Produktinnovationen, sich verändernde Kundenbedürfnisse, Verschiebungen bei den Anlagevermögen, strategische Partnerschaften, technologische Entwicklungen, die wachsende Bedeutung alternativer Anlagen und die zunehmende Konvergenz von öffentlichen und privaten Märkten geschehen alle gleichzeitig. Experten wissen, der Markt ist wie ein Fluss, der sich ständig verändert, weshalb man besser lernen sollte, unter verschiedenen Bedingungen zu schwimmen.
Der Autor
Scott Geary, Vice Chair und Head of Global Wealth, Wellington Management
Inzwischen hat der Fluss allerdings deutlich mehr Stromschnellen. Ein Teil der Turbulenzen ist zyklisch, so wie Regenfälle, die den Fluss vorübergehend anschwellen lassen. Ein anderer Teil ist jedoch strukturell bedingt, vergleichbar mit Felsen im Flussbett, welche die Strömung dauerhaft verändern. Diese Felsen erfordern eine spürbare Anpassung.
Mehr als eine Produktinnovation
Die Konvergenz öffentlicher und privater Märkte ist eine der bedeutendsten strukturellen Veränderungen in der Vermögensverwaltung. Häufig auf Produktebene beschrieben, etwa anhand semiliquider Fonds, Evergreen-Strukturen oder hybrider Mandate, geht die tatsächliche Entwicklung weit darüber hinaus. Sie macht Anlageklassen investierbar, die zuvor kaum zugänglich waren, beschleunigt die Demokratisierung alternativer Anlagen und gestaltet Geschäftsmodelle neu. Traditionelle Vermögensverwalter dringen in private Märkte vor, während Private-Capital-Anbieter verstärkt die Bereiche Vermögensverwaltung und Altersvorsorge erschliessen. Mit dem Aufbrechen traditioneller Silos verschiebt sich die zentrale Frage von «Ist das öffentlich oder privat?» hin zu «Welche Funktion erfüllt die Anlage im Gesamtportfolio?». Kunden fragen beispielsweise, welchen Einfluss eine Private-Credit-Allokation auf die Ertragsstabilität hat. Rendite, Risiko und Liquidität lassen sich immer weniger getrennt voneinander betrachten. Die Konvergenz definiert auch Vorteile im Anlagegeschäft neu. So wird die Fähigkeit, die gesamte Kapitalstruktur zu überblicken und Kapital gezielt dort einzusetzen, wo sich attraktive Chancen bieten, zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsfaktor. Traditionelle Unterscheidungsmerkmale verlieren in der Vermögensverwaltungsbranche an Bedeutung, da es zunehmend einfacher wird, private Vermögenswerte zu bündeln und mit Benchmarks zu vergleichen.
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Mehr Tiefe, weniger in die Breite
Viele Fachleute lernten zu Beginn ihrer Karriere in den 1990er-Jahren, ganzheitlich zu denken. Eine echte Partnerschaft entstand erst, wenn genügend Vertrauen aufgebaut war, um die Herausforderungen des Kunden wirklich zu verstehen und dann gezielt die passenden Ressourcen einzubringen: Händler, Bankfachwissen, IPO-Zuteilungen sowie Zugang zu Unternehmen und Konferenzen. Im Mittelpunkt stand nicht das einzelne Produkt, sondern die vertrauensvolle Beziehung sowie die Fähigkeit, Probleme zu lösen und dem Kunden als Sparringspartner zur Seite zu stehen. Ähnliches gilt heute auch.
Zwar müssen institutionelle Anleger mit weniger Ressourcen mehr erreichen, wobei eine wettbewerbsfähige Performance als selbstverständlich gilt. Erfolgreiche Partnerschaften beruhen indes auf der Tiefe der Beziehung, nicht auf der Breite des Produktangebots. Das Fundament bilden gemeinsame Werte: Integrität, Respekt und Exzellenz. Die Gesamtheit dieser Entwicklungen verändert die Anforderungen an Vermögensverwalter. Zwar bleibt Investment Alpha oberste Priorität. Doch damit allein kann sich ein Unternehmen nicht mehr abheben. Das Erfolgsmodell heisst Total Outcome Alpha. Alpha entsteht nicht mehr nur innerhalb des Portfolios. Vielmehr wird es heute im gesamten Ökosystem geschaffen und umfasst Investment Alpha (differenzierte, wiederholbare Renditen), Service Alpha (tiefgreifendes Kundenverständnis und die Bereitstellung von Einblicken, Zugangsmöglichkeiten und Lösungen, die wirklich zählen) sowie Operational Alpha (der Aufbau der Plattform und der Infrastruktur, die es ermöglichen, Ideen effizient umzusetzen, global zu skalieren und lokal anzupassen).
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Konkret entsteht Total Outcome Alpha dort, wo diese drei Formen von Alpha zusammenkommen: Anlagekompetenzen fliessen in Kundenlösungen ein, Kundenbedürfnisse prägen die Produktgestaltung und die Infrastruktur ermöglicht beides. Denn Alpha geht weit über die blosse Produktsicht hinaus. Es liegt im wirkungsvollen Zusammenspiel des gesamten Systems.
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