Ende Oktober berät der Nationalrat die neuen Eigenmittelregeln; ein Entgegenkommen ist unwahrscheinlich. Wie kann die Schweizer Grossbank reagieren? Ist ein Wegzug die einzig mögliche Antwort?
Beat Kessler (Name geändert) will eigentlich nur in Ruhe seinen Job machen: Schweizer Vermögende beraten. Doch Ruhe ist für den UBS-Kundenberater nicht in Sicht. So ist im Streit um erhöhte Eigenmittelanforderungen die Diskussion über einen allfälligen Wegzug der letzten Schweizer Grossbank erneut entbrannt, befeuert von Berichten in der «Financial Times» und im «Wall Street Journal». «Da muss man sich schon mal Sprüche von den Kunden anhören wie: ‹Ihr seid ja eh bald amerikanisch!›», berichtet Kessler. Gelder würden seine Kunden zwar noch keine abziehen, aber es kämen kritische Fragen. «Vor allem die grossen Kunden sagen mir: Bitte regelt das bald, wir wollen nicht mit einer ausländischen Bank geschäften», so der UBS-Berater.
Ende Oktober beugt sich die Wirtschaftskommission des Nationalrats über die «Lex UBS». Viele Bürgerliche hoffen, den Beschluss des Ständerats noch im Sinne der Bank abmildern zu können. Der sieht vor, dass die UBS AG künftig den Wert ihrer Auslandstöchter zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital (CET1) absichern muss. Derzeit sind es 45 Prozent. Aufgrund dieser Verschärfung würde die UBS rund 16 Milliarden Dollar zusätzliches Eigenkapital benötigen (siehe Grafik Seite 9). Wie am Ende der Nationalrat entscheiden wird, ist offen. Doch die meisten Akteure erwarten nicht, dass das Parlament der Grossbank noch substanziell entgegenkommen wird. Zu vergiftet ist mittlerweile die Debatte, zu verhärtet sind die Fronten.