Nach MoonSwatch und der gefloppten Swatch Fifty Fathoms klingt die Royal Pop wie die nächste Eskalationsstufe. Wieder nimmt Swatch eine Ikone der Haute Horlogerie und übersetzt sie in ein deutlich zugänglicheres Produkt. Diesmal ist der Fall aber heikler: Audemars Piguet gehört nicht zur Swatch Group. Und es geht nicht um irgendeine Uhr, sondern um eine der drei ikonischsten Uhren der Welt: die Royal Oak.
Dass die Entscheidung vermutlich noch aus der Ära François-Henry Bennahmias stammt, passt ins Bild. Die Marke «Royal Pop» wurde bereits im Juni 2024 eingetragen – nur wenige Monate nach dem Amtsantritt von Ilaria Resta. Bennahmias hat AP in den vergangenen Jahren deutlich stärker für Popkultur, Kooperationen und kulturelle Sichtbarkeit geöffnet und war bekennender Fan der MoonSwatch.
Royal Pop ist ein popkulturelles Experiment mit der ikonischen Royal Oak (im Bild das Modell «Orenji Hachi»).zVg
Royal Pop ist ein popkulturelles Experiment mit der ikonischen Royal Oak (im Bild das Modell «Orenji Hachi»).zVg
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Die Royal Oak ist für AP nicht einfach ein wichtiges Modell. Sie ist die Marke in Uhrenform. Royal Oak und Royal Oak Offshore sorgen Schätzungen zufolge für über 90 Prozent des Geschäfts. Wer also die Royal Oak berührt, berührt nicht den Rand der Marke. Er berührt ihren Kern.
Genau deshalb ist Royal Pop so spannend. Es geht nicht darum, ob Audemars Piguet nächste Woche mehr Royal Oaks verkauft. Die bessere Frage lautet: Wie bleibt eine Marke relevant für Menschen, die heute noch gar nicht ihre Kunden sind?
Genau hier liegt die Chance: Royal Pop macht AP sichtbar für Menschen, die sich heute keine Royal Oak leisten können – von denen manche aber in zehn oder fünfzehn Jahren Kunden werden könnten.
Das war auch die eigentliche Stärke der MoonSwatch. Als Omega und Swatch 2022 die MoonSwatch lancierten, war ich zunächst skeptisch. Rückblickend war diese Sorge unbegründet: Die MoonSwatch war optisch nah genug an der Speedmaster, um den Mythos zu transportieren, aber in Material, Preis, Farbe, Werk und Zielgruppe weit genug entfernt, um nicht als billige Speedmaster gelesen zu werden.
Bei Chrono24 konnten wir damals sehr klar sehen, wie stark die Nachfrage nach der originalen Speedmaster kurzfristig anzog. Die Lage normalisierte sich nach dem Effekt wieder. Aber der entscheidende Punkt bleibt: Die Speedmaster wurde nicht beschädigt. Die MoonSwatch wurde Popkultur. Die Speedmaster blieb die Speedmaster.
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Die Kollektion «Royal Pop» umfasst acht Modelle.zVg
Die Kollektion «Royal Pop» umfasst acht Modelle.zVg
Für Audemars Piguet ist der Nutzen klar: Die Marke wird für eine neue Zielgruppe sichtbar, ohne eine günstigere AP ins eigene Sortiment aufnehmen zu müssen. Genau darin liegt der entscheidende Unterschied: Die Royal Pop ist keine Audemars Piguet, sondern eine Swatch in Zusammenarbeit mit Audemars Piguet.
Würde AP eine günstige Royal Oak ins eigene Sortiment aufnehmen, wäre das gefährlich. Eine laute, bunte, bewusst anders positionierte Swatch-Interpretation ist etwas anderes. Sie steht nicht im AP-Katalog, konkurriert nicht mit der Royal Oak und spielt nur mit ihrem Mythos.
