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Uhren-Auktionator

«Ich verliebe mich sehr gerne und auch sehr schnell in eine Uhr»

Unter den Hammer von Aurel Bacs kommen seltene Zeitmesser. Der Auktionator im Gespräch über Leidenschaft, Risiko und Rekorde am Auktionspult.

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Am 9. und 10. Mai wird Genf zum Zentrum der Uhrenwelt: Star-Auktionator Aurel Bacs lädt zur «Geneva Watch Auction: XXIII». Alex Stephen Teuscher

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Er gilt als Meister seines Fachs: Wenn Aurel Bacs den Auktionshammer hebt, wechseln nicht selten zweistellige Millionenbeträge den Besitzer. Am 9. und 10. Mai lädt der Mitgründer von Bacs & Russo und Star-Auktionator des Hauses Phillips zur «Geneva Watch Auction: XXIII» in Genf. Wir trafen Aurel Bacs zum Gespräch über Vorarbeit, Nervenstärke, Adrenalin und Indiana-Jones-Enttäuschungen.

Herr Bacs, die anstehende «Geneva Watch Auction: XXIII» ist ein Grossereignis der Uhrenwelt. Wie bereiten Sie und Ihr Team sich darauf vor?

Man kann das am besten mit einem Spitzensportler vergleichen, der sich auf die Olympischen Spiele vorbereitet. Die echte Vorbereitung hat nicht vor ein paar Wochen, sondern vor zehn oder zwanzig Jahren angefangen. Als Quereinsteiger können Sie nicht einfach beschliessen, in sechs Monaten eine Top-Auktion auf die Beine zu stellen. Sie brauchen aussergewöhnliche Uhren, und dafür benötigen Sie das Vertrauen der Sammler. Nehmen wir an, dieser Ruf ist vorhanden, dann beginnt die eigentliche Kernarbeit: Wochen, wenn nicht Monate akribischer Recherche. Unser Uhrmacher nimmt sich jedes Modell vor und zerlegt es manchmal komplett. Wir stehen in Kontakt mit Archiven, Fachbuchautoren und Museumsdirektoren. All dieses Wissen wird anschliessend physisch und digital in unseren Katalog gepresst. Ab diesem Moment beginnen die intensiven Beratungsgespräche mit Sammlern.

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Die kommende Auktion hat einen Fokus auf unabhängige Uhrenmarken. Warum ist denn gerade das Segment der «Independents» für Sammler so extrem interessant geworden?

Weil diese unabhängigen Marken – ob sie nun alleine arbeiten oder mit einer Handvoll Angestellten – Uhren so herstellen wie vor zweihundert Jahren. Alles ist manuell, es gibt keine computergesteuerten Fräsen. Das Schönste sind aber die Geschichten, Menschen und Schicksale hinter diesen Uhren. Ich kann in den Schweizer Jura fahren und dem Mann, der meine Uhr gebaut hat, die Hand schütteln. Das ist wie der Unterschied zwischen einem Schnellimbiss und einem Feinschmecker-Restaurant, in dem der Koch am Ende des Abends an den Tisch kommt.
Eine der Uhren, die an der «Geneva Watch Auction: XXIII» unter den Hammer kommt, ist eine Akrivia AK-06 von 2018. Die Uhr stammt von Rexhep Rexhepi, einem der renommiertesten unabhängigen Uhrmacher seiner Generation. Schätzpreis: 350’000 bis 700’000 Fr.
Eine der Uhren, die an der «Geneva Watch Auction: XXIII» unter den Hammer kommt, ist eine Akrivia AK-06 von 2018. Die Uhr stammt von Rexhep Rexhepi, einem der renommiertesten unabhängigen Uhrmacher seiner Generation. Schätzpreis: 350’000 bis 700’000 Fr.zVg
Eine der Uhren, die an der «Geneva Watch Auction: XXIII» unter den Hammer kommt, ist eine Akrivia AK-06 von 2018. Die Uhr stammt von Rexhep Rexhepi, einem der renommiertesten unabhängigen Uhrmacher seiner Generation. Schätzpreis: 350’000 bis 700’000 Fr.
Eine der Uhren, die an der «Geneva Watch Auction: XXIII» unter den Hammer kommt, ist eine Akrivia AK-06 von 2018. Die Uhr stammt von Rexhep Rexhepi, einem der renommiertesten unabhängigen Uhrmacher seiner Generation. Schätzpreis: 350’000 bis 700’000 Fr.zVg

Welche Rolle spielt Emotion im Vergleich zu reiner Investmentlogik bei den Bietern heute?

