castelberg RMS

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Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein ist Staatsoberhaupt Liechtensteins und Chef des Fürstenhauses. Dieses hatte im Zweiten Weltkrieg und durch Enteignungen danach rund 80 Prozent des Vermögens verloren. Fürst Hans-Adam II., HSG-Absolvent, hat den Verlust mehr als wettgemacht und wird in die Familienchronik als Regent mit ausgeprägtem Geschäftssinn eingehen: Der 71-Jährige gehört zu den wohlhabendsten Monarchen der Welt. Ein Interview über Kunst als Investment und seinen Auftrag:
Bilanz: Durchlaucht, Sie besitzen eine der grössten privaten Kunstsammlungen der Welt. Was für eine Beziehung zu Kunst haben Sie?
S.D. Fürst Hans-Adam II.: Ich hätte keine, wäre ich nicht in diese Position hineingeboren worden. Es ist in erster Linie eine Verpflichtung gegenüber der Familie.
Das heisst?
Mein Vater musste nach dem Zweiten Weltkrieg Teile der Sammlungen verkaufen, um die Kosten der Monarchie zu finanzieren und um jene Familienmitglieder zu unterstützen, die alles verloren hatten. Durch den Zweiten Weltkrieg und Enteignungen danach waren ungefähr 80 Prozent des Familienvermögens verloren gegangen. Mein Vater hat gehofft, dass es mir gelingen wird, es wieder aufzubauen. Auch indem ich Kunstgegenstände, die er hatte verkaufen müssen, entweder zurückkaufe oder durch ebenbürtige ersetze. Im Gegensatz zu ihm hatte ich aber keine Beziehung zur Kunst. Mich interessierten Naturwissenschaften, darum wollte ich auch Physik studieren.

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Wieso haben Sie dann an der Hochschule 
St. Gallen Wirtschaft und Recht studiert?
Mein Vater hat mir auch schon damals gesagt, dass er mir die Aufgaben des Staatsoberhauptes gerne übertragen möchte, sobald ich das Familienvermögen reorganisiert und neu aufgebaut hätte. Um dieses Familienvermögen wieder neu aufzubauen, habe ich Wirtschaft studiert. Und Recht, da man sich als Staatsoberhaupt in Liechtenstein doch recht intensiv mit juristischen Fragen auseinandersetzen muss.
Ihre erste unternehmerische Entscheidung?
Unmittelbar nach dem Ende meines Studiums 1970 habe ich mich um unsere Bank in Liechtenstein, die heutige LGT, gekümmert. Sie war damals noch eine sehr kleine Bank, die ausserdem in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte, weil sie hohe Kredite und Haftungen übernommen hatte für Betriebe in Österreich, die unserer Familie gehörten oder an denen wir beteiligt waren. Es handelte sich um Industriebetriebe, Verlage, Druckereien usw. 1972 konnte ich auch noch den übrigen Teil des Vermögens übernehmen, und dann habe ich dort das Ganze reorganisiert, was eine mühsame und langwierige Aufgabe war.
Ihr Vater hat Sie machen lassen?
Mein Vater wusste, dass man nicht auf Dauer vom Verkauf von Kunst und Grundbesitz leben kann. Manche Familienmitglieder wollten mich aus der Familie ausschliessen, da sie von der Reorganisation betroffen waren. Das Familienvermögen dient nicht nur dazu, die Kosten der Monarchie zu finanzieren, sondern der Fürst unterstützt auch finanziell Mitglieder der Familie, die das nötig haben. Deshalb gab es auch in der weiteren Familie Unterstützung für meine Pläne, das Familienvermögen zu reorganisieren und neu aufzubauen.

