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Wirtschaftsprüfung

Mehr als eine Maschine

In der Treuhand- und Wirtschaftsprüfungsbranche sind der Mensch und sein Urteilsvermögen zentral.

Dr. Kurt Speck, Chefredaktor i.o.New Management © Bruno Arnold

Algorithmen unterstützen Wirtschaftsprüferinnen beim Entdecken von Risiken.
Algorithmen unterstützen Wirtschaftsprüferinnen beim Entdecken von Risiken.Shutterstock

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Die Wirtschaftsprüfung gerät meist nur in die Schlagzeilen, wenn ein Unternehmen durch finanzielle Manipulationen in eine Schieflage kommt. Dann richtet sich der Blick oft auf die Revisionsfirma, die solches Fehlverhalten doch schon früher im Datenkranz der Jahresrechnung hätte erkennen sollen. Ansonsten nimmt man die Tätigkeit der Abschlussprüferinnen und Abschlussprüfer als Routine wahr. Überhaupt operiert die Branche der Wirtschaftsprüfer und Treuhänder insgesamt unter dem Radar der Öffentlichkeit – ganz anders als etwa die Banken. Das ist verwunderlich, denn immerhin handelt es sich um einen zentralen Dienstleistungssektor mit rund 40 000 Beschäftigten, der für Stabilität an den Finanzmärkten und Wettbewerbsfähigkeit sowie Rechtssicherheit bei den Unternehmen sorgt. Der Berufsstand selbst befindet sich aktuell in einem rasanten Wandel. Stichworte dafür sind die Digitalisierung und Automatisierung von Buchhaltungs- und Prüfprozessen, der Einsatz von künstlicher Intelligenz für Datenanalysen und Risikobeurteilungen ebenso wie verschärfte Regulierungen beispielsweise bei der Geldwäschereibekämpfung und der Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Bessere Prüfqualität

Die grossen Wirtschaftsprüfungsunternehmen PWC, Deloitte, EY und KPMG haben bereits Milliardenbeträge in die Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz gesteckt. Die technologischen Lösungen reichen von Machine-Learning bis zu neuronalen Netzen und sehr komplexen Sprachmodellen. Damit wird die digitale Transformation in vielen Unternehmen und Organisationen beschleunigt. Gleichzeitig bleiben aber der Mensch und sein Urteilsvermögen zentral. Bei der künstlichen Intelligenz liegt es an den Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfern, die Chancen und Risiken zu kennen und diese für die jeweiligen Anwendungsfälle einzuschätzen. Branchenexperten gehen davon aus, dass sich mit den neuen Tools die Prüfungsqualität verbessert. Ob die Prüfprozesse effizienter werden – sprich kostengünstiger – und sich die Risiken genauer bewerten lassen, wird allerdings erst die Zukunft zeigen.

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Klar ist aber: Das Berufsbild verändert sich. Neben dem vertieften Wissen im Accounting-Bereich sind mehr und mehr auch IT-Kenntnisse erforderlich. Die neuen Technologien entlasten die Revisionsverantwortlichen von aufwendigen manuellen Routinearbeiten. Umso intensiver können sie sich nun um die risikobehafteten Bereiche der Abschlussprüfung kümmern. Aus der Sicht von Wirtschaftsprofessor Peter Leibfried von der Universität St. Gallen lassen sich auch betrügerische Aktivitäten eher entdecken, weil man Anomalien und Einzelfälle besser erkennen kann: «Aber auf der Täterseite wird dann auch eine künstliche Intelligenz vorhanden sein, die weiss, wie die andere künstliche Intelligenz arbeitet.» Da bewege sich die ganze Sache einfach auf ein höheres Niveau. Abschlussprüfer sind letztlich auch keine Forensiker, auch wenn sie vermehrt über Kenntnisse aus diesem Metier verfügen. Die vom Gesetzgeber gewollte Aufgabe der Wirtschaftsprüfer ist es, festzustellen, ob die Jahresrechnung als Ganzes frei von wesentlichen Fehlern ist.

Lebenslanges Lernen

Die Berufe in der Treuhand- und Wirtschaftsprüfungsbranche gelten als wissensintensiv. Die Grundausbildung erfolgt über eine kaufmännische Lehre im Sektor Treuhand und Wirtschaftsprüfung oder einen Bachelor in Betriebswirtschaft, Accounting sowie Finance. Danach folgt die höhere Berufsbildung mit Fachausweisen in den Sparten Rechnungswesen, Treuhand und Steuern. Wer in der Folge über eine berufsbegleitende Ausbildung das Diplom als Wirtschaftsprüfer, Treuhandexperte oder Steuerexperte erwirbt, schafft sich beste Chancen für Führungspositionen in Wirtschaft und Verwaltung. Ausgelernt ist aber auch dann nicht. Damit Revisorinnen und Revisoren ihre Zulassung bei der Revisionsaufsicht (RAB) behalten, müssen sie in ihrem Weiterbildungsjournal die notwendigen Pensen an Schulungen und Kursen nachweisen. Für den Berufsstand ist das ein Gütesiegel, das auch etwas über die Qualität der Wirtschaftsprüfung in der Schweiz aussagt.

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