Im Jahr 2026 braucht niemand mehr eine mechanische Uhr. Das Objekt ist obsolet, ich habe die exakte Uhrzeit ja auf meinem Telefon oder Mikrowellenherd. Aber sehen Sie: Es braucht auch niemand ein echtes Gemälde von Picasso. Wer nur schöne Farbe an der Wand will, kann sich für zehn Euro ein Poster aufhängen. Wir bewegen uns bei diesen Uhren also von vornherein komplett im Emotionalen. Sammeln macht rational keinen Sinn – Essen, Schlafen und Gesundheit machen Sinn. Wir bewerten hier Mechanik, Handwerk und Ästhetik mit dem Herzen.

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Sehen Sie bei diesen unabhängigen Marken mittlerweile eine ähnliche Preisstabilität wie bei den grossen, etablierten Häusern?

Preisstabilität gibt es in der Theorie nur, wenn das Angebot unlimitiert ist und alle alles wissen – deswegen kostet eine Flasche Wasser im Supermarkt immer etwa gleich viel. Bei unabhängigen Uhrmachern sprechen wir aber von extrem limitierten Stücken, von denen oft nur ein paar Dutzend existieren. Eine kleine Einzimmerwohnung am Stadtrand von Zürich ist vermutlich auch preisstabiler als eine prunkvolle Villa an der Goldküste mit Seeanstoss – einfach, weil die Anzahl der potenziellen Käufer und Verkäufer eine andere ist. Insofern hat eine Rolex Datejust vermutlich weniger Preisvolatilität als ein seltenes Independent-Stück. Aber das sollte niemanden vom Kauf abhalten, wenn echte Leidenschaft im Spiel ist.

Wenn Sie ein Lot in dieser Auktion aus kuratorischer Sicht hervorheben müssten, welches erzählt die stärkste Geschichte?

Wir haben eine Taschenuhr mit Weltzeitanzeige von Agassiz aus dem Jahr 1945 (Lot 24). Sie verfügt über ein unglaubliches Zifferblatt aus Cloisonné-Emaille, damals das absolute Nonplusultra der Zifferblattwahl. Von dieser Uhr wurden exakt vier Einzelstücke gebaut. Sie waren ein Geschenk an die vier alliierten Staatsoberhäupter der Siegermächte: Churchill, Truman, Stalin und Charles de Gaulle. Wir bieten die Uhr von Charles de Gaulle an. Auf dem Zifferblatt sieht man Jeanne d’Arc am Strand der Normandie, Paris ist auf der Weltzeitscheibe in Gold hervorgehoben. Diese Uhr vereint absolute technische Faszination und unschätzbare historische Bedeutung. Wenn man sie in der Hand hält, bekommt man Gänsehaut.

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Die Taschenuhr mit Jeanne d’Arc auf dem Zifferblatt.
Die Taschenuhr mit Jeanne d’Arc auf dem Zifferblatt.zVg
Die Taschenuhr mit Jeanne d’Arc auf dem Zifferblatt.
Die Taschenuhr mit Jeanne d’Arc auf dem Zifferblatt.zVg

Wie ergeht es Ihnen persönlich während einer Live-Auktion? Verspüren Sie noch Adrenalin, oder ist das nach all den Jahren völlige Routine?

Einen berühmten Politiker hat man am Abend vor der Wahl einmal gefragt: «Sind Sie nervös?» Seine Antwort war: «Wenn ein Politiker am Abend vor der Wahl nicht nervös ist, sollte er aufhören.» Ich gehe da hundertprozentig einig. Wenn es nicht mehr zu Schmetterlingen im Bauch, Gänsehaut und einem Adrenalin-Rush kommt, dann ist man abgestumpft. Jeder Kunde, egal ob es um 1000 oder 10 Millionen Franken geht, will darauf vertrauen können, dass man 150 Prozent gegeben hat. Klar, bei meiner allerersten Auktion hatte ich richtiges Lampenfieber. Heute weiss ich zumindest: Keiner im Publikum reisst mir den Kopf ab. Aber man ist es dem Kunden schuldig, nervös zu sein. Schliesslich geht es um alles.

Was war in Ihrer Karriere der verrückteste Moment auf dem Podium?

Das war 2017 die Auktion der Rolex Daytona von Paul Newman in New York. Wir haben diese Uhr ein Jahr lang recherchiert, bis ich das Gefühl hatte, diesen Mann, den ich nie getroffen habe, persönlich zu kennen. Der Ausrufpreis lag bei einer Million, wir hofften aber auf drei bis fünf Millionen Dollar. Ich eröffnete das Bieten auf dem Podium mit: «Ladies and Gentlemen, let's start with a million.» Das erste Gebot lautete sofort: zehn Millionen! Das ist Adrenalin pur, da weiss man im ersten Moment gar nicht, wie es weitergeht. Der Körper spielt völlig verrückt, am liebsten möchte man losschreien. Ich wundere mich manchmal, dass Auktionatoren auf dem Pult keinen Zusammenbruch erleiden (lacht). Die Uhr ging schliesslich für 17,7 Millionen Dollar weg.