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Inklusive Kunstsammlungen. Das haben Sie sich zugetraut, so ganz ohne Kunstsinn?
Als wir es uns wieder leisten konnten, habe ich Vater vorgeschlagen, einen Direktor für unsere Kunstsammlungen anzustellen. Dazu haben wir jetzt auch noch einen Kunstbeirat, der den Direktor der Sammlungen und mich bei Käufen, Restaurierungen oder auch bei Verkäufen berät.
Es heisst, ohne Ihre Zustimmung gehe nichts, kein Ankauf, kein Verkauf.
Natürlich haben ich als Vorsitzender und mein Stellvertreter, der Erbprinz, grossen Einfluss auf die Entscheidungen des Kunstbeirates, nicht zuletzt deshalb, weil Fürst und Erbprinz jeweils auch den Vorsitz in den anderen Stiftungen haben, die das Geld verdienen, mit denen die Sammlungen finanziert werden.
Geben Sie ein Beispiel für Ihre grosse Einflussnahme?
Das Badminton Cabinet. Der Kunstbeirat hatte Bedenken wegen des hohen Preises, da dadurch das Ankaufsbudget über mehrere Jahre verbraucht gewesen wäre. Ich habe dann entschieden, dass der Kauf des Cabinets das Ankaufsbudget nicht belasten wird, sondern dass der Kauf anderweitig finanziert wird.
20 Millionen Pfund haben Sie für den Schrank bezahlt – er ist das teuerste je verkaufte Möbelstück. Es heisst, Sie könnten ihn inzwischen für 100 Millionen nach Fernost verkaufen. Warum machen Sie es nicht?
Es gibt keinen Bedarf, zu verkaufen. Aber ich kann natürlich nicht ausschliessen, dass sich das eines Tages ändert, wenn wieder einmal eine Katastrophe über uns hereinbricht.

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Zum Beispiel, dass die LGT Bank gerettet werden muss?
Zum Beispiel. Die Kunstsammlung ist für uns eine Sicherheit.
Kunst sammeln ist das eine, Kunst besitzen das andere. Sie haben das Stadtpalais in Wien prunkvoll restauriert und mit einem Hochsicherheitsbunker unterkellert für Kunstwerke, die Sie nicht ausstellen können. Investitionssumme?
Ungefähr 125 Millionen Euro. Die hohen Restaurierungskosten sind auch darauf zurückzuführen, dass das Palais im Zweiten Weltkrieg zuerst von einer Bombe getroffen wurde und dann auch noch ein Flugzeug auf das Gebäude abstürzte. Nach dem Krieg wurde vieles nur notdürftig saniert. Das Palais stand auf Holzpfeilern im Grundwasser. Dadurch, dass das Grundwasser in diesem Stadtteil gesenkt wurde, begann das Holz langsam zu verfaulen und musste ersetzt werden. Nun ruht das Stadtpalais in einer Betonwanne, die im Grundwasser schwimmt – eine aufwendige Konstruktion, die wir als Schutzraum für die Sammlungen nutzen.
Ihre Vorfahren waren Sammler, aber auch Mäzene. Sie sind kein Mäzen.
Nein, ich bin der Meinung, die öffentliche Hand macht genug für Gegenwartskunst. Ausserdem habe ich keine Beziehung zur Gegenwartskunst. Es hat – wie erwähnt – eine Zeit lang gebraucht, bis ich eine Beziehung zur alten Kunst aufgebaut hatte.

