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Geldpolitik 
So viele Milliarden zahlten Banken bisher an Negativzinsen

Thomas Jordan, Praesident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank SNB, fotografiert am Jahresend-Mediengespraech der SNB, am Donnerstag, 13. Dezember 2018, in Bern.  Die Schweizerische Nationalbank belaesst ihre Geldpolitik unveraendert expansiv. Der Zins auf Sichteinlagen bei der Nationalbank betraegt weiterhin -0,75% und das Zielband fuer den Dreimonats-Libor liegt unveraendert zwischen -1,25% und -0,25%. Die Nationalbank bleibt bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Thomas Jordan: Der SNB-Präsident will mit Negativzinsen eine Aufwertung des Frankens verhindern.Quelle: ¬© KEYSTONE / ANTHONY ANEX

Seit 2015 müssen Banken in der Schweiz der SNB Negativzinsen zahlen. Es hat sie Milliarden gekostet.

Von Daniel Hügli
06.06.2019

Am 15. Januar 2015 schaffte die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs zum Euro Knall auf Fall ab. Als Gegenzug und zwecks Vermeidung einer Franken-Aufwertung führte sie einen negativen Leitzins von minus 0,75 Prozent ein. Sprich: Banken, die Geldkonten bei der SNB haben, müssen dafür bezahlen statt etwas dafür zu erhalten.

Die Folge: 6,3 Milliarden Franken haben die Banken in der Schweiz der SNB bis Ende 2018 an Strafzinsen bezahlt. Das hat das Fintech-Unternehmen Deposit Solutuions ausgerechnet. Laut einer Hochrechnung kommen in diesem Jahr nochmals 2,2 Milliarden Franken dazu.

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Negativzinsen werden auf Kunden abgewälzt

Banken in der Schweiz werden von den Negativzinsen vergleichsweise härter getroffen als ihre Nachbarn in der Eurozone. Dort haben die Institute in den letzten fünf Jahren 21,4 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank bezahlt. Die EZB erhebt auf Gelder, die Banken bei ihr parkieren, weniger Strafzinsen als die SNB. Die Gebühr beträgt seit Mitte 2014 0,4 Prozent.

Dass die Negativzinsen «klar negative Auswirkungen auf die Ertragskraft» der Banken habe, wie Deposit Solution schreibt, stimmt allerdings nur bedingt. Banken wälzen die Negativzinsen in Form von Gebühren und Strafzinsen zunehmend auf ihre Kunden ab - sowohl auf Privatkunden und institutionelle Kunden wie Pensionskassen oder Versicherungen. In einigen Bereichen wie dem Hypothekargeschäft profitieren die Banken zu einem gewissen Grad vom Tiefzinsniveau.

Negativzinsen treffen EU-Banken hart

Europas Banken zahlten in fünf Jahren 21,4 Milliarden Euro an die EZB. Besonders hart waren die deutschen Institute betroffen.

Die Kritik der Banken an den Negativzinsen in Deutschland und in der Schweiz ist letzter Zeit immer lauter geworden. UBS-Chef Sergio Ermotti ärgerte sich im Oktober des letzten Jahres über die anhaltenden Negativzinsen und die dadurch aufgeblähte Bilanz der Nationalbank. Auch für Bundesrat Ueli Maurer ist die Ausweitung der SNB-Bilanz «an der Grenze des Erträglichen», wie er Mitte 2018 unverholen kritisierte.

Bis die Leitzinsen in der Schweiz aber wieder positives Terrain erreichen, dürfte noch einige Zeit vergehen. Im April thematisierte SNB-Präsident Thomas Jordan erstmals gar eine mögliche Ausweitung der Negativzinsen. Hintergrund sind politische Konflikte in der Euro-Zone wie auch der Handelsstreit zwischen den USA und China, der dem globalen Aufschwung einen Dämpfer versetzen könnte.