Es war eine Uhr – wie die Werbung genüsslich hervorhob –, «die nicht mehr tickt, sondern summt». Was technisch schnell erklärt ist: Die 1960 lancierte Bulova Accutron, so ihr Name, hatte als Taktgeber keine klassische mechanische Unruh, wie zuvor 300 Jahre lang üblich; dafür sorgte stattdessen als Herzstück eine elektronisch stimulierte Stimmgabel. Erfunden hatte das Prinzip der Schweizer Ingenieur Max Hetzel – eine verblüffend revolutionäre Idee. Ihr Vorteil: Das Instrument, Vorgängerin der Quarzuhr, wich garantiert nur noch maximal 2 Sekunden pro Tag von der genauen Zeit ab – ein unglaublich guter Wert.
Heute lässt Citizen die Uhr wieder aufleben. Und schafft damit, wie der renommierte Uhrenpublizist Gisbert L. Brunner es in einer Laudatio formulierte, «das Comeback des Jahrzehnts». Die Worte wählte der profunde Kenner anlässlich der Preisverleihung an der Inhorgenta in München, der deutschen Fachmesse für Uhren, Schmuck, Edelsteine, Perlen und Technologie. Citizen wurde dort mit dem ersten Preis in der Kategorie «Watch Design of the Year» ausgezeichnet – sehr zur Freude von Karsten Isermann, dem Deutschland-Chef von Citizen, der die Marke gehört. Man müsse «irre sein», um ein derartiges Projekt anzugehen, sagte er lachend auf der Bühne. Der Aufwand sei enorm gewesen, unter anderem habe man zehn neue Maschinen entwickeln müssen.
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Die aktuelle Uhr baut auf die gleiche Technologie wie das Urmodell, und gleicht auch optisch weitgehend der berühmten Bulova Accutron Spaceview. Das Prinzip: Eine elektrisch angetriebene Stimmgabel schwingt mit 360 Hertz – also mit 360 Schwingungen pro Sekunde, was das typische Summen erzeugt. Die Schwingung der Stimmgabel wird über eine winzige Klinke auf ein feines Indexrad übertragen, daraus entsteht eine gleichmässig gleitende Bewegung des Sekundenzeigers – viel fliessender als bei herkömmlichen mechanischen Uhren.
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Neu zählt das Indexrad 400 Zähne, die Ur-Accutron begnügte sich mit 300. Weiterer Unterschied: Die neue Spaceview hat einen Glasboden, der den Blick auf die Platine mit Zierschliff im Stil der Genfer Streifen freigibt. Dazu kommt eine Krone bei vier Uhr, einst war sie aufklappbar und mithin kaum sichtbar im Gehäuseboden integriert. Man brauche keine Krone zum Nachstellen der Zeit bei einer derart präzis laufenden Uhr, hiess es. Verbesserungen gab es auch bei der Technik: Wo zum Beispiel bei der alten Uhr die Batterie nur für ein Jahr lang ausreichend Energie bereitstellte, hält die neue zwei Jahre durch. Die Uhr gibt es im Stahl- oder Titangehäuse (39 Millimeter Durchmesser, 5000 oder 5300 Euro), beziehungsweise in Gold (37 Millimeter, 29’995 Euro).
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Geblieben ist das optisch auffälligste Merkmal des Modells Spaceview, der Blick auf das elektromechanische Innere mit der revolutionären Stimmgabel. Und, klar, die Uhr summt weiterhin. Wie Musiker sofort erkennen, im charakteristischen „F#“-Ton.