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Sie sagen, Kunst sei auch ein Mittel der Politik. Wie meinen Sie das?
Mein Vater wollte damit der Schweiz, die uns in der schwierigen Zeit von 1938 bis 1945 sehr geholfen hat, seine Dankbarkeit zeigen. Die erste Ausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg fand deshalb in Luzern statt. Mit unserer Ausstellung im Metropolitan Museum of Art in New York 1985 wollten wir den Amerikanern danken, denen wir im Zweiten Weltkrieg und auch im Kalten Krieg viel zu verdanken hatten. So gesehen haben Ausstellungen oft auch eine politische Bedeutung.
Und was für Überlegungen spielten eine Rolle bei Ausstellungen in Asien?
Keine. Die Kunstsammlung ist nicht nur Botschafterin des Landes und der Familie, sondern auch unserer Geschäftsinteressen, besonders der LGT Bank. Kundenberater kommen gern mit ihren Kunden in solche Ausstellungen. Das leisten wir uns, auch wenn es kostet – im Sinne der sogenannten Umwegsrentabilität.
Sehen Sie in der Bildergalerie unten, die wichtigsten Schweizer Persönlichkeiten im Luxusbereich:
«Bilanz» hat das «Who is who» der Schweizer Wirtschaft ermittelt. Die wichtigsten Personen im Bereich Luxus:Jean-Christophe BabinCEO BulgariBabin, früher CEO der Uhrenmarke TAG Heuer, führt Bulgari erst seit drei Jahren. Er hat in dieser Zeit allerdings viel bewegt, etwa das Angebot der Marke klarer strukturiert und die Bereiche Schmuck und Femininität verstärkt.Imago
Flaviano BencivengaCEO Benci BrothersZusammen mit seinem Bruder Bruno hat Flaviano Bencivenga das Schuhlabel Navyboot gross gemacht und im Jahr 2009 die Marke und ihre 60 Filialen an den Denner-Erben Philippe Gaydoul für geschätzte 110 Millionen Franken verkauft. Die Schuhe hat der 49-Jährige aber nicht aufgegeben, im Gegenteil: Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Nachfolgefirma Benci Brothers (B&B).Doris Fanconi
Silvio DenzGründer und Mehrheitsaktionär Lalique GroupDenz besitzt weltweit 31 Lalique-Boutiquen. Die Edelmarke gehört unter das Dach von Art & Fragrance (A&F). Diese Firma kotierte er 2007 an der Berner Börse. Vor ein paar Monaten hat Denz Art & Fragrance in Lalique Group umgetauft. Das Unternehmen hält er fest in seiner Hand: Er ist Präsident, besitzt 85 Prozent der Aktien.Lionel Flusin
Werner DirksGeneral Manager Schweiz La Prairie GroupSeit 13 Jahren ist Dirks Schweiz-Chef der Luxusmarke La Prairie und verkauft Crèmes für mehrere hundert Franken pro Tiegel. La Prairie hat den Ursprung in der gleichnamigen Klinik in Montreux und gilt als hochinnovativ in Sachen Anti-Aging. Hierzulande gehören die Versprechen zeitloser Schönheit zu den Topsellern unter den teuersten Crèmes.
Emanuel ForsterCo-CEO Forster RohnerDieses Jahr wird als ein besonderes in die Firmenchronik der Forster-Rohner-Gruppe eingehen: Emanuel Forster, der das Unternehmen zusammen mit seiner Schwester Caroline in vierter Generation führt, hat den Familienbetrieb um eine grosse Marke erweitert. Seit Januar firmiert Jakob Schlaepfer unter seinem Dach.Frank Schwarzbach
Raphael GübelinCEO GübelinNach wie vor ist der Abgang vieler Swatch-Group-Uhrenmarken aus den Regalen seiner Boutiquen nicht kompensiert. Doch Gübelin gibt alles: Kürzlich wurde in Lugano eine neue Boutique eröffnet, eine Partnerschaft mit der Richemont-Marke Roger Dubuis ist aufgegleist, und das Kursangebot für Kunden wird ausgebaut.
Albert KriemlerKreativchef AkrisKriemler ist vom renommierten New Yorker Fashion Institute of Technology mit dem Couture Council Award for Artistry of Fashion ausgezeichnet worden. In der Laudatio wurde er unter anderem gelobt für «seinen luxuriösen Minimalismus». Seine internationale Fangemeinde umfasst resolut selbstbewusste Frauen - von Michelle Obama bis Wirtschaftskapitäninnen wie Yahoo-Chefin Marissa Mayer.
Jérôme LambertHead of Operations RichemontNachdem er Chef der Marke Montblanc in Hamburg war, kann er jetzt seine Zelte wieder in Genf aufschlagen: Richemont-Präsident Johann Rupert hat ihn in die oberste Führungsebene berufen, Lambert wird Head of Operations und oberster Chef über alle Konzernmarken, die nicht eindeutig zu den Sparten Uhren und Joaillerie gehören. Zu seinem Portefeuille gehört auch die Marke Montblanc.Alban Kakulya
Dieter MeierUnternehmer, EntertainerDer Künstler, Unternehmer und Gastronom liebt das Schaffen – ob das nun Arbeitsplätze oder Videoinstallationen sind, spielt keine Rolle. Gerade versucht er es mit einer Schokoladenfabrik. Und einer Nussplantage in Patagonien.
Caroline ScheufeleCo-Präsidentin ChopardCaroline Scheufele teilt sich die Macht bei Chopard mit ihrem Bruder Karl-Friedrich. Dass Chopard aber auch bei den Uhren in der obersten Liga spielt, hat stark mit Caroline Scheufele zu tun. Sie hat zum Beispiel die Partnerschaft mit dem Filmfestival von Cannes aufgegleist und so eine schier unbezahlbare Medienpräsenz erreicht.Bilder: Keystone/zvg
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RMS

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