Banken im heutigen Sinn gibt es seit dem Mittelalter. Die 1995 gegründete EFG Bank steckt damit vergleichsweise noch in den Kinderschuhen. Und doch erlebte sie in diesen gut dreissig Jahren gewaltige Umbrüche im Bankensektor. «Technologie, Regulierung und die Vielfalt der Produkte haben sich in einem Ausmass weiterentwickelt, das man sich damals kaum hätte vorstellen können», sagt Franco Polloni, Head of Switzerland & Italy Region bei der EFG. Doch der Kern des Geschäfts hat sich nicht geändert: «Die Qualität der Beziehung zwischen Kunden und Beratern bleibt der entscheidende Faktor für Erfolg oder Misserfolg einer Bank.» Technologische Neuerungen sind in erster Linie Werkzeuge für die Kundenberater, betont Regionenchef Polloni. «Sie helfen uns, unser Angebot laufend sicherer und zugleich einfacher zugänglich zu machen.» Dazu gehören etwa die Technologieplattform Aladdin Wealth des Vermögensverwalters Blackrock oder das eigene Daten-Cockpit CRO Atlas, die beide den EFG-Kundenberatern zur Verfügung stehen. CRO steht bei der EFG für Client Relationship Officers, wie die Kundenberater für High-Net-Worth Individuals genannt werden. Allerdings gibt es laut Polloni eine Kehrseite: «Cyberrisiken haben für Unternehmen aller Branchen zugenommen.» Stets auf dem neuesten Stand zu sein, um die Vermögen und Daten der Kunden bestmöglich zu schützen, erfordere kontinuierliche und substanzielle Investitionen.
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KI ist ein Werkzeug
Das Gleiche gilt für die KI, das Tech-Thema der Stunde. Die Welt scheint mit KI erneut vor einem tiefgreifenden Wandel zu stehen, der auch die Finanzbranche betrifft. «Für uns als Unternehmen ist KI jedoch in erster Linie ein Werkzeug, mit dem wir unsere Prozesse und unser Leistungsangebot verbessern können», fasst es Polloni zusammen. «Die grosse Chance von KI – und von Technologie insgesamt – besteht darin, dass sie uns ermöglicht, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: auf unsere Kunden, auf unser Angebot und darauf, die richtigen Mitarbeitenden zu haben, um die Bedürfnisse unserer Kunden zu erkennen und zu verstehen.» Gleichzeitig darf man die Risiken nicht unterschätzen. Cybersecurity gewinnt weiter an Bedeutung, und auch geopolitische Entwicklungen können durch den Einsatz von KI beeinflusst werden.
Ein zentrales Zukunftsthema für die Kunden der EFG Bank ist laut Polloni der demografische Wandel. «Allein bis 2030 werden High-Net-Worth Individuals Vermögen von über 11 Billionen (!) Dollar an die nächste Generation übertragen.» Das betrifft auch die Übergabe von Verantwortung für Unternehmen, Familienstrukturen und Stiftungen. Eine grosse Chance für die EFG: Die Nachfrage nach massgeschneiderten Lösungen in der Nachfolgeplanung nimmt zu, denn Unternehmerfamilien brauchen eine langfristige und individuelle Begleitung durch ihre Bank. «Genau hier sehen wir unsere Stärke, als unternehmerische Bank mit internationaler Erfahrung und persönlicher Beratung über Generationen hinweg», ist Polloni überzeugt.
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Von Neobanken wie Yuh, Revolut, Alpian und Co. sieht sich die Privatbank deshalb nicht bedroht. Das Geschäftsmodell lässt sich laut dem EFG-Topmanager kaum vergleichen. Auf der anderen Seite kann die ganze Finanzbranche viel von den benutzerfreundlichen Interfaces der Digitalbanken lernen. «Für EFG bleibt die entscheidende Schnittstelle jedoch der Kundenberater: Die persönliche Beziehung, das Verständnis für komplexe Vermögenssituationen und die langfristige Begleitung unserer Kunden lassen sich nicht durch eine App ersetzen.»
Weiterentwicklung im Fokus
Das Private Banking stehe vor einem historischen Wendepunkt, sagt Polloni. «Das unternehmerische, CRO-zentrierte Modell und der personalisierte Service bleiben der Kern, müssen aber neu gedacht werden.» Um fit für die nächsten dreissig Jahre zu sein, stehen bei der EFG fünf Prioritäten im Zentrum. Erstens: den grossen Vermögenstransfer aktiv mit der nächsten Generation gestalten. Zweitens: Technologie und KI zur Stärkung der Kundenbeziehung nutzen. Drittens: Wachstum durch intelligente Akquisitionen wie Cité Gestion. Viertens: im Wettbewerb um Toptalente mit dem CRO-Modell die attraktivste Adresse für Banker werden. Und fünftens: Purpose, ESG und Impact fest in die Anlagephilosophie und Beratung verankern. Das Ziel: «Die EFG will Erfolg in Kundengenerationen statt in Quartalen messen, mit der klaren Einsicht, dass nur jene überleben, die sich weiterentwickeln und ihre Stärken täglich neu unter Beweis stellen.»
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