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Kollaboration

So klappt die Zusammenarbeit von Startups und Konzernen

Wie lassen sich die Kulturen von Startups und Konzernen zusammenbringen? Ein neuer Leitfaden gibt Antworten.

Stefan Mair

Illustration Kollaboration
Puzzle-Spiel? Die KomplexitΓ€t von Kooperation wird unterschΓ€tzt. Brigitta Garcia Lopez

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Startups haben, was Konzerne wollen: Beweglichkeit, Innovationskraft. Konzerne haben, was Startups mΓΆchten: Reichweite, Geld und Erfahrung. Wenn sich die beiden Welten treffen, kommt es aber oft genug zu EnttΓ€uschungen auf beiden Seiten. Die mit vielen schΓΆnen Worten integrierten Startups sehen sich plΓΆtzlich in einer Welt voller starrer Hierarchien und unbeweglicher Denkmuster. Und Konzerne kΓΆnnen mit den beweglichen GrΓΌndern oft genauso wenig anfangen, weil sie ihre mΓΌhsam aufgebauten Regelwerke – oft aufgrund regulatorischer Vorschriften – nicht einfach sprengen kΓΆnnen, nur weil das der schnellste Weg zum Kunden wΓ€re.
Christoph Birkholz kennt diese Probleme genau. Er ist MitgrΓΌnder und Managing Director des Impact Hub ZΓΌrichs, eines der Startup-Zentren der Schweiz. Zudem hat er selbst ein Startup – Yova – gegrΓΌndet und das Startup-FΓΆrderprogramm Kickstart Accelerator mit aufgebaut. Birkholz hat einen Leitfaden unter dem Titel Β«Kickstarting CollaborationΒ» herausgegeben (Hier gratis downloaden), der Konzernen und Startups helfen soll, ihre AnnΓ€herungs- und Kommunikationsprobleme besser zu lΓΆsen, und sich damit als eine Art Paartherapeut fΓΌr Gross- und Kleinfirmen positioniert.
Input aus der Wissenschaft

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Funktionierende Kooperation sei dringend nΓΆtig, so Birkholz: Β«Technologien wie maschinelles Lernen und kΓΌnstliche Intelligenz, Robotertechnik oder Nanotechnologie verΓ€ndern die Welt – und damit uns alle. Die Entwicklung, Anwendung und Verbreitung dieser komplexen Technologien benΓΆtigt Kooperation zwischen WissenschafterInnen, ManagerInnen, UnternehmerInnen.Β» Kooperation zwischen so unterschiedlichen Akteuren sei aber schwierig. Β«Daher haben wir ganz nah aus der Praxis Empfehlungen und Erfahrungen herausgearbeitet, die fΓΌr Kooperationen helfen kΓΆnnen.Β» Herausgekommen ist eine Sammlung von Erfahrungen und Stimmen aus der Corporate- und der Startup-Welt. UnterfΓΌttert mit Forschungsinput von akademischer Seite, beispielsweise der ETH.
Eines der grΓΆssten Probleme fΓΌr die erfolgreiche Kooperation von Grossfirmen und Startups sei dabei das sogenannte Β«Corporate Immune SystemΒ». Dieses hat sich im Verlauf der Entstehung einer effizient arbeitenden Funktion ganz natΓΌrlich herausgebildet. StandardablΓ€ufe werden eingeΓΌbt und gefΓΆrdert, Unbekanntes oder ganz neue AnsΓ€tze werden tendenziell abgestossen oder vermieden. Wenn Neuerungen und Herausforderungen auf etablierte Firmen treffen, entwickelten diese hΓ€ufig eine Art Immunsystem, das sich gegen jede Art von VerΓ€nderung wehrt. Nun gehe es darum, Β«ein tieferes VerstΓ€ndnis fΓΌr die sozialen Mechanismen solcher Kooperationen zu schaffen und dabei zu helfen, StabilitΓ€t und FlexibilitΓ€t zu balancierenΒ», wie die ETH-Forscherinnen Gudela Grote und Jennifer Sparr erklΓ€ren.

