Logitech sucht nach Marktlücken, um auf dem übersättigten PC-Markt weiter zu wachsen. Teilweise mit Produkten, die Bedürfnisse abdecken sollen, bei denen angezweifelt werden kann, ob es sie überhaupt gibt. So lanciert Logitech jetzt eine einklappbare Maus. Dank der Mobi-Fold-Maus im Hosentaschenformat soll auch unterwegs oder im Café niemand auf präzise Steuerung verzichten müssen.
Eine klassische Büromaus misst bis zu 13 Zentimeter und wiegt rund 100 Gramm. Für CEO Hanneke Faber sind das zu viel. «Während 72 Prozent der Berufstätigen eine Maus besitzen, verwenden nur 26 Prozent sie auch an öffentlichen Arbeitsorten», schrieb sie auf Linkedin. Büromäuse seien nicht transportfähig genug.
Möglicherweise floppt die Hosentaschenmaus. Oder vielleicht ist sie in ein paar Jahren nicht mehr wegzudenken. Entscheidend ist Logitechs Mut, alltägliche Geräte immer wieder neu zu denken. Auch wenn die Klappmaus nicht zum Massenprodukt wird, trägt sie die Innovationskultur des Unternehmens in sich.
Denn genau solche Produkte haben Logitech gross gemacht. Rückschläge gehören dazu. So experimentierte das Unternehmen bereits 1989 mit Alternativen zur klassischen Maus und brachte mit dem Trackman einen der ersten kommerziellen Trackballs auf den Markt: eine Maus-Alternative, die den Cursor über eine Kugel steuert. Zum Massenprodukt wurde der Trackball nie. Er blieb eine ergonomische Nischenlösung für professionelle Anwendungen.
Immer wieder drang Logitech mit Erfolg in junge Produktkategorien vor. 1998 kaufte das Unternehmen für rund 25 Millionen Dollar die Connectix-Quickcam-Sparte und stieg damit in den Webcam-Markt ein. Das war damals noch ein Pionierfeld für Technik-Enthusiasten, das sich in den frühen 2000er-Jahren zum Massenmarkt entwickelte. Logitech gehörte bald zu den dominierenden Anbietern.
Das Geschäft mit Webcams und Computerzubehör verhalf Logitech dann in der Pandemie zum Boom, als Homeoffice und Videokonferenzen die Nachfrage sprunghaft steigen liessen. Danach holte die Realität das Unternehmen wieder ein, die Wachstumsdynamik der Pandemiezeit war nicht nachhaltig. In dieser Phase des Umbruchs Ende 2023 übernahm Hanneke Faber als neue CEO. Sie hat den Anspruch, Orientierung zu schaffen und Ruhe ins Unternehmen zu bringen. Und hat Erfolg: Zweieinhalb Jahre nach ihrem Amtsantritt hat sich der Aktienkurs deutlich erholt.
Faber setzt auf eine klarere Positionierung der Marke. Logitech soll weniger ein «Haus von Marken» sein, sondern eine geschärfte Identität entwickeln, ohne die eigene DNA aufzugeben. Vermeintliche Schnapsideen wie die Klappmaus gehören zu dieser DNA. Denn dieser Wagemut hat sich immer wieder einmal ausgezahlt.