Der Schuhhersteller On darf künftig das Schweizerkreuz nutzen, obwohl er in Asien produziert. Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum hat die Swissness-Regeln gelockert. Firmen dürfen das Kreuz verwenden, auch wenn Produkte hierzulande nur entwickelt werden. Damit setzt sich der Laufschuhhersteller mit Sitz in Zürich in einem langjährigen Streit durch. Der Entscheid hat aber Auswirkungen weit über On hinaus. Und kommt nicht überall gut an.
Roberto Martullo (64) etwa, Inhaber und CEO der Schuhmarke Künzli aus Windisch AG, versteht den Entscheid nicht. Lange habe man beim Bund die Meinung vertreten, dass On-Produkte, die ausschliesslich in Asien produziert werden, kein Schweizerkreuz tragen dürfen – und dass es da wenig Interpretationsspielraum gebe, schreibt er auf dem Karriereportal Linkedin. «Auf grossen Druck von On schafft das Bundesamt für geistiges Eigentum nun eine Lex On. Dieser Sinneswandel kommt überraschend», so Martullo.
Künzli produziert in Portugal. «Auch wir könnten von dieser neuen Regelung profitieren», schreibt Martullo weiter. «Doch wir sind dagegen. Wir wollen keine Lex On. Es wertet das «Swiss made» massiv ab, wenn wir das zulassen», führt der Unternehmer und Ehemann von Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher (56) aus. Und fügt an: «Wir werden alle juristische Mittel ausschöpfen, um diese Lex On zu bodigen.» ‹›
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«Schweizer Handwerk verliert massiv an Wert»
Auch bei Claudio Minder (46) kommt der Sinneswandel des Bundes nicht gut an. Der Ex-Mister-Schweiz ist Co-CEO von Kybun-Joya. Die Firma stellt ihre Schuhe in der Rheintaler Gemeinde Sennwald SG her. «Der Entscheid trifft uns», schreibt Minder auf Facebook. «Wir produzieren nach Schweizer Richtlinien und zu Schweizer Kosten.» Das Schweizerkreuz sei für ihn immer ein Versprechen gewesen – für Qualität, Verantwortung und Herkunft. «Für viele wird es jetzt einfach ein Marketing-Label», findet Minder. «Wir sind enttäuscht. Das ist eine Verwässerung.» Angst vor Wettbewerb habe er nicht, betont er. «Aber Schweizer Handwerk verliert so massiv an Wert.»
Claudio Minder, Co-CEO von Kybun-Joya: «Wir produzieren nach Schweizer Richtlinien und zu Schweizer Kosten.»Claudio Minder / Facebook
Claudio Minder, Co-CEO von Kybun-Joya: «Wir produzieren nach Schweizer Richtlinien und zu Schweizer Kosten.»Claudio Minder / Facebook
Andere Branche, gleiche Meinung. «Der Entscheid ist schwer verständlich und nicht nachvollziehbar», sagt Christopher Bitterli (67), CEO von Uhrenhersteller Grovana aus Tenniken BL, zu Blick. Das führe zu einer Verwässerung der Herkunftsbezeichnung. «Die On-Schuhe werden in Vietnam hergestellt. Wie kann man da erlauben, dass das Schweizerkreuz verwendet werden darf?», fragt er sich. Und vergleicht es mit seiner Branche. «Uhren müssen auch in der Schweiz zusammengesetzt werden. Warum müssen dann die On-Schuhe nicht auch in der Schweiz zusammengenäht oder -geklebt werden? Das ist absolut unverständlich!»
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Victorinox bleibt entspannt
Gelassener gibt man sich bei Victorinox in Schwyz. «Wir halten an unserer bisherigen, transparenten Kennzeichnung fest», sagt eine Sprecherin zu Blick. Konkret: «Auf Produkten, die nicht die Swissness-Kriterien erfüllen, werden wir unser Markenzeichen – Kreuz und Schild – weiterhin nicht in den Schweizer Landesfarben verwenden», führt sie aus. Das gilt unter anderem für die Victorinox-Koffer, die in Vietnam hergestellt werden. Auf diesen ist das Kreuz auf einem Schild in Schwarz gehalten.
Ob und in welcher Form man bei Bezeichnungen wie «Swiss Design» und «Swiss Engineering» künftig ein Schweizerkreuz einsetze, werde man prüfen. Entscheidend sei, dass die Glaubwürdigkeit des Schweizerkreuzes langfristig gewahrt bleibe. «Und dass Konsumentinnen und Konsumenten weiterhin darauf vertrauen können, dass damit eine substanzielle Wertschöpfung in der Schweiz verbunden ist.»