Auch die Topzahlen der Hyperscaler vertreiben die Zweifel nicht
Trotz hervorragender Zahlen wie von SK Hynix oder von Google leiden deren Aktien wie auch andere Tech-Titel. Die Investorengemeinde zweifelt an der Profitabilität der gigantischen Investitionen.
Markus Diem Meier
«Allein Amazon, Google, Meta, Microsoft und Amazon investieren 2025 und 2026 rund eine Billion Dollar in künstliche Intelligenz, doch die Zweifel mehren sich, ob sich die Ausgaben am Ende auch rechnen», schreibt Handelszeitung-Chefredaktor Markus Diem Meier. HZ
Über die letzten Jahre haben die grossen Tech-Konzerne die Börsen getrieben und mit ihren Investitionen in künstliche Intelligenz und in die zugehörige Infrastruktur auch die Realwirtschaft. Doch die Zweifel mehren sich, ob sich die Ausgaben am Ende auch rechnen. Ausdruck dieser Zweifel ist die Unruhe an den Weltbörsen. Am Mittwoch sind die Aktien des koreanischen Chipherstellers SK Hynix um fast 10 Prozent abgestürzt, obwohl das Unternehmen die besten Zahlen seiner Geschichte vorgelegt hatte. Nvidia hatte zu Wochenbeginn in New York rund 5 Prozent eingebüsst. Dahinter steht die grundsätzlichere Sorge, dass die Investitionen nicht die erwarteten Erträge einbringen.
Bei den Hyperscalern, den Betreibern der grossen Rechenzentren, welche die Chips kaufen, zeigt sich das Spiegelbild. Auch sie legen dieser Tage ihre Abschlüsse vor, die meisten erst nach Redaktionsschluss. Alphabet, das Unternehmen hinter Google, hat bereits publiziert, und der Abschluss zum zweiten Quartal war gewaltig: In den drei Monaten bis Ende Juni lag der Umsatz bei knapp 120 Milliarden Dollar – ein Viertel mehr als im gleichen Vorjahresquartal –, der operative Gewinn stieg um 30 Prozent auf 41 Milliarden, die operative Marge auf 34 Prozent.
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Erstmals ein negativer Free Cashflow
Beeindruckt hat das die Börse ebenfalls nicht. Sie hat sich auf die Investitionen konzentriert. Und hier will Alphabet weiter klotzen. Das Unternehmen hat die geplanten Ausgaben für das laufende Jahr um 15 Milliarden auf neu 195 bis 205 Milliarden Dollar erhöht. Der Kurs fiel um 5 Prozent. Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich werden die fünf grössten Hyperscaler – das sind Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle – in den Jahren 2025 und 2026 zusammen über 1 Billion Dollar in künstliche Intelligenz und die zugehörige Infrastruktur investieren. Wie Alphabet zeigt, dürfte die Zahl höher ausfallen.
Noch bis vor kurzem haben die Giganten diese Ausgaben aus ihrem üppig sprudelnden Cashflow finanziert. Doch der reicht mittlerweile nicht mehr. Der freie Cashflow von Alphabet war im zweiten Quartal negativ – zum ersten Mal seit dem Börsengang von 2004 –, weil die Investitionen den operativen Cashflow von 39 Milliarden um 6 Milliarden überstiegen. Finanziert wird zunehmend über den Kapitalmarkt und über Deals mit den Zulieferern.
Die Investitionen sind Ausdruck eines «Winner takes it all»-Wettbewerbs. Die Idee dahinter: Wer das fähigste KI-Angebot hat, wird am Schluss den Markt beherrschen, wie einst Google jenen der Suchmaschinen. Doch gewinnen können nicht alle. Den Verlierern drohen Verluste. Das preisen nicht nur die Aktienmärkte ein. Gestiegen sind auch die Prämien für Ausfallversicherungen auf die Anleihen der Hyperscaler. Unter Druck stehen zudem die Bewertungen der Zulieferer, wie SK Hynix und Nvidia zeigen.