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Was sind im Kontrast dazu die schwierigsten Momente in Ihrem Beruf?

Einer der schwierigsten Momente ist die Indiana-Jones-Enttäuschung: Man hält eine Uhr in der Hand, steht quasi kurz davor, die Schatzkammer zu öffnen, um ihre Provenienz zu beweisen, und dann bekommt man von der Marke die Antwort: «Leider liegen uns zu diesem Stück keine Archivdaten vor.» Der entscheidende Nachweis lässt sich nicht erbringen. Da bricht eine Welt zusammen. Im Auktionssaal selbst schmerzt es, wenn der Markt ein Objekt nicht so einschätzt wie man selbst. Enttäuschung ist lediglich die negative Differenz zwischen Erwartung und Resultat. Es bedeutet oft nicht, dass das Objekt schlecht ist, sondern dass unsere Erwartung zu hoch war. Ich bin bei allem, was ich mache, extrem leidenschaftlich. Ich verliebe mich sehr gerne und auch sehr schnell in eine Uhr. Wenn die Bieter meine Liebe zu einer Uhr im Saal nicht teilen, kann mich das schon mal einen ganzen Tag lang schmerzen. Bis ich die nächste wunderbare Entdeckung mache.

Schätze, die an der «Geneva Watch Auction: XXIII» unter den Hammer kommen:

Chronometre à Resonance «Pisa» von F.P.Journe: Die Uhr wurde 2009 für den legendären Mailänder Uhrenhändler Pisa hergestellt und ist eine auf fünf Stück limitierte Sonderedition. Schätzpreis: 450’000 bis 900’000 Fr.
Chronometre à Resonance «Pisa» von F.P.Journe: Die Uhr wurde 2009 für den legendären Mailänder Uhrenhändler Pisa hergestellt und ist eine auf fünf Stück limitierte Sonderedition. Schätzpreis: 450’000 bis 900’000 Fr.zVg
Chronometre à Resonance «Pisa» von F.P.Journe: Die Uhr wurde 2009 für den legendären Mailänder Uhrenhändler Pisa hergestellt und ist eine auf fünf Stück limitierte Sonderedition. Schätzpreis: 450’000 bis 900’000 Fr.
Chronometre à Resonance «Pisa» von F.P.Journe: Die Uhr wurde 2009 für den legendären Mailänder Uhrenhändler Pisa hergestellt und ist eine auf fünf Stück limitierte Sonderedition. Schätzpreis: 450’000 bis 900’000 Fr.zVg

