Abo
Unerwartetes Nebengeschäft

Im KI-Boom setzen WC-Hersteller rosa Brille auf

Die KI-Welle bringt ungeahnte Profiteure hervor: Sanitär-Riesen wie Geberit und Toto spielen eine überraschende Rolle im Hightech-Bereich.

Olivia Ruffiner

file7sdt3ltvm521cyywn1tq
Hinter dem Spülkasten verstecken sich neue Geschäftsmodelle. RMS

Werbung

Was haben Toilettenhersteller vom KI-Boom? Auf den ersten Blick wenig, aber hinter dem Spülkasten eröffnen sich neue Geschäftsmodelle. Der japanische Hersteller Toto beispielsweise ist bekannt für WC mit vorgewärmten Sitzen und Bidet-Funktionen.
Das Unternehmen stellt aber auch Hochleistungskeramik her, darunter elektrostatische Spannteile, die bei der Fertigung von Speichermedien für Rechenzentren eingesetzt werden. Der britische Investor Palliser Capital bezeichnet Toto deshalb als «strategisch wichtigen Innovator für die Halbleiterindustrie» und als den «am meisten unterbewerteten Nutzniesser von KI-Speichertechnologien».
Die Zahlen stützen diese These: In den sechs Monaten von April bis September 2024 stieg der Umsatz der Keramiksparte von Toto gegenüber dem Vorjahr um 28,9 Prozent auf 21,7 Milliarden Yen (rund 107 Millionen Franken).

Das KI-Geschäft bei Geberit

Ein Blick in hiesige Badezimmer zeigt: Auch der Schweizer Sanitärkonzern Geberit hat Endabnehmer in diesem Bereich, wenn auch stiller. Eine spezialisierte Industrieabteilung bedient Kunden im Maschinen- und Anlagenbau. Im Produktkatalog finden sich in diesem Bereich beispielsweise Teile für Rohrleitungssysteme. Durch diese Rohre fliessen neben Löschwasser und Kraftstoffen auch Kühlwasser. Letzteres ist unverzichtbar in Rechenzentren, die das Rückgrat der künstlichen Intelligenz bilden.

Partner-Inhalte

Dieses steckbare Verbindungssystem ist auf das Leiten von Trinkwasser ausgelegt, ähnliche Systeme gibt es auch für Kühl- und Löschwasser.
Geberit
Dieses steckbare Verbindungssystem ist auf das Leiten von Trinkwasser ausgelegt, ähnliche Systeme gibt es auch für Kühl- und Löschwasser.
Geberit
Auf Anfrage bestätigt ein Sprecher: «Natürlich bieten insbesondere unsere Rohrleitungssysteme zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten in der Industrie – und da auch bei Datenzentren –, wo unsere Kundschaft von unseren Kompetenzen in Heiz- und Kühlsystemen sowie im Leiten von Flüssigkeiten und Gasen profitiert.»
Während die Welt also über Algorithmen diskutiert, sorgen die Sanitär-Riesen dafür, dass die Hardware nicht verstopft. Ein unerwartetes Nebengeschäft.

Werbung