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Kommentar zu Frauen und Karriere

Die Männer haben eine Meinung – die Frauen vor allem Bedenken

Viele Managerinnen zögern, wenn sie für einen Auftritt angefragt werden, während ihre Kollegen die offerierte Bühne nutzen. Das ist ein Fehler.

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«An alle zaudernden Frauen: weniger denken, einfach machen», rät Karin Kofler, freischaffende Publizistin. zVg

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Letzte Woche war ich zu einem Podium eingeladen. Fünf Frauen diskutierten über Sinn und Unsinn der Frauenquote. Dies anlässlich des neuen Buches von Margit Osterloh, emeritierter Professorin für Ökonomie der Uni Zürich, und der vor ein paar Tagen verstorbenen Soziologieprofessorin Katja Rost.
Wie immer bei solchen Diskussionen landete die Runde irgendwann bei der Frage nach Karrierestolpersteinen für Frauen. Es gibt viele strukturelle Hindernisse und einige persönliche. Zu Letzteren zähle ich die Tatsache, dass viele Frauen, selbst wenn sie einmal einen Spitzenjob ergattert haben, unbegreiflich fahrlässig mit ihrer Selbstvermarktung umgehen.

Männer sagen sofort zu, Frauen zaudern

Seit Jahrzehnten muss ich in meiner Rolle als Wirtschaftsautorin Topmanager beiderlei Geschlechts anfragen – für Fachbeiträge, für Podiumsdiskussionen oder als prägende Stimmen. Die Resultate solcher Aktionen gleichen sich jedes Mal auf verblüffende Weise: Die angefragten männlichen Topshots stehen in 95 Prozent der Fälle sofort zur Verfügung. Bei den Managerinnen liegt die Quote dagegen zwischen null und 20 Prozent. Typischerweise wollen es die Frauen ganz genau wissen. Wer sitzt im Publikum des Podiums? Was genau soll ihre Rolle sein? Welche Vorbereitungsarbeit wird erwartet? In welchem Kontext werden sie zitiert? Warum man gerade auf sie komme bei der Anfrage? Einige gehen sogar so weit, spontan eine Kollegin oder gar einen Kollegen zu empfehlen, der auf diesem Gebiet doch angeblich kompetenter sei.

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Wer keine Meinung sagt, wird auch nicht mehr gefragt

Mut zur Meinung? Pustekuchen. Frauen verstecken sich hinter ihrem dichten Terminkalender, sagen ab und gefallen sich dabei erst noch in der Rolle der bescheidenen Managerin, die – im Unterschied zu den Männern – nicht ständig eine Bühne braucht, um ihre Meinung kundzutun. Was sie verkennen: Wer den Eindruck erweckt, keine Meinung zu haben, wird auch nicht mehr danach gefragt. Wer alles kontrollieren will, zermürbt.
Medien fragen Frauen nicht aus Zufall an, sondern weil sie sie für kompetent halten und eine Diversität der Ansichten in einer Story oder einem Gespräch haben möchten – genau das, was wirtschaftlich und gesellschaftlich schon längst Normalität sein sollte. Doch mit lauter übervorsichtigen, um Kontrolle bemühten Akteurinnen ist das unmöglich hinzubekommen.
Klar, es gibt diesen sogenannten Goldfischglas-Effekt. Topmanagerinnen werden kritischer beäugt, Fehltritte stärker bewertet als bei Männern. Das ist wissenschaftlich gut untersucht. Frauen scheuen nicht den öffentlichen Auftritt per se, aber die damit verbundenen Reputationsrisiken für sich selber. Das ist zwar verständlich, führt allerdings dazu, dass sie sich selber aus dem Spiel nehmen.
Darum mein Ratschlag an alle zaudernden Frauen: weniger denken, einfach machen. Eure Kollegen kochen auch nur mit Wasser.

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