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Versicherungsspezialist

«Kriegsdeckung ist kurzfristig kündbar»

Der Hanspeter Mäder über kündbare Kriegspolicen und festsitzende Fracht.

Ueli Kneubuehler Rinigier

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Hanspeter Mäder ist Fachspezialist für Transportversicherungen beim Schweizer Broker Kessler. Er berät und versichert Unternehmen bei der Absicherung globaler Warenströme. PR

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Die Strasse von Hormus ist wegen des Iran-Kriegs faktisch unpassierbar. Sind die Frachten noch versichert?

Ja, die normale Deckung für Verlust oder Beschädigung der Güter bleibt bestehen. Die üblicherweise mitversicherten Risiken Krieg, Streik, Unruhen, Terrorismus und Minen gelten als Zusatzdeckung. Diese ist aber über eine Klausel mit einer Frist von oft nur 24 Stunden kündbar. Einige international tätige Transportversicherer haben bereits davon Gebrauch gemacht und die Deckung für die Golfregion gekündigt.

Wie bitte? Während des Transports fällt der Versicherungsschutz weg?

Nein, Sendungen, die vor der Kündigung der Kriegsdeckung unterwegs sind, bleiben bis zur Ankunft am Bestimmungsort versichert, also auch inklusive des Kriegsrisikos. Sendungen, die nach der Kündigung versandt werden, haben nach einer Kündigung des Kriegsrisikos keine Deckung mehr. Davon unberührt bleibt die Grunddeckung für Verlust und Beschädigung der Güter.

Die Prämien für die Frachtschiffe sollen sich teilweise verdoppelt haben. Gilt das auch für die Waren?

Die meisten Transportversicherungen sind als Jahresverträge abgeschlossen, zu fest vereinbarten Prämien. Einzig für die Kriegsdeckung können die Prämien gegebenenfalls unterjährig angepasst werden. Wir haben diesbezüglich aber noch wenig Rückmeldungen der Versicherer. Diese tendieren eher dazu, die Kriegsdeckung aufzukündigen.

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Hunderte von Schiffen dümpeln vor der Strasse von Hormus. Was passiert mit der Fracht?

Wenn Schiffe dort nicht mehr weiterfahren können, bleibt die gewährte Deckung bis zu einer gewissen Frist weiter bestehen. Wir empfehlen unseren Kunden, diese Fristen im Auge zu behalten. Problematisch ist diese Situation jedoch für verderbliche Waren. Oft laufen Frachter andere, teils weit entfernte Häfen an, um die Strasse von Hormus zu meiden. Der Warenbesitzer bleibt dann auf den Kosten für Lagerung, Gebühren, Weitertransport usw. sitzen.

Was bedeutet der Krieg für Sie als Broker?

Unsere Kunden sind verunsichert und haben viele Fragen. Da im Unternehmensgeschäft die meisten Transportversicherungen über Broker laufen, sind wir als Schnittstelle zwischen den globalen Versicherungsmärkten und den lokalen Schweizer Exporteuren gefordert. Die extrem kurze Frist für die Aufkündigung der Kriegsdeckung ist für viele eine grosse Herausforderung.

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