Der Unicredit-Chef steht kurz davor, die Kontrolle der Commerzbank zu übernehmen. Mit Chuzpe und Geschick überwand er massive Widerstände. Der Deal ist auch aus Schweizer Sicht relevant.
Die Integration der Credit Suisse durch die UBS geht ihrem Ende entgegen. Eine Grossbank in eine andere zu integrieren, ist eine Mammutübung und die UBSler können sich zu Recht auf die Schulter klopfen, dass sie das gestemmt bekommen haben.
Im naheliegenden Ausland tut sich indes in Sachen Bankenkonsolidierung nicht weniger Bemerkenswertes: Die italienische Unicredit, geleitet von Ex-UBS-Manager Andrea Orcel, steht kurz davor, die Kontrolle der Commerzbank zu übernehmen. Die Italiener haben schon fast die Hälfte des Commerzbank-Kapitals auf ihrer Seite und damit die Macht, die Geschäftsleitung zu besetzen. Vor kurzem hisste daher der Aufsichtsratschef der Commerzbank, Ex-Bundesbankchef Jens Weidmann, quasi die weisse Fahne und forderte die Unicredit zu «konstruktiven Gesprächen» auf – was als Zeichen gelesen wird, dass die Commerzbank-Führung die neuen Machtverhältnisse akzeptiert.
Grenzüberschreitende Bankenfusionen sind selten
Der Deal ist aus mehreren Gründen bemerkenswert: Zum einen wäre es einer der wenigen grenzüberschreitenden Zusammenschlüsse von zwei Grossbanken. Und vor allem: Orcel drückt das Vorhaben mit beeindruckender Chuzpe gegen massiven Widerstand durch. So will Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp in der Übernahme keinen Mehrwert erkennen, die mächtigen Gewerkschaften fürchten einen Kahlschlag bei den Jobs. Und die Bundesregierung in Berlin, der 12 Prozent der Commerzbank gehören, pochte lange auf die Eigenständigkeit der Bank.
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Und dennoch schaffte es Andrea Orcel, mittels eines wenig attraktiven Aktientauschangebots genug Commerzbank-Titel unter seine Kontrolle zu bringen, dass er nun in der Lage wäre, über eine ausserordentliche GV den Aufsichtsrat und danach die Geschäftsleitung neu besetzen zu lassen.
Konkurrenz für die UBS?
Am Ziel ist er aber noch lange nicht. Denn für eine Verschmelzung beider Banken bräuchte der Investmentbanker 75 Prozent des Commerzbank-Kapitals. Und nur über eine Vollfusion wären die meisten Synergien zu erzielen. Um dieses Quorum zu erreichen, wird der CEO nicht umhinkönnen, eine verbesserte Offerte nachzulegen.
Der Deal ist aus Schweizer Sicht relevant: Denn die Commerzbank ist mit rund hundert Mitarbeitenden in der Schweiz präsent und bedient rund 1200 Firmenkunden. Und gerade im Schweizer Firmenkundengeschäft ist Wettbewerb nach dem Aus der Credit Suisse willkommen. Orcel hatte angekündigt, im Auslandsnetz der Commerzbank aufräumen zu wollen, zum Schweiz-Geschäft selbst hat er sich aber nie geäussert: Sollte er daran festhalten, hätten Schweizer Firmen mit dem Unicredit/Commerzbank-Duo eine starke Alternative zur UBS. Grund genug, Orcels Coup aufmerksam zu verfolgen.