Entscheidend ist deshalb, dass AP genau diese Distanz hält. Die Marke sollte die Kooperation nicht zu laut spielen, nicht zu stark erklären und schon gar nicht wie einen strategischen Produktlaunch behandeln. Swatch darf hier die Bühne, die Stores, die Schlange und den Hype besitzen. Für AP ist gerade das Loslassen Teil der Strategie: dabei sein, ohne es zu sehr zu kontrollieren. Nur so bleibt Royal Pop ein popkulturelles Experiment. Und wird nicht als erster Schritt in Richtung einer günstigeren Royal Oak gesehen.
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Für Swatch ist diese Kooperation ein absoluter No-Brainer. Die Marke bekommt die Royal Oak, also eine der begehrtesten Uhrenikonen der Welt, in ihre eigene Pop-Logik übersetzt: bunt, zugänglich, sammelbar, laut. Mehr kulturelle Aufladung kann man sich kaum wünschen.
Gleichzeitig beweist Swatch erneut, dass die Marke Hype erzeugen kann. Swatch war einmal eine der grossen Popmarken der Uhrenwelt; in den letzten Jahren war diese Energie schwerer zu sehen. Die MoonSwatch hat sie kurzzeitig zurückgebracht. Royal Pop könnte sie bestätigen.
Die Uhren lösen einen weltweiten Hype aus – und Diskussionen (im Bild das Modell «Huit Blanc»).zVg
Die Uhren lösen einen weltweiten Hype aus – und Diskussionen (im Bild das Modell «Huit Blanc»).zVg
Die wirtschaftliche Bedeutung für die Swatch Group sollte man trotzdem nicht überschätzen. Selbst wenn Royal Pop ein Verkaufserfolg wird, löst sie nicht die Probleme des Konzerns. Innerhalb der Gruppe sind andere Marken wirtschaftlich deutlich wichtiger.
Interessant ist deshalb auch der Zeitpunkt der Kooperation.
Die Ankündigung kam eine Woche vor der Generalversammlung der Swatch Group. Dort ist Steven Wood erneut mit dem Versuch gescheitert, in den Verwaltungsrat einzuziehen. Entscheidend war am Ende nicht die Royal Pop, sondern die Stimmrechtsstruktur. Die Hayek-Familie kontrolliert mit rund einem Viertel des Kapitals mehr als 40 Prozent der Stimmen. Wood erhielt zwar unter den Inhaberaktionären starke Unterstützung, scheiterte aber in der Gesamt-GV erneut.
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Trotzdem war die Royal Pop in dieser Woche mehr als nur eine Uhrenankündigung.
Sie verschob die Erzählung. Während Investoren über Governance, Stimmrechte und Reformen sprechen wollten, sprach die Uhrenwelt über den nächsten grossen Swatch-Coup. Das löst keine strukturellen Probleme. Es ersetzt keine Governance-Debatte. Und es stützt auch nicht dauerhaft den Aktienkurs. Tatsächlich war die Kursfantasie um die Kooperation am Tag der GV bereits wieder deutlich nüchterner als der initiale 20-prozentige (royal) Pop der Aktie.
Ist Royal Pop also ein Fehler? Ich glaube nicht – solange sie begrenzt bleibt.
Sie darf keine Dauerstrategie werden, nicht in das eigene AP-Sortiment hineinwirken und nicht als Anfang einer günstigeren AP-Linie verstanden werden. Aber wenn sie das bleibt, was sie sein sollte – eine laute, bunte, eigenständige Swatch-Interpretation einer der grössten Uhrenikonen der Welt –, dann ist sie für Audemars Piguet weniger gefährlich, als viele glauben.
Luxusmarken brauchen Exklusivität. Aber sie brauchen auch Sichtbarkeit. Die Royal Pop ersetzt keine Royal Oak. Sie ist ein kleiner, lauter Satellit um einen sehr grossen Planeten. Manchmal reicht genau das, damit eine neue Generation überhaupt nach oben schaut.
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