Abo
Watches

Darum gibt es nun Rolex-Uhren aus zweiter Hand unter dem Ladenpreis

Auf dem Secondhand-Markt sind Modelle von Rolex zu tieferem Preis als im offiziellen Handel aufgetaucht – als Erste die Milgauss. Ein Wendepunkt?

Michael Hotz

Rolex Milgauss mit schwarzem Zifferblatt
Die Rolex-Sportuhr Milgauss mit schwarzem Zifferblatt war das erste Modell der Genfer Marke, das auf dem Secondhand-Markt billiger zu haben war als bei den offiziellen HΓ€ndlern zum empfohlenen Verkaufspreis. Β©Rolex

Werbung

Die Pandemie hat den Boom von Luxusuhren befeuert. Ab Anfang 2020 kannten die Marktpreise fΓΌr teure Occasions-Zeitmesser nur einen Weg: steil nach oben. Bis vergangenen FrΓΌhling. Ende des ersten Quartals 2022 kam die Phase beispielloser Preisexplosionen zum Stillstand. Und seither zeigt der Trend fΓΌr viele beliebte Marken in die gegenteilige Richtung.

Unser Podcast zum Thema

Alle weiteren Folgen von Β«Handelszeitung InsightsΒ» finden Sie hier.
Einen besonders starken Preiseinbruch verzeichnen Rolex-Uhren aus zweiter Hand. WΓ€hrend die Zweitmarktpreise anderer Schweizer Uhrenmarken wie Patek Philippe oder Audemars Piguet im Jahresvergleich noch im Plus sind, hat der 30 Modelle umfassende Rolex-Preis-Index von Β«WatchchartsΒ» in den letzten zwΓΆlf Monaten 7,6 Prozent eingebΓΌsst. Gemessen vom im letzten MΓ€rz erreichten Peak betrΓ€gt der Einbruch gar 24,2 Prozent. Der Index ist auf ein 18-Monate-Tief gesunken.

Partner-Inhalte

Milgauss machte den Anfang

Mittlerweile haben Secondhand-Preise von ersten Rolex-Modellen eine psychologische Grenze unterschritten. Auf Zweitmarkt-Portalen sind Angebote fΓΌr Uhren der Genfer Manufaktur aufgetaucht, deren Preise unter den von Rolex empfohlenen Verkaufspreisen liegen. Die Schwelle des Ladenpreises ist ein wichtiger Referenzpunkt – gerade fΓΌr LuxusgΓΌter, deren intrinsischer Wert praktisch bei null ist.
Als erste Uhr ereilte das Schicksal dieser bemerkenswerten Entwicklung die Milgauss mit schwarzem Zifferblatt (Ref. 116400GV) – also ausgerechnet ein Modell aus einer der beliebtesten Luxusuhrenkategorien, den Edelstahl-Sportuhren von Rolex. FΓΌr sie hat Β«WatchchartsΒ» ein Angebot auf einer Secondhand-Plattform fΓΌr 7850 Dollar registriert. Der offizielle US-Ladenpreis liegt dagegen bei 9150 Dollar.

Dieser Trend hat auch auf die Two-Tone-Modelle von Rolex ΓΌbergegriffen. Sowohl die Sky-Dweller aus Edelstahl und Gelbgold als auch die zweifarbige Explorer werden jetzt fΓΌr weniger als ihren jeweiligen Verkaufspreis angeboten. Weil die MarktaktivitΓ€ten bei diesen Modellen tiefer sind als bei ihren Edelstahl-Verwandten, ist das aber ein nicht ganz so bemerkenswerter Befund wie bei der Milgauss.

Werbung

Fans wΓΌnschen sich fallende Preise

Ein gewichtiger Grund fΓΌr die sinkenden Zweitmarktpreise ist das zunehmende Marktangebot an Rolex-Uhren. Seit vergangenem Februar lag die Anzahl angebotener Occasionsmodelle jeden Monat ΓΌber jener der verkauften Zeitmesser auf dem Secondhand-Markt.
Einen Einfluss hat wohl auch die aktuell vorherrschende Stimmung unter den Uhren-Enthusiasten. Wer die Kommentare auf einschlΓ€gigen Foren durchliest, kommt zum Schluss, dass sich eine Mehrheit weiter fallende Preise wΓΌnscht. Es herrscht das GefΓΌhl vor, dass solch hohe Preise nicht nachhaltig sind.
Der Hauptfaktor ist aber die VerfΓΌgbarkeit von Luxusuhren im Einzelhandel. Und diesbezΓΌglich ist die Lage fΓΌr die Kundschaft weiterhin unbefriedigend. Viele Modelle begehrter Marken sind zurzeit bei den offiziellen HΓ€ndlern nicht erhΓ€ltlich, es bestehen endlos lange Wartelisten. Das trifft auch auf Rolex zu.

Kampfansage an den Grauhandel

Rolex, die meistkopierte Marke der Welt, will die Kontrolle ΓΌber den SekundΓ€rmarkt zurΓΌck, indem sie Gebrauchtuhren zertifiziert. Ein Signal an BetrΓΌger – und an die Konkurrenz. Mehr dazu lesen Sie hier.
Inwieweit sich der Trend sinkender Preise auf dem Occasionsmarkt fΓΌr Luxusuhren in nΓ€chster Zeit fortsetzt, ist noch nicht absehbar. Es geht aktuell aber wieder in Richtung der Situation vor rund zwei Jahren, als nur die begehrtesten Rolex-Modelle wie eine Daytona oder ein GMT-Master auf dem Secondhand-Markt teurer waren als bei den offiziellen HΓ€ndlern.

Werbung

Weihnachten trΓ€gt zur Preisstabilisierung bei

Zumindest fΓΌr Rolex erweckt der Secondhand-Markt in den letzten Wochen den Anschein, dass sich die Preise stabilisieren. Die Zweitmarktpreise der 30 Modelle im Markenindex von Β«WatchchartsΒ» bewegten sich im November mehrheitlich innerhalb einer Spanne von plus/minus 2 Prozent. Und das Modell mit der schlechtesten Performance hat bloss 4 Prozent eingebΓΌsst.
Zur Stabilisierung kΓΆnnte der saisonale Effekt des WeihnachtsgeschΓ€fts beigetragen haben. Noch immer wΓΌnschen sich viele Menschen eine neue Rolex unter dem Christbaum – und die darf auch ein Modell aus zweiter Hand sein.
Über die Autoren
Michael Hotz
Michael Hotz
Michael Hotz ist Ressortleiter bei Ringier Medien Schweiz

Werbung