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Impact Hub Zurich
Coworking im Impact Hub ZΓΌrich.Β© 2016, udo.sollberger@fotofabrik.ch
Impact Hub Zurich
Coworking im Impact Hub ZΓΌrich.Β© 2016, udo.sollberger@fotofabrik.ch
Psychologische VertrΓ€ge
Erfolgreich kollaborieren kΓΆnne nur, wer psychologische VertrΓ€ge abschliesse und Regeln definiere, bei denen Fairness im Vordergrund steht. Auch Ziele mΓΌssten differenziert als Lernziele und Performance-Ziele aufgeschlΓΌsselt werden. Spannungen im Verlauf der Zusammenarbeit sollten nicht unter den Teppich gekehrt, sondern proaktiv analysiert werden.
Zu den sozialen Mechanismen, die die Kollaboration zwischen Startups und Grossfirmen erschweren, gehΓΆrt nach Auffassung der Autoren auch das Β«career-over-customer syndromeΒ». FΓΌr Firmen-Paarexperte Birkholz geht es darum, dass solche Β«DiagnosenΒ» bei einer Beratung schonend und konstruktiv beigebracht werden mΓΌssen: Β«Ohne die Metapher ΓΌberstrapazieren zu wollen, handelt es sich ja vielmehr um psychologische als um physiologische UmstΓ€nde. Da versucht man eher, die entsprechenden Personen zu motivieren, weniger an ihre Karriere oder die Meinung der Chefin zu denken, als vielmehr auf ihre eigenen Vorstellungen und Ideen zu hΓΆren.Β»

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Betroffene mΓΌssten sich die Frage stellen: Was will der Kunde eigentlich? WΓΌrdest du das Produkt selbst kaufen? Β«Das sind Fragen, die Unternehmer und Unternehmerinnen sich fast tΓ€glich stellen und die hΓ€ufig bei grΓΆsseren Firmen weniger im Fokus sind.Β» Es gΓ€be zwei klassische Reaktionen auf die Diagnose, so Birkholz: Entweder die Personen sind interessiert und machen mit oder sie ziehen sich einfach zurΓΌck und fokussieren sich weiter primΓ€r auf ihren Aufstieg im Konzern.

Das verhindert Kooperationen mit Startups

Beispiele aus der Praxis
Neben der Analyse der klassischen Verhaltensmuster, die Kooperation erschweren, lohnt sich auch der Blick auf konkrete Beispiele. Etwa bei der Kooperation des Versicherungskonzerns Axa und dem Visualisierungsstartup Veezoo. Das Startup bot Axa an, mithilfe seiner KI-Technik und Visualisierungen Effizienz zu steigern und die Entscheidungen der Managementebene besser zu unterfΓΌttern. Das Projekt war erfolgreich, das Jungunternehmen wuchs innert weniger Monate von drei auf zwΓΆlf Angestellte und konnte seine Technik im Konzern erfolgreich einsetzen. Das wichtigste Learning des Startups: Es braucht einen Β«internen ChampionΒ» in der Organisation, also eine Art VerbΓΌndeten, der auf die richtigen Projekte und Themen hinweist und Stolperfallen aus dem Weg rΓ€umt.

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Das Regtech Startup Apiax versuchte sein GlΓΌck als Partner einer anderen Riesin, nΓ€mlich der Credit Suisse. Der hochsensible Bereich der Bank-Compliance sollte mithilfe des Startups effizienter und benutzerfreundlicher gemacht werden. Β«Die Zusammenarbeit erfordert mehr Zeit und Energie, als man vielleicht vorher dachteΒ», lassen sich die beiden Firmen in der interessanten Sammlung von Kooperations-Erfahrungsberichten im Leitfaden zitieren. Dennoch sind beide mit der Zusammenarbeit und vor allem den Ergebnissen der Implementation des Apiax-Angebots zufrieden. Gut unterwegs war auch Coop mit der Kooperation mit dem indischen Robotik-Startup iFuture, das die Logistik des DetailhΓ€ndlers unter die Lupe nahm und Automatisierungsanalysen erstellte. Bei der Kooperation ging es vor allem darum, unterschiedliche technische Standards zwischen Asien und Europa zu berΓΌcksichtigen.
Offen Probleme anzusprechen
FΓΌr Birkholz war es gar nicht so schwierig, Grossfirmen und Startups dazu zu bringen, ΓΌber ihre Erfolge und Misserfolge bei der Kooperation zu sprechen. Β«Die Beteiligten sind ja zum Teil Co-Autoren, die selbst mehr Unternehmertum in ihren jeweiligen Organisationen fΓΆrdern mΓΆchtenΒ», so der Startup-Experte. Er erlebt bei seiner Arbeit fΓΌr das Kickstart-Programm Digitalswitzerland, den Impact Hub oder das Kraftwerk immer wieder erstaunlich viele Mitarbeiter grosser Firmen, die etwas bewegen wollen und sich nicht scheuen, Probleme anzusprechen.

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Gudela Grote und Jennifer Sparr von der ETH ZΓΌrich, die das Thema mithilfe von Forschungsinterviews analysiert haben, erklΓ€ren, dass Menschen und ihre grundsΓ€tzlichen Einstellungen selbst gar nicht so sehr das Problem sind, sondern das Verhalten, das starre, hΓ€ufig traditionelle Organisationsstrukturen bei Menschen auslΓΆsen. Diese mΓΌsse man verstehen lernen. Nur so liessen sich Reflexe von Corporate-Soldaten und Visionen von Startup-TrΓ€umern produktiv zusammbringen.
Über die Autoren

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