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Telekom-Rating 2012: Colt schiesst nach vorn

Das 13. Telekom-Rating bringt neue Sieger im Fixnet und im Internet. Die grossen Anbieter verlieren an Boden.

Marc Kowalsky

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Es tut sich was in der Schweizer Telco-Landschaft. Trotzdem gibt es kaum Anbieter, die sich mit Innovationen profilieren. RMS

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Der Ausbau der Glasfasernetze rollt. Die ersten Antennen fΓΌr den neuen Mobilfunkstandard LTE sind aufgestellt. Das Cloud Computing boomt, die Datenleitungen dafΓΌr werden immer dicker. Wahrlich, es tut sich was im Telekomland Schweiz. Welcher Anbieter kommt mit den neuen VerhΓ€ltnissen am besten zurecht, wer bietet seinen GeschΓ€ftskunden Top-QualitΓ€t, den besten Support, die neuesten Dienste, die gΓΌnstigsten Preise und die grΓΆsste FlexibiltΓ€t? Zum 13. Mal geht BILANZ diesen Fragen nach in Zusammenarbeit mit der Telekomberatung Ocha (siehe Β«So wurde bewertetΒ»). In den letzten beiden Jahren wurden die Tableaus jeweils ordentlich durcheinandergewΓΌrfelt. Dieses Jahr sind die Resultate stabiler. Auch weil viele der eingangs genannten Neuerungen noch nicht beim Businesskunden ankommen. Β«Es gibt kaum einen Anbieter, der sich mit Innovationen profiliertΒ», sagt JΓΆrg Halter von Ocha. Β«Die meisten bieten ihren Kunden Standardprodukte.Β»
Swisscom verliert Firmenkunden. Zum Standardrepertoire gehΓΆrt im Fixnet etwa die IP-Telefonie. Von den fΓΌnf Top-Platzierten sind vier reine IP-Anbieter, Colt auf Rang drei verfolgt ein hybrides Modell. Den Spitzenplatz zurΓΌckgeholt hat sich nach zwei Jahren E-Fon auf Kosten von VTX. Die grossen Anbieter wie Swisscom, Sunrise oder Orange, die noch stark auf leitungsbasierte Dienste setzen, landen auf den hinteren PlΓ€tzen. Die Swisscom hat bisher rund 130  000 FirmenanschlΓΌsse an die IP-Anbieter verloren, schΓ€tzt Halter – eine Zahl, die Swisscom-Chef Carsten Schloter nicht bestΓ€tigen will. Β«Wir tun uns schwer, auf alle BedΓΌrfnisse gleichermassen gut einzugehenΒ», gibt er aber zu, schliesslich seien die kleinen und jungen Anbieter meist sehr viel stΓ€rker spezialisiert als der Ex-Monopolist. Als Gegenreaktion investiert Swisscom vermehrt in die IP-Architektur ihrer Netze und baut spezialisiertes IT-Know-how auf, etwa durch die Übernahme des Softwarespezialisten Axept. Β«Eine fundamentale Transformation, die im Hintergrund lΓ€uftΒ», nennt Schloter das. Klar ist: Β«Swisscom und auch Sunrise mΓΌssen mit ihren eigenen IP-Angeboten reagierenΒ», sagt Halter. Β«Sonst droht eine rapide Verschiebung der Marktanteile.Β»

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UnverΓ€ndert ist die Reihenfolge im Mobilfunk: Es gewinnt Swisscom vor Sunrise und Orange. Β«Hier ist die Wettbewerbssituation weiterhin unbefriedigend, besonders bei den PreisenΒ», sagt Martin Steinmann, Co-Autor der Studie. Entsprechend unzufrieden im Vergleich mit den anderen Kategorien sind die Befragten. Immerhin nehmen sich die Anbieter nun aggressiver die Kunden weg, auch das Zusammenlegen der Antennennetze von Orange und Sunrise etwa ist kein Thema mehr. Auf dem Markt dringt das aber noch nicht wirklich durch.
Orange hat den Abstand nach Punkten deutlich verringert. Auch weil die Firma in der letzten Zeit wieder mehr ins Netz und in den Service investiert hat. So stellt sie etwa jedem Firmenkunden unabhÀngig von der Grâsse einen eigenen Kundenberater an die Seite. «Diese Investitionen machen sich nun bezahlt», sagt der abtretende CEO (und zukünftige VR-PrÀsident) Thomas Sieber. Fraglich ist jedoch, wie sich dieser und die zahlreichen anderen jüngsten Managementwechsel bemerkbar machen werden. Die Zusammenarbeit mit dem Fixnetanbieter Orange Business Services, der nach dem Verkauf der Mobilfunksparte bei France Télécom verblieben ist, soll sich laut Sieber jedenfalls «überhaupt nicht Àndern».

