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Carte Blanche

Wir sparen, andere bauen

Die Schweizer Vorsorge-Milliarden sind nur zu 0,2 Prozent in Venture Capital investiert, in anderen Ländern ist es viel mehr. Wir verpassen Renditen und halten Wachstumskapital für Start-ups knapp.

Nathalie Moral

Nathalie Moral, Ex-Bain-Beraterin, gehört zu den Pionierinnen des Impact Investing und ist Gründungspartnerin des Klimafonds Vitamin°C.
Nathalie Moral, Ex-Bain-Beraterin, gehört zu den Pionierinnen des Impact Investing und ist Gründungspartnerin des Klimafonds Vitamin°C.PR

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Das Mandat einer Pensionskasse sollte weitsichtig sein. Zukunft besteht nicht nur aus einer Rente, sondern auch aus einer Wirtschaft, die Arbeitsplätze und Wertschöpfung liefert. Sie entsteht über die Firmen, die gegründet werden, und die Innovationen, die sie bringen. Sie kommen aus Robotik, künstlicher Intelligenz, Biotech und Energie und entstehen hier in der Schweiz. Die Schweizer Hochschulen ETH und EPFL haben in fünf Jahren mehr Venture-Capital-finanzierte Deeptech-Firmen hervorgebracht als Oxford und Cambridge zusammen. Zum fünfzehnten Mal führen wir den globalen Innovationsindex an.
Wir investieren aber nur in den Anfang. Bei Finanzierungsrunden zwischen 15 und 100 Millionen Dollar kommen 82 Prozent des Kapitals aus dem Ausland, im europäischen Schnitt sind es 60 Prozent. Wir finanzieren die Forschung und starten die Firmen. Sobald sie wachsen und volkswirtschaftlich zählen, gehören sie anderen.

Wachstumskapital

In der Schweiz liegen 1300 Milliarden Franken Vorsorgevermögen. Private Equity (PE) und Venture Capital (VC) machen 1,5 Prozent aus, Venture Capital alleine sogar nur etwa 0,2 Prozent. Im Vergleich: In den USA liegen die PE-Quoten je nach Kasse bei 5 bis 15 Prozent. Die übliche Erklärung hierzulande lautet: Regulierung und Risiko. Beides stimmt nicht. Seit 2022 kennt die Verordnung BVV 2 eine eigene Kategorie für nichtkotierte Schweizer Anlagen, mit fünf Prozent Spielraum. Vier Jahre später ist die PE-Quote nicht gestiegen, sondern gesunken.

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Heute fliessen rund 0,2 Prozent des Vorsorgevermögens in VC, also 2,6 Milliarden Franken. Bei nur 2 Prozent wären das bereits 26 Milliarden Franken, aber immer noch weniger als die Hälfte dessen, was die Regulierung erlaubt. Über zehn Jahre aufgebaut wären das gut zwei Milliarden Franken zusätzlich pro Jahr. In Schweizer Start-ups wurden 2025 insgesamt 2,95 Milliarden investiert. Das Wachstumskapital für Schweizer Start-ups liesse sich also mit einem kleinen Schritt nahezu verdoppeln.

Gute Renditen

Ein Hindernis ist praktischer Natur: Pensionskassen werden nach ihren Verwaltungskosten beurteilt. Wer Venture Capital zeichnet, verschlechtert diese Zahl im nächsten Geschäftsbericht. Die Kosten kommen sofort, die Rendite in zehn Jahren. Wer also vorangeht, hat kurzfristig zu erklären und noch nichts zu gewinnen.
Lange lieferte meine Branche öffentlich keine vergleichbaren Zahlen. Das ändert sich. Die Universität Basel, SECA und Deep Tech Nation Switzerland veröffentlichten 2025 die erste Rendite-Studie zu Schweizer Venture-Capital-Fonds. Wer zwischen 2014 und 2020 breit darin investiert hätte, hätte bis Ende 2024 eine jährliche Rendite von 14 Prozent erzielt. Aus 100 Franken wären damit rund 150 Franken geworden.

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Wir haben das Kapital

Dass es geht, zeigen andere. Dänemark gründete 2011 einen gemeinsamen Fonds von Staat und Pensionskassen. Die Kassen zahlen ein, der Fonds investiert in Venture- und Wachstumsfonds, die dänische Unternehmen finanzieren. Bis Ende 2025 kamen rund 11 Milliarden Kronen zusammen, umgerechnet 1,4 Milliarden Franken. Auch bei uns steht ein Gefäss bereit. Die Anlagestiftung Winterthur und Deep Tech Nation bauen den AWI Deep Tech Fund für Pensionskassen. Kein klassischer Fonds, sondern eine regulierte Stiftungsstruktur unter behördlicher Aufsicht.
Zielgrösse sind 500 Millionen Franken für Wachstumsfinanzierung, ein erstes Closing ist für Mitte 2027 geplant. Wenn eine Pensionskasse also investieren will, kann sie es heute tun. Es braucht eine Zukunftsvision für die Schweiz, die Innovation nicht nur bis zur Labortür trägt, sondern bis zum gestandenen Unternehmen. Unsere Pensionskassen könnten die Energiewende und die nächste Generation Schweizer Industrie mitfinanzieren. Wir haben das Kapital. Jetzt brauchen wir den Willen.

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