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Naissance d’Une Montre 1 von Greubel Forsey X Philippe Dufour X Michel Boulanger: Die Uhr ist das erste nummerierte Exemplar aus dem wegweisenden Projekt der Time Æon Foundation. Der Erste von 11 Zeitmessern ist ohne moderne automatisierte Verfahren geformt, veredelt und montiert worden. Schätzpreis: 400’000 bis 800’000 Fr.
Naissance d’Une Montre 1 von Greubel Forsey X Philippe Dufour X Michel Boulanger: Die Uhr ist das erste nummerierte Exemplar aus dem wegweisenden Projekt der Time Æon Foundation. Der Erste von 11 Zeitmessern ist ohne moderne automatisierte Verfahren geformt, veredelt und montiert worden. Schätzpreis: 400’000 bis 800’000 Fr.zVg
Naissance d’Une Montre 1 von Greubel Forsey X Philippe Dufour X Michel Boulanger: Die Uhr ist das erste nummerierte Exemplar aus dem wegweisenden Projekt der Time Æon Foundation. Der Erste von 11 Zeitmessern ist ohne moderne automatisierte Verfahren geformt, veredelt und montiert worden. Schätzpreis: 400’000 bis 800’000 Fr.
Naissance d’Une Montre 1 von Greubel Forsey X Philippe Dufour X Michel Boulanger: Die Uhr ist das erste nummerierte Exemplar aus dem wegweisenden Projekt der Time Æon Foundation. Der Erste von 11 Zeitmessern ist ohne moderne automatisierte Verfahren geformt, veredelt und montiert worden. Schätzpreis: 400’000 bis 800’000 Fr.zVg
Tourbillon Souverain 38mm Brass Movement von F.P.Journe: Ein seltenes, frühes Exemplar des Modells aus dem Jahr 2003 verdeutlicht einmal mehr Journes technische Brillanz. Schätzpreis: 350’000 bis 700’000 Fr.
Tourbillon Souverain 38mm Brass Movement von F.P.Journe: Ein seltenes, frühes Exemplar des Modells aus dem Jahr 2003 verdeutlicht einmal mehr Journes technische Brillanz. Schätzpreis: 350’000 bis 700’000 Fr.zVg
Tourbillon Souverain 38mm Brass Movement von F.P.Journe: Ein seltenes, frühes Exemplar des Modells aus dem Jahr 2003 verdeutlicht einmal mehr Journes technische Brillanz. Schätzpreis: 350’000 bis 700’000 Fr.
Tourbillon Souverain 38mm Brass Movement von F.P.Journe: Ein seltenes, frühes Exemplar des Modells aus dem Jahr 2003 verdeutlicht einmal mehr Journes technische Brillanz. Schätzpreis: 350’000 bis 700’000 Fr.zVg
Series 3 aus 18 Karat Roségold (2019) von Roger W. Smith: Als einziger Lehrling, der jemals vom legendären George Daniels ausgebildet wurde, führt Smith die Tradition der vollständig handgefertigten Uhrmacherkunst auf der Isle of Man fort. Nur 15 Stück werden jährlich hergestellt. Schätzpreis: 300’000 bis 600’000 Fr.
Series 3 aus 18 Karat Roségold (2019) von Roger W. Smith: Als einziger Lehrling, der jemals vom legendären George Daniels ausgebildet wurde, führt Smith die Tradition der vollständig handgefertigten Uhrmacherkunst auf der Isle of Man fort. Nur 15 Stück werden jährlich hergestellt. Schätzpreis: 300’000 bis 600’000 Fr.zVg
Series 3 aus 18 Karat Roségold (2019) von Roger W. Smith: Als einziger Lehrling, der jemals vom legendären George Daniels ausgebildet wurde, führt Smith die Tradition der vollständig handgefertigten Uhrmacherkunst auf der Isle of Man fort. Nur 15 Stück werden jährlich hergestellt. Schätzpreis: 300’000 bis 600’000 Fr.
Series 3 aus 18 Karat Roségold (2019) von Roger W. Smith: Als einziger Lehrling, der jemals vom legendären George Daniels ausgebildet wurde, führt Smith die Tradition der vollständig handgefertigten Uhrmacherkunst auf der Isle of Man fort. Nur 15 Stück werden jährlich hergestellt. Schätzpreis: 300’000 bis 600’000 Fr.zVg
Octa Chronographe 38mm Brass Movement von F.P.Journe: Ein seltenes, frühes Modell in Platin aus dem Jahr 2001. Schätzpreis: 150’000 bis 300’000 Fr.
Octa Chronographe 38mm Brass Movement von F.P.Journe: Ein seltenes, frühes Modell in Platin aus dem Jahr 2001. Schätzpreis: 150’000 bis 300’000 Fr.zVg
Octa Chronographe 38mm Brass Movement von F.P.Journe: Ein seltenes, frühes Modell in Platin aus dem Jahr 2001. Schätzpreis: 150’000 bis 300’000 Fr.
Octa Chronographe 38mm Brass Movement von F.P.Journe: Ein seltenes, frühes Modell in Platin aus dem Jahr 2001. Schätzpreis: 150’000 bis 300’000 Fr.zVg
Reference 6 von Urban Jürgensen: Das Modell wurde in den 1990er-Jahren in vermutlich nur geringer Stückzahl hergestellt. Es weicht mit seinem tonneauförmigen Gehäuse und dem auffälligen Zifferblatt von den klassischen Designcodes der Marke ab. Schätzpreis: 40’000 bis 80’000 Franken.
Reference 6 von Urban Jürgensen: Das Modell wurde in den 1990er-Jahren in vermutlich nur geringer Stückzahl hergestellt. Es weicht mit seinem tonneauförmigen Gehäuse und dem auffälligen Zifferblatt von den klassischen Designcodes der Marke ab. Schätzpreis: 40’000 bis 80’000 Franken.zVg
Reference 6 von Urban Jürgensen: Das Modell wurde in den 1990er-Jahren in vermutlich nur geringer Stückzahl hergestellt. Es weicht mit seinem tonneauförmigen Gehäuse und dem auffälligen Zifferblatt von den klassischen Designcodes der Marke ab. Schätzpreis: 40’000 bis 80’000 Franken.
Reference 6 von Urban Jürgensen: Das Modell wurde in den 1990er-Jahren in vermutlich nur geringer Stückzahl hergestellt. Es weicht mit seinem tonneauförmigen Gehäuse und dem auffälligen Zifferblatt von den klassischen Designcodes der Marke ab. Schätzpreis: 40’000 bis 80’000 Franken.zVg

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