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Cablecom top. Im Bereich Corporate Networks, der Datendienste fΓΌr Unternehmen, geht der Spitzenplatz einmal mehr an UPC Cablecom – bereits zum sechsten Mal in den letzten neun Jahren (siehe dazu auch Β«Da lΓ€uft nichts falschΒ»). Der grosse Aufsteiger ist Finecom. Der Bieler Kabelnetzanbieter ist durch Kooperationen und Übernahmen in letzter Zeit stark gewachsen und zΓ€hlt bereits 290 000 Kunden. Nicht genug fΓΌr Firmenchef Nicolas Perrenoud: Eine halbe Million Kunden bis 2015 ist sein Ziel, dann wΓΌrde die Firma endgΓΌltig im Quartett der Grossen (Swisscom, Sunrise, Orange, Cablecom) mitspielen.
Im Markt der Internetdienste hat sich Colt den Spitzenplatz zurΓΌckgeholt. Auch in den Kategorien Fixnet und Corporate Networks hat die englische Firma PlΓ€tze gewonnen, was sie zum klaren Aufsteiger des Ratings 2012 macht. Und das, obwohl sie durch unruhige Zeiten gegangen ist: Ein guter Teil des Schweizer Managements hat Colt im letzten Jahr verlassen. Immerhin sind die Unsicherheiten ΓΌber die Zukunft des Anbieters jetzt beseitigt. Β«Wir konzentrieren uns nun weniger auf uns selbst und viel mehr auf unsere KundenΒ», sagt der neue LΓ€nderchef JΓΆrg Dannheim. So hat er viele wichtige Kunden Β«zwecks VerbrΓΌderungΒ» (Dannheim) zu Mitarbeitermeetings eingeladen. Und er hat der Londoner Konzernleitung die Eigenheiten des Schweizer Marktes nahebringen kΓΆnnen und so mehr Freiheit fΓΌr sich und seine Kunden herausgeholt. Colt ist neben Orange Business Services der einzig verbleibende internationale Anbieter im Rating. Die anderen globalen Player haben sich in den letzten Jahren aus der Schweiz mehr oder weniger verabschiedet.

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AuffΓ€llig ist auch der Sprung von Green.ch um fΓΌnf PlΓ€tze nach vorne auf Rang 6. Das hat auch mit der MedienprΓ€senz von CEO Franz GrΓΌter zu tun. Β«Green.ch ist sehr laut, wenn es um Datacenter und Cloud Computing gehtΒ», sagt Halter. Β«Also billigt man ihnen dort auch die notwendige Komptenz zu.Β»
Sunrise hat als Internetprovider leicht zugelegt, ebenso im Fixnet. Dort hat man nach den Ergebnissen des letzten Ratings massiv investiert – offenbar mit Erfolg. Β«CEO Oliver Steil macht es Γ€hnlich wie Cablecom-Chef Eric TveterΒ», sagt Halter: Β«Er fΓΌhrt die Firma ruhig, beharrlich und ohne grosse Showeffekte wieder nach oben.Β» Bei den Datendiensten aber hat Sunrise zwei PlΓ€tze verloren. Vielleicht hΓ€ngt es mit dem Wechsel des Technologielieferanten von Alcatel-Lucent zu Huawei zusammen. Β«Ein solcher Wechsel bringt immer eine gewisse UnruheΒ», sagt GeschΓ€ftskundenleiter Jon Erni.
Eine Unruhe, die im nΓ€chsten Jahr auch dem Schweizer Telekommarkt als Ganzem erhalten bleiben dΓΌrfte.
Über die Autoren
Marc Kowalsky
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

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