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Stracke kommentiert

Seid mutiger! Gebt Kontrolle ab!

Unternehmen wie die Swatch Group, Richemont oder LVMH sollten ihren Managern mehr Freiraum geben. Das hilft allen โ€“ den Uhrenliebhabern und den -herstellern.

Tim stracke

Tim Stracke
In Folge 3 der BILANZ-Watches-Serie fordert Tim Stracke mehr Handlungsspielraum fรผr CEOs von Uhrenunternehmen. zVg

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Was macht eine Uhrenmarke erfolgreich? Zum einen qualitativ hochwertige Produkte. Zum anderen verfรผgt eine begehrenswerte Marke immer รผber eine markante Identitรคt. Vermutlich trรคgt die Marke sogar mehr zum Wert einer Uhr bei als deren Qualitรคt und Funktion. Solche Marken lassen sich jedoch nicht รผber Nacht kreieren. Es erfordert Jahrzehnte kontinuierlicher Arbeit.
Gerade in dieser Hinsicht wird es bei Unternehmen wie Swatch Group, Richemont und LVMH interessant: Was ist ihre Strategie? Sie wollen Gewinne erwirtschaften, natรผrlich. Und wenn dies nicht in der gewรผnschten Grรถssenordnung geschieht, wird hรคufig umgeplant, neu justiert und das Management frรผhzeitig ausgetauscht. Meine Beobachtung: Die durchschnittliche Verweildauer der CEOs bei familiengefรผhrten Marken ist deutlich lรคnger als bei jenen Markengruppen, die ihre Manager auf einem Schleudersitz platzieren.
Ich glaube, die Gruppen mรผssen umdenken. Sie tรคten gut daran, ihren CEOs mehr Freiraum zu lassen, auch wenn das bedeutet, dass Marken innerhalb eines Konzerns miteinander konkurrieren. Das Markenportfolio der Swatch Group ist sehr gut segmentiert und innerhalb des Angebots auf die einzelnen Bereiche abgestimmt. Es gibt fรผr alle Preisklassen und Kundengruppen das richtige Angebot: von der Flik Flak fรผr Kinder รผber die preisgรผnstige Swatch-Uhr bis zur Omega oder Breguet fรผr Kรคufer mit tieferen Taschen. Aber es gibt wenig Wettbewerb und vermutlich viele Stallorders, was die einzelnen CEOs stark limitiert. Bei Richemont und LVMH ist es nicht anders.

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Auf den ersten Blick mag es vernรผnftig sein, das Uhrenportfolio innerhalb einer Gruppe wie eine Produktpalette zu optimieren. Was bei Autoherstellern funktioniert, ist aber bei Uhrenmarken nicht schlรผssig. Uhren sind emotional aufgeladene Produkte โ€“ umso wichtiger, dass eine Marke aus sich selbst heraus mit viel Freiheit ein eigenes Profil entwickelt.
Als Uhrenfan und -kรคufer brauche ich die Gewissheit, dass die neue Referenz nicht nur ein Produkt ist, das sich gut verkaufen lรคsst, sondern eine sinnvolle Weiterentwicklung des Sortiments. Denn das macht die Verbindung zwischen der Uhr als Marke und mir als Kunden aus: wenn die Marke zu mir passt, gerade weil sie ihr eigenes Profil kultiviert und nicht nur blind den Kundenwunsch nach Abwechslung erfรผllt. Ist diese Art der Eigenstรคndigkeit gegeben, entsteht eine langfristige Liebe zur Marke. Habe ich aber das Gefรผhl, dass eine Uhr nur Teil einer Produktpalette ist, um Zielgruppen und Umsรคtze zu vergrรถssern, dann bin ich raus.
Mich wundert es daher nicht, dass Georges Kern Richemont verlassen hat. Bei Breitling kann er nun frei entscheiden, welche Uhren er fรผr welche Zielgruppen produzieren mรถchte. Und der Erfolg gibt ihm recht. Deshalb meine Bitte als Uhrenfan: Gebt euren CEOs mehr Freiraum, damit sie langfristig noch stรคrkere Marken aufbauen kรถnnen. Beteiligt das Management am Unternehmen, um neue, innovative Energien freizusetzen. Dieses Bekenntnis zu Konstanz und Ausdauer wรคre auch anziehend fรผr besseres Personal. Und natรผrlich sollte jedes Management selbst entscheiden kรถnnen, wann es Synergien nutzt und wann es bewusst darauf verzichtet.

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Georges Kern hat mit Breitling das passende Playbook dazu geliefert. Ich bin fest davon รผberzeugt, dass dies auch innerhalb der Gruppen funktionieren kann. Kontrolle abzugeben, ist keine Schwรคche, sondern ein Beweis von Mut, Weitblick โ€“ und Geschรคftssinn.
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