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Votum

USR-Debakel: Das linke Lager wittert ihre Chance

Das deutliche Nein zur Unternehmenssteuerreform III gibt der Linken Aufwind: Sie wittert einen Richtungswechsel und stellt Forderungen. Auch die Kaptialgewinnsteuer wird fΓΌr sie wieder zum Thema.

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Margret Kiener Nellen: Das linke Lager wittert eine Trendwende.Keystone RMS

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Das Staunen links und rechts ist gross: Fast 60 Prozent Schweizer StimmbΓΌrger haben ein Nein zur Unternehmenssteuerreform III in die Urnen gelegt. Beide politische Lager rechneten mit einem knappen Ausgang. Mit dem klaren Verdikt ist bei SP-NationalrΓ€tin Margret Kiener Nellen die Genugtuung aber umso grΓΆsser. Sie kΓ€mpfte an vorderster Front gegen die Β«BschissΒ»-Vorlage, wie sie vom linksgrΓΌnen Lager genannt wurde.

Β«Ich habe in den SΓ€len immer wieder gespΓΌrt, dass sich die Leute noch lebhaft an die Versprechen im Vorfeld der Unternehmenssteuerreform II erinnern konnten. Damals im Jahr 2008 versprach Bundesrat Rudolf Merz SteuerausfΓ€lle von ein paar hundert Millionen Franken zugunsten der KMU. Herausgekommen sind MilliardenlΓΆcher fΓΌr GrossaktionΓ€re. Die Zeche zahlte der Mittelstand. Das ist den Leuten in die Knochen gefahren.Β» SpΓ€ter stellte das Bundesgericht zudem fest, dass den StimmbΓΌrgern wichtige Informationen vorenthalten wurden.

Β«Nicht gelungen, KMU ins Boot zu holenΒ»

Die Emotionalisierung durch die Bschiss-Kampagne habe darum sehr gut verfangen, meint Kiener Nellen. Zudem habe die Gegenseite recht starr agiert: Β«Die millionenschwere Plakatkampagne mit dem Schweizerkreuz und dem Slogan β€ΉArbeitsplΓ€tze sichern! Schweiz stΓ€rken!β€Ί hat nicht verfangen. Schon im Oktober 2016, als wir das Referendum ergriffen, waren die ersten Plakate aufgehΓ€ngt. Das war ein teurer Teil ihrer Kampagne, der offenbar einfach verpuffte.Β»

FΓΌr Bernhard Guhl, als Aargauer BDP-Nationalrat im bΓΌrgerlichen Ja-Komitee, war der Wahlkampf des Gewerbeverbandes nicht ideal verlaufen. Β«Wenn man einer SP-StΓ€nderΓ€tin wie Pascale Bruderer in der Abstimmungszeitung in den Mund legt, sie sei fΓΌr die USR III, wenn das Gegenteil der Fall ist, dann wird das von den StimmbΓΌrgern einfach nicht goutiert. Das war sehr kontraproduktiv.Β» Es sei zwar schon richtig gewesen, dass der Gewerbeverband als Vertreter der KMUs und nicht Economiesuisse die Kampagne gefΓΌhrt habe. Aber: Β«Es ist uns offensichtlich nicht gelungen, die KMU ins Boot zu holen.Β»

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Β«Unterbesteuerung muss wegΒ»

Auch die prominente Kritik von Parteikollegin und Ex-BundesrΓ€tin Eveline Widmer-Schlumpf habe dem Ja-Lager sicher nicht geholfen. Ausschlaggebend sei das aber nicht gewesen: Β«Schon vorher kippte die Stimmung von einem Ja zum NeinΒ», so Guhl. Auf jeden Fall sei er sehr gespannt auf die kommenden Vox-Analysen, die detaillierter aufzeigten, warum die StimmbΓΌrger die Vorlage so klar bachab schickten.

Das deutliche Nein gibt der Linken Aufwind, SP-PrΓ€sident Christian Levrat sieht bereits eine Legislaturwende. Auch Kiener Nellen ortet einen Richtungswechsel und meint: Β«Mit USR III ist das Paradepferd des bΓΌrgerlichen Schulterschlusses vom MΓ€rz 2015 vor dem Volk gescheitert.Β» Und sie stellt Forderungen: Β«Die zinsbereinigte Gewinnsteuer, die Aktiengesellschaften AbzΓΌge fΓΌr fiktive Zinsen gestattet, muss raus.Β» Auch die Kaptialgewinnsteuer wird fΓΌr sie wieder zum Thema. In der Vernehmlassung des Bundesrates war die Kapitalgewinnsteuer noch drin, wurde dann vom Bundesrat aber rausgestrichen.

SchnellstmΓΆglich neue Vorlage

Auch Bernhard Guhl sieht in der zinsbereinigten Gewinnsteuer den berühmten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: «Sie war wohl die eine Stellschraube zu viel», rÀumt er ein. Des weiteren fordert Kiener Nellen, dass eine künftige Vorlage eine Gegenfinanzierung durch AktionÀre oder Aktiengesellschaften enthalten müsse. «Die klare Unterbesteuerung der AktionÀre seit der USR II muss weg», so Kiener-Nellen.

FΓΌr beide Politiker ist klar, dass nun schnellstmΓΆglich eine neue Vorlage auf den Tisch muss. Kiener-Nellen meint: Β«Das Finanzdepartement sollte noch vor den Sommerferien eine neue Botschaft verabschieden.Β» Die neue Vorlage mΓΌsse weniger Parameter haben, meint Guhl. Er sagt: Β«Die kΓΌnftige Vorlage muss ausgeglichener sein und es muss klarer sein, was sie fΓΌr die BΓΌrger steuerlich bedeutet.Β»

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Sehen Sie in der Bildergalerie unten, wer zu den reichsten Parlamentariern im Bundeshaus zΓ€hlt:
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Das sind die reichsten Parlamentarier: Platz 5: Margret Kiener Nellen (SP/BE) Die Β«WeltwocheΒ» machte die Steuerveranlagung 2011 des Ehepaars Kiener-Nellen publik.VermΓΆgen: 10 Millionen Franken
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Platz 5: Andreas Glarner (SVP/AG) GrΓΌnder der Airproduct, die er an den WΓΌrth-Konzern verkaufte. GrΓΌnder der Careproduct VermΓΆgen: 10 Millionen Franken
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Platz 5: CΓ©line Amaudruz (SVP/GE) Ihre Familie besitzt 9,5 Prozent der Groupe Minoteries.VermΓΆgen: 10 Millionen Franken
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Platz 4: Franz GrΓΌter (SVP/LU) GrΓΌnder mehrerer Internetfrmen. MiteigentΓΌmer Green.ch. VermΓΆgen: 20 Millionen Franken
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Platz 3: Ruedi Noser (FDP/ZH)Unternehmer, Noser Group VermΓΆgen: 50 Millionen Franken
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Platz 3: Hans Grunder (BDP/BE) Unternehmer, Grunder Ingenieure VermΓΆgen: 50 Millionen Franken
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Platz 3: Marcel Dobler (FDP/SG) Digitec-GrΓΌnder VermΓΆgen: 50 Millionen Franken
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Platz 2: Hermann Hess (FDP/TG) Immobilienunternehmer und Retter der Bodenseeschifffahrt VermΓΆgen: 150 Millionen Franken
Magdalena Martullo-Blocher
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RMS

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