Abo
Kurzarbeit

In der Uhrenindustrie steigt der Druck

Hunderte Unternehmen machen von der Kurzarbeitsentschädigung Gebrauch. Die Massnahme wird nun ein drittes Mal verlängert. Und dann?

Iris Kuhn Spogat

file85xw0qp9avq1kb40sl1u
Die Beschäftigten in der Uhrenbranche sowie zahlreiche Betriebe – Zulieferer und Uhrenmarken – hoffen auf bessere Zeiten. Keystone

Werbung

Die Schweizer Uhrenindustrie steuert auf einen heiklen Moment zu. Ende Juli läuft die Kurzarbeitsentschädigung (KAE) aus – das Instrument, das seit 2024 verhindert hat, dass der abebbende Post-Covid-Nachholkonsum, die nachlassende Dynamik in China, steigende Zinsen und ein starker Franken direkt in eine Kündigungswelle kippten.
«Die KAE ist weder eine bequeme Lösung noch ein Wundermittel», sagt Ludovic Voillat, Generalsekretär der CPIH, des Arbeitgeberverbands der Branche, «aber sie ermöglicht es uns, Fachkräfte zu erhalten und die Erholungsfähigkeit des Sektors zu sichern.» Die KAE trägt seit bald 24 Monaten – die Lage für die Branche hat sich nicht gebessert, im Gegenteil.

25 Prozent

der Uhrenhersteller machten Ende April 2026 von der Kurzarbeitsentschädigung Gebrauch.
Ende 2025 beschäftigte die Uhrenindustrie 64’807 Personen – 835 weniger als im Vorjahr. Seit Juni 2024 haben gemäss SECO rund 43 Prozent der 2650 Unternehmen Kurzarbeit eingeführt. Knapp 80 Millionen Franken flossen bisher in die Stabilisierung des Sektors. Gemäss Voillat nutzten Ende April 2026 «noch mehr als ein Viertel der Uhrenhersteller diese Massnahme». Insbesondere Zulieferer – das industrielle Rückgrat der Branche – machen davon Gebrauch. Ob sich für sie die Situation je wieder wesentlich ändert, ist fraglich: Es werden immer weniger Uhren hergestellt. Vor 20 Jahren wurden noch rund 28 Millionen Uhren exportiert, 2025 war es noch gut die Hälfte.

Partner-Inhalte

Der Branchenexperte und Inhaber von LuxeConsult Oliver Müller beschreibt die Situation als «Mix aus konjunkturellen Faktoren und langfristigen strukturellen Problemen» und sieht im Zuliefersegment bis zu einem Viertel der Arbeitsplätze im Risiko, was langfristig bis zu rund 12’000 Stellen betreffen könnte – kurzfristig dürfte die effektive Gefährdung deutlich tiefer liegen.
Oliver Müller ist Branchenexperte und Inhaber von LuxeConsult.
Oliver Müller ist Branchenexperte und Inhaber von LuxeConsult.Guillaume Megevand
Oliver Müller ist Branchenexperte und Inhaber von LuxeConsult.
Oliver Müller ist Branchenexperte und Inhaber von LuxeConsult.Guillaume Megevand
Politisch spricht vieles für eine Verlängerung der KAE. Zu gross sind die Risiken, zu sensibel das industrielle Gefüge. Doch genau darin liegt das Dilemma: Die Massnahme stabilisiert kurzfristig – und macht Anpassungen gleichzeitig weniger dringlich. Was als Kriseninstrument gedacht ist, droht zum Dauerpuffer zu werden; die weitere Verlängerung der KAE ist bereits entschieden, aber noch nicht offiziell. Die Frage lautet, was danach kommt. Die Branche kämpft gemäss Müller nicht mit einer Delle, sondern mit einem veränderten Markt. Sie kann sich nicht darauf verlassen, dass die Vergangenheit zurückkehrt.

Über die Autoren

Werbung