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Duell um die Spitze

Wer wird das Präsidium beim WEF übernehmen?

Christine Lagarde oder Larry Fink? Der Kampf um das Präsidium ist ein Richtungsentscheid über das Erbe von WEF-Gründer Klaus Schwab.

Dirk Schütz

<p>EZB-Chefin Christine Lagarde könnte die neue WEF-Präsidentin werden – und wird von Larry Fink hingehalten.</p>

EZB-Chefin Christine Lagarde könnte die neue WEF-Präsidentin werden – und wird von Larry Fink hingehalten.

keystone-sda.ch

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Nach den Trump-Festpielen am WEF stellt sich die Führungsfrage: Die beiden Co-Präsidenten Larry Fink (Blackrock) und André Hoffmann (Roche) stehen nur interimistisch an der Spitze, die definitive Nachfolge von Gründer Klaus Schwab ist nicht geregelt. Hinter den Kulissen zeichnet sich ein Machtkampf ab: Der 73-jährige Amerikaner Fink, der sichtlich Gefallen an der neuen Rolle gefunden hat, gegen die 70-jährige Französin Christine Lagarde, deren Mandat an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) Ende Oktober 2027 endet.

Schwab hatte mit Lagarde bereits am 14.  April 2025 die Übernahme des Präsidentenpostens vereinbart und das dem damaligen Vizepräsidenten Peter Brabeck und dem Audit- und Risk-Chef Thomas Buberl mitgeteilt. Zwei Tage später trafen hanebüchene anonyme Anschuldigungen ein, die Buberl ohne Rücksprache mit dem Stiftungsrat eine externe Untersuchung gegen Schwab lostreten liessen, die allerdings wie zu erwarten kein belastbares Fehlverhalten hervorbrachte.

<p>Klaus Schwab pocht auf sein die Nachfolge­regelung betreffendes Recht.</p>

Klaus Schwab pocht auf sein die Nachfolgeregelung betreffendes Recht.

AP
<p>Klaus Schwab pocht auf sein die Nachfolge­regelung betreffendes Recht.</p>

Klaus Schwab pocht auf sein die Nachfolgeregelung betreffendes Recht.

AP

Die WEF-Statuten blieben davon bislang unberührt. In Artikel  11 heisst es: «Klaus Schwab, der das Forum gegründet hat, oder mindestens ein Mitglied seiner Familie, durch sie bestimmt, ist ein Mitglied des Stiftungsrats. Der Gründer bestimmt selbst seinen Nachfolger in dem Rat und die Nachfolge des Letzteren.»

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Für Schwab ist damit klar, dass er seine Nachfolge auf dem Präsidentenposten selbst festlegen darf, und das hat er mit der Wahl Lagardes getan. Der Stiftungsrat, beraten von Bär-&-Karrer-Anwalt Andreas Länzlinger, hält dagegen: Schwab habe nur das Recht, ein Familienmitglied in den Stiftungsrat zu entsenden, nicht aber den Präsidenten. Doch Schwab wird seinen Anspruch kaum kampflos aufgeben.

Fink spielt auf Zeit. «Wundervoll» wäre es, Lagarde als Kandidatin zu haben, sobald ein Nominierungskomitee bestellt worden sei, liess er via «Financial Times» verlauten – womit er Schwabs Nominierungsrecht verneint. Das Komitee ist noch gar nicht gebildet, und die Stiftungsratssitzung am WEF in Davos war auf eine Stunde begrenzt – die Nachfolgefrage war nicht traktandiert. Den Kontakt zu Schwab soll Fink abgebrochen haben. Wie verhärtet die Fronten sind, zeigt der wenig souveräne Umgang mit dem Gründer: Er wurde in Davos totgeschwiegen, nicht einmal ein Dankeswort für 55  Jahre Aufbauleisung kam den Verantwortlichen über die Lippen. Dass Buberl oder auch die Accenture-Chefin Julie Sweet, die ebenfalls für ein hartes Vorgehen gegen Schwab eintrat, weiter Mitglied des überdimensionierten 27-köpfigen Stifungsrats sind, belegt die Frontstellung gegen den Gründer.

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<p>Blackrock-Lenker Larry Fink hat Gefallen am WEF-Präsidentenposten gefunden.</p>

Blackrock-Lenker Larry Fink hat Gefallen am WEF-Präsidentenposten gefunden.

AP
<p>Blackrock-Lenker Larry Fink hat Gefallen am WEF-Präsidentenposten gefunden.</p>

Blackrock-Lenker Larry Fink hat Gefallen am WEF-Präsidentenposten gefunden.

AP

Die Wahl zwischen Lagarde und Fink bedeutet eine zentrale Weichenstellung: Multilateralismus gegen Amerikanisierung, Werte gegen Dealmaking, in letzter Instanz auch Davos gegen einen anderen Standort. Die brutale Trump-Show in Davos dürfte auch amerikanischen Stiftungsräten wie Al Gore oder David Rubenstein kaum gefallen haben. Doch Lagarde wird nicht zu lange warten wollen – ein Abnutzungskampf ist nicht ihre Sache. 

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Dirk Schütz
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