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Kommentar zu Trump und der Schweiz

Falsche Analyse, berechtigter Neid

Warum zahlen die USA 4,7 Prozent Zinsen auf Staatsanleihen, während die Schweiz bei 0,4 Prozent liegt? Donald Trump wittert Benachteiligung, ignoriert dabei aber grundlegende ökonomische Fakten.

Markus Diem Meier

«Donald Trumps neue Aussagen machen deutlich, dass wir ihn mit rationaler Politik nie nachhaltig zufriedenstellen können», schreibt Handelszeitung-Chefredaktor Markus Diem Meier.
«Donald Trumps neue Aussagen machen deutlich, dass wir ihn mit rationaler Politik nie nachhaltig zufriedenstellen können», schreibt Handelszeitung-Chefredaktor Markus Diem Meier.HZ

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Ein Grund, weshalb Donald Trump die Schweiz immer wieder für seine verbalen Angriffe herauspickt, ist schlicht Neid. Er findet, unsere Vorteile würden uns gar nicht zustehen, sondern den Amerikanern. Das jüngste Beispiel lieferte er letzte Woche im Weissen Haus, als ein Journalist ihn auf die hohen Renditen der US-Staatsanleihen ansprach und damit auf die Kosten der US-Staatsschulden. Mit der Schweiz hat das nichts zu tun. Trump hat unser Land trotzdem ins Spiel gebracht, denn wir haben, was er gerne hätte: sehr tiefe Zinsen. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren um die 4,7 Prozent, jene der Schweiz mit gut 0,4 Prozent.
Für Trump ist der Zinsunterschied ein Skandal. Amerika laufe glänzend, sagte er, also müsse es auch die tiefsten Zinsen der Welt haben, so wie früher. Die Behauptung ist falsch – seit Ende der Fünfzigerjahre haben die USA mehr bezahlt als die Schweiz. Und seine Logik stimmt auch nicht: Eine boomende Wirtschaft führt eher zu höheren Zinsen, nicht zu tieferen. Anschliessend erklärte Trump einmal mehr, die Schweiz sei ohnehin nur dank den Amerikanern so gut dran, und er habe jedes Recht, sämtliche Geschäfte mit uns abzubrechen.
Mit einer Ungerechtigkeit gegenüber Amerika hat der Zinsunterschied nichts zu tun. Der wichtigste Grund ist die Teuerung. In den USA liegt sie bei 3,4 Prozent, in der Schweiz bei 0,4 Prozent. Wer der US-Regierung Geld leiht, will für diesen Kaufkraftverlust entschädigt werden. Dazu kommt die Staatsverschuldung: Auf 126 Prozent der Wirtschaftsleistung beläuft sie sich in den USA, auf 38 Prozent in der Schweiz – und der Internationale Währungsfonds erwartet für die USA bis 2031 einen Anstieg auf 142 Prozent. Hinzu kommt der Druck, den Trump auf die Notenbank ausübt, deren Chef Kevin Warsh er erst vor kurzem eingesetzt hat. Trump verlangt tiefere Leitzinsen, obwohl bei der Fed angesichts der Inflation inzwischen offen über eine Zinserhöhung diskutiert wird. Das befeuert die Teuerungsängste erst recht und auch die Zinsreaktion.

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Auch zwei Schlagzeilen aus der letzten Woche zeigen den Unterschied. Die USA haben erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar Schulden überschritten. In der Schweiz rechnet der Bund dieses Jahr umgekehrt mit einem Überschuss und einem um anderthalb Milliarden besseren Abschluss als budgetiert.
Donald Trumps neue Aussagen machen deutlich, dass wir ihn mit rationaler Politik nie nachhaltig zufriedenstellen können – und damit, wie viel Preisstabilität und solide Finanzen wert sind. Ohne das Entlastungspaket 27 wiese schon der Voranschlag 2027 ein strukturelles Defizit von 1,3 Milliarden aus; ab 2030 reicht auch dieses Paket nicht mehr. Das sollte uns ermahnen, nicht auf denselben abschüssigen Pfad einzubiegen wie die USA. Denn Trump hat gute Gründe, auf unsere tiefen Zinsen neidisch zu sein.
Über die Autoren
Markus Diem Meier
Markus Diem Meier
ist Chefredaktor der Handelszeitung.

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