Abo
Arbeitszeitmodelle

Work-Life-Balance heisst immer auch: flexible Arbeitszeiten

7-Tage-Woche? Die Frage sollte nicht heissen, ob es funktioniert. Sondern wann es kommt.

Tina Fischer

imago images 115979605
Telearbeit in der Nacht:ย Wer junge, qualifizierte Leute fรผr sein Unternehmen begeistern will, muss das bieten. imago images/Westend61

Werbung

In der Schweiz ist der Sonntag heilig. Es ist der Tag fรผr die Erholung und die Familie, aber vor allem ist es der arbeitsfreie Tag. Dieses Konzept gilt bis jetzt โ€“ und wird zunehmend auf den Kopf gestellt. Arbeit und Freizeit flexibel auf sieben Tage die Woche aufteilen โ€“ das fรผhrte das britische Ingenieurbรผro Arup ein und sorgt weltweit fรผr Aufsehen.
Ob das Konzept auch in der Schweiz funktioniert? Die Frage sollte nicht heissen, ob es funktioniert, sondern wann es kommt.
Durch die Corona-Pandemie hat sich bereits eine starke Flexibilisierung der Arbeitszeiten durchgesetzt. Und das ist gut so. Im Homeoffice kรถnnen die Arbeitstage lรคnger sein, da Hin- und Rรผckreise zum Arbeitsort entfallen. Gleichzeitig kann aber auch frรผher Feierabend gemacht oder eine Aufgabe auf die Zeit nach dem Abendessen verschoben werden. Und da der Computer im eigenen Zuhause steht statt im entfernten Bรผro, ist es auch mรถglich, am Wochenende das Mailprogramm zu starten und bereits fรผr den Montag vorzuarbeiten.
Klar, nicht jeden Tag schuften zu mรผssen, ist eine gesellschaftliche Errungenschaft. Logisch, dass es Pausen braucht zum Innehalten und Auftanken. Berechtigterweise gibt es fรผr viele Berufe besondere Regeln bezรผglich der Arbeitszeit am Wochenende oder wรคhrend der Nacht. Doch das flexible Arbeiten wird hierzulande leider oft als problematisch an gesehen.

Partner-Inhalte

Dabei wรผrde eine flexible Einteilung der Arbeitszeit neue Mรถglichkeiten erรถffnen: Paare mit Kindern kรถnnen ihren Nachmittag draussen im Wald verbringen und die Stunden dann am Abend, wenn die Kinder im Bett liegen, nacharbeiten. Auch Sonnenhungrige, die im Winter wรคhrend der wenigen hellen Stunden gerne draussen sind, kรถnnen so die Sonne geniessen und die Arbeitszeit auf den verregneten Samstag verlegen.

ยซWer junge, qualifizierte Arbeitnehmende fรผr sein Unternehmen begeistern will, sollte diese Mรถglichkeit schaffen.ยป

Allerdings gilt es auch darauf zu achten, dass nicht plรถtzlich der Anspruch vonseiten des Arbeitgebers entsteht, dass die Mitarbeitenden 24/7 erreichbar sein mรผssen. Es braucht eben gute Absprachen, damit es fรผr beide Seiten passt. Auch ist ein solches System nicht fรผr alle Jobs geeignet. Fรผr ยซWissensarbeitendeยป wie Anwรคltinnen, Medienschaffende oder Programmierer, die ihre Arbeit per Computer ausfรผhren kรถnnen, ist es aber klar eine Option.
Die flexible Sieben-Tage-Woche bedingt ein noch grรถsseres Vertrauen von Unternehmens- wie auch von Arbeitnehmerseite. Die Gefahr, dass zu viel gearbeitet wird, darf nicht ausser Acht gelassen werden. Hier sind Massnahmen in der Prรคvention und Begleitung der Mitarbeitenden gefragt. Auch die Gefahr, dass faule Mitarbeitende das System ausnutzen kรถnnten, besteht.

Werbung

Trotz diesen Einwรคnden sind flexible Arbeitszeiten die Zukunft. Wer junge, qualifizierte Arbeitnehmende fรผr sein Unternehmen begeistern will, sollte diese Mรถglichkeit schaffen. Freizeit und Arbeit gut zu vereinbaren, das ist heute ein wichtiger Grund bei der Arbeitgeberwahl. Deshalb gilt fรผr Firmen, aber auch fรผr die Politik, die die rechtlichen Rahmenbedingungen in dieser Sache setzt: Wagt mehr Flexibilitรคt. Es lohnt sich.
รœber die Autoren

Werbung