Abo
Ikone der Uhrenwelt

Die Lady, die Blancpain veränderte

Betty Fiechter rettete Blancpain, setzte früh auf mechanische Damenuhren und schuf mit der Ladybird ein Stück Uhrengeschichte. 70 Jahre später erinnert die neue Lady B daran.

Bildschirmfoto 2026-02-26 um 15.43.41.png

Betty Fiechter war die erste Frau an der Spitze einer grossen Schweizer Uhrenmanufaktur.
Betty Fiechter war die erste Frau an der Spitze einer grossen Schweizer Uhrenmanufaktur.Thérèse Le-Prat / Blancpain

Werbung

Betty Fiechter übernahm Blancpain in einer Zeit der Krise und führte die Manufaktur durch die Wirren der Weltwirtschaftskrise. Mit der Ladybird schuf sie zudem eine Ikone der mechanischen Miniaturisierung. Heute, 70 Jahre später, verneigt sich Blancpain mit der neuen Lady B vor dieser Pionierin.
Villeret, 1932. Als Frédéric-Emile Blancpain, der letzte direkte Nachkomme der Uhrmacherdynastie in der siebten Generation, unerwartet verstirbt, steht die älteste Uhrenmarke der Welt vor dem Nichts, da die Tochter des Patrons die Firma nicht übernehmen wollte. In diesem Moment tritt eine Frau aus dem Schatten, die die Geschicke des Hauses bereits seit Jahren im Hintergrund mitgeprägt hatte: Berthe-Marie Fiechter, genannt Betty.
Fiechter war keine Unbekannte im Betrieb. Bereits 1915 hatte sie als Lehrling bei Blancpain begonnen und sich unter Frédéric-Emiles Fittichen zur Vertrauensperson und kaufmännischen Leiterin hochgearbeitet. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner André Léal kaufte sie die Manufaktur aus der Konkursmasse. Da das Schweizer Recht damals vorschrieb, dass ein Unternehmen nur dann den Familiennamen tragen durfte, wenn ein Familienmitglied beteiligt war, wurde aus Blancpain kurzerhand «Rayville» – ein phonetisches Anagramm von Villeret.

Partner-Inhalte

Strategie gegen den Strom

Betty Fiechter war die erste Frau an der Spitze einer grossen Schweizer Uhrenmanufaktur. In einer Ära, in der Damenuhren oft nur als schmucke Anhängsel der Herrenkollektionen betrachtet wurden, setzte Fiechter auf mechanische Eigenständigkeit. Während die Branche in den 1930er- und 1940er-Jahren ums Überleben kämpfte, diversifizierte sie geschickt.
Unter ihrer Ägide blieb Blancpain/Rayville eine feste Grösse in der Produktion hochwertiger Ebauches. Sie war es auch, die ihren Neffen Jean-Jacques Fiechter 1950 ins Unternehmen holte. Gemeinsam bildeten sie ein Tandem, das die Uhrenwelt nachhaltig verändern sollte: Er entwickelte die legendäre Taucheruhr Fifty Fathoms, während sie das Feld der femininen Mechanik revolutionierte.
Der Höhepunkt ihres Schaffens manifestierte sich im Jahr 1956. Während die Weltöffentlichkeit auf sportliche Komplikationen blickte, lancierte Betty Fiechter die Ladybird Bullet. Ihr Herzstück war das kleinste runde Uhrwerk der damaligen Zeit mit gerade einmal 11,85 Millimetern.
Die Ladybird Bullet aus dem Jahr 1956.
Die Ladybird Bullet aus dem Jahr 1956.PR
Die Ladybird Bullet aus dem Jahr 1956.
Die Ladybird Bullet aus dem Jahr 1956.PR
Entscheidend waren zwei Innovationen: ein zusätzliches fünftes Rad zur präziseren Kraftregulierung sowie eine speziell für das winzige Kaliber entwickelte Stosssicherung der Unruh. Das R55 verfügte über 200 Einzelteile, eine Frequenz von 3 Hz und mehr als 40 Stunden Gangreserve. Die Variante R550 mit rückseitiger Aufzugskrone schuf zudem neue Freiheiten für die Gestaltung von Schmuckuhren. Die technische Leistung überzeugte auch andere grosse Manufakturen wie Omega und Longines. Bis heute gilt das R55 als das kleinste jemals in Serie gefertigte runde mechanische Uhrwerk.

Werbung

Betty Fiechter leitete das Unternehmen bis 1971. Nach ihrem Tod und im Zuge der aufkommenden Quarzkrise wurde die Marke innerhalb der SSIH (einer Vorläufergruppe der heutigen Swatch Group) vorübergehend stillgelegt. Doch Fiechters Geist der reinen Mechanik war zu stark, um in Vergessenheit zu geraten. 1982 erwarben Jean-Claude Biver und Jacques Piguet die Namensrechte und führten Blancpain zurück zu altem Glanz – mit jenem legendären Slogan, der direkt auf Fiechters Philosophie fusste: «Seit 1735 gibt es bei Blancpain keine Quarzuhren. Und es wird sie auch nie geben.» 1992 wurde Blancpain schliesslich Teil der Swatch Group (damals SMH).

Die Renaissance einer Ikone: die neue Lady B

Heute, anlässlich des 70-jährigen Jubiläums der Ladybird-Kollektion, schliesst Blancpain den Kreis zu jener Ära der Innovation. Die neue Blancpain Lady B ist eine direkte Hommage an das Design der Ladybird Bullet von 1956 und an die kompromisslose Philosophie Betty Fiechters.
Die neue Lady B in Edelstahl.
Die neue Lady B in Edelstahl.PR
Die neue Lady B in Edelstahl.
Die neue Lady B in Edelstahl.PR
Für den Kenner ist die Lady B ein technisches Bravourstück der Moderne. Getreu dem Markenversprechen, niemals eine Quarzuhr zu bauen, schlägt im Inneren der nur 19 Millimeter kleinen, kugelförmigen Gehäusekonstruktion das Kaliber 615. Es handelt sich dabei um eines der kleinsten mechanischen Automatikwerke der Welt, ausgestattet mit einer Silizium-Spiralfeder – eine zeitgemässe Interpretation jener Miniaturisierung, die Fiechter vor sieben Jahrzehnten vorantrieb.

Werbung

Mit einem Volumen von lediglich 2,9 Kubikzentimetern und wahlweise in Edelstahl oder 18-karätigem Rotgold erhältlich, besinnt sich die Lady B auf die Tugend der Zierlichkeit. Das doppelt gewickelte Kalbsleder-Armband unterstreicht den Schmuckcharakter, ohne die mechanische Ernsthaftigkeit zu kaschieren. Betty Fiechter hätte an der Lady B ihre Freude gehabt.
Die neue Lady B in Rotgold.
Die neue Lady B in Rotgold.PR
Die neue Lady B in Rotgold.
Die neue Lady B in Rotgold.PR

Steckbrief zur Uhr

Gehäuse: 19 mm, Edelstahl oder 18 Karat Rotgold
Kaliber: Blancpain Manufaktur Kaliber 615
Preis: 9’500 Franken (Edelstahl) / 14’500 Franken (Rotgold)

Über die Autoren

Werbung