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Kommentar zum Vontobel-Umzug

Baar ist wie Aperol Spritz – austauschbar

Die Bank zieht von Zürich nach Baar. Ein Standort mit Vorteilen und internationalem Flair. Und dennoch steigt man abends gern wieder in den Zug nach Zürich.

Karin Kofler

«Der Standort ist eben nicht nur eine Frage von Quadratmetern, Mietkosten und Erreichbarkeit», schreibt Gastautorin Karin Kofler.
«Der Standort ist eben nicht nur eine Frage von Quadratmetern, Mietkosten und Erreichbarkeit», schreibt Gastautorin Karin Kofler.HZ

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Der Schuss ist raus: Die Zürcher Traditionsbank Vontobel zieht von der Zürcher City nach Baar, der zweitgrössten von elf Gemeinden im Mini-Kanton Zug. Der Umzug, der auf 2030 geplant ist, hat für ein ordentliches mediales Rauschen gesorgt – er wurde vor allem als Schlag gegen die rot-grüne Stadt Zürich und gegen die Steuerpolitik des Kantons interpretiert.
Was in der Debatte zu kurz kam: Was macht so ein Umzug eigentlich mit den Mitarbeitenden einer Firma? 1500 Vontobelaner werden nun künftig täglich nach Baar pendeln müssen. Für viele von ihnen bedeutet das ziemlich sicher, dass sie ihr Leben um die Arbeit herum völlig neu organisieren müssen: ein deutlich längerer und womöglich teurerer Arbeitsweg, ein Wechsel der Kinderkrippe (Albtraum aller Eltern), nicht länger mögliche Sportaktivitäten mit Kollegen. Kurz: Die Auswirkungen eines Standortwechsels auf die Mitarbeitenden sind gravierend.

Die Gastautorin

Karin Kofler ist regelmässige Gastkolumnistin und selbstständige Publizistin. Sie ist derzeit als Sabbatical-Vertretung für die Handelszeitung tätig.
Und da kann Baar – bei aller Schwärmerei der Standortpromotoren und der beiden CEOs der Bank Vontobel – nicht mit Zürich City mithalten. Müsste man die beiden Orte mit einem Drink vergleichen, dann wäre Zürich der Signature-Cocktail und Baar der Aperol Spritz – zweckmässig, aber austauschbar. Als langjährige Geschäftsführerin eines Wirtschaftsverbandes im Kanton Zug weiss ich, wovon ich rede. Der kleine Kanton versprüht dank den vielen internationalen Unternehmen, die dort angesiedelt sind, zweifellos internationales Flair. Englisch, Spanisch, Russisch – selbstverständlich gehörte, alltägliche Sprachen. Die Teslas, Porsches und Maseratis, die vor dem Private-Member-Club Shed im Stadtzentrum parkieren, versinnbildlichen die ökonomische Potenz des Kantons.

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Und doch werden die Vontobel-Angestellten rasch merken, dass sie ausserhalb ihres neu erbauten, modernen Campus im Baarer Lindenpark von einem hartnäckigen Provinzlüftchen umgeben sein werden. Die Zuger Behörden und Standortspezialisten leisten gute Arbeit, aber eines haben sie nie geschafft: Zug und dem kleineren Bruder Baar den Sex-Appeal und kreativen Charakter einer natürlich gewachsenen Wirtschaftsmetropole, wie Zürich es ist, zu verleihen. Baar ist kein Ort, an dem man abends unbedingt noch auf einen Drink gehen will. Die Altstadt von Zug ist putzig, aber nicht aufregend.
Der Standort ist eben nicht nur eine Frage von Quadratmetern, Mietkosten und Erreichbarkeit. Er ist Teil dessen, was eine Firma ausstrahlt. Und möglicherweise unterschätzt das Vontobel-Management genau diesen weichen Faktor ein wenig.

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