Andreas Pautz will einen neuen Atomreaktor. Der Nuklearingenieur blickt aus dem Fenster seines Bรผros im Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen und erzรคhlt von der Geschichte der Schweizer Kernforschung. Und von der Zukunft. Hier im Aargau ist die Kernkraft zu Hause. Die zwei Meiler von Beznau sind gleich um die Ecke, das AKW Leibstadt sieben Kilometer entfernt. Und nun soll auf dem Areal des PSI im Rahmen eines Experiments die Funktionsweise eines neuartigen Flรผssigsalzreaktors der dรคnischen Firma Copenhagen Atomics erprobt werden.
Die Anlage wรคre eine Europa-Premiere: der erste Flรผssigsalzreaktor im kritischen Betrieb โ sprich: mit einer laufenden Kettenreaktion. Einfach etwas kleiner. Anstelle der vom Hersteller dereinst angestrebten 100 Megawatt thermischer Leistung soll die Anlage maximal 1 Megawatt leisten, womit sie nach Schweizer Gesetz als ยซAnlage mit geringem Gefรคhrdungspotenzialยป durchgehe, erklรคrt der Professor fรผr Reaktorphysik. Und betont: Um Energiegewinnung gehe es dabei nicht, sondern vielmehr darum, zu beweisen, dass die Computersimulationen einen Flรผssigsalzreaktor korrekt beschreiben.