So schätzen Analysten den Studienflop bei Pelacarsen ein
Der Studienflop bei Pelacarsen bringt die Novartis-Aktie unter Druck. Erhöhte Umsatzerwartungen für zwei weitere Medikamente dämpfen den Effekt allerdings. Experten ordnen ein.
Mitarbeitende im Labor von Novartis: Die Aktie des Basler Pharmariesen steht am Montagmorgen unter Druck – Grund ist eine gescheiterte Medikamentenstudie.Keystone
Die Aktien von Novartis starten mit einem Minus von rund 3,5 Prozent auf 125,10 Franken in die neue Börsenwoche. Grund für den Kursrückgang ist eine gescheiterte Medikamentenstudie.
Pelacarsen - ein Cholesterin-Senker - konnte in einer Spätphasenstudie (Phase 3) das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkte und Schlaganfälle nicht reduzieren. Die Umsatzschätzungen für das Medikament lagen laut Konsens für das Jahr 2030 bei 1 Milliarde Dollar. Der komplette Ausfall hat laut den Analysten von JPMorgan einen negativen Einfluss von 2 bis 3 Prozent auf die Aktien des Basler Pharmariesen.
Citi-Analyst Geoffrey Meacham betont, dass der Fehlschlag die Unsicherheit in der gesamten Forschung erhöht. Die Senkung von Lipoprotein(a) galt bisher als grosser Hoffnungsträger im Kampf gegen Herzkrankheiten. Ob dieser Ansatz tatsächlich schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindert, ist nun weiterhin offen.
Einige Branchenkenner warten jedoch die genauen Studiendaten ab. Erst diese liefern Aufschluss darüber, ob der Misserfolg am Wirkungsmechanismus, am Studiendesign oder an der Grundhypothese liegt. Der Dämpfer strahlt auch auf Konkurrenten wie Amgen und Eli Lilly ab. Beide entwickeln ebenfalls Lipoprotein(a)-Senker, sind in der klinischen Entwicklung aber weniger weit fortgeschritten als Novartis.
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Studienabhängiger Börsenhandel
«Novartis wird gerade sehr nach Studien gehandelt», kommentierte ein Händler. So schreiben die Experten der Bank Vontobel zwar die risikobereinigte Schätzung von Pelacarsen mit einem Spitzenumsatz von 2 Milliarden Dollar komplett ab. Gleichzeitig heben sie aber ihre Erwartungen für das Mittel gegen Multiple Sklerose Remibrutinib von 1 Milliarde auf 2 Milliarden Dollar an. Der Studienerfolg für diesen potenziellen Blockbuster hievte just letzte Woche die Aktien um über 6,3 Prozent auf ein neues Allzeithoch.
Das Finanzinstitut verwies in einer Kundennotiz darauf, dass die am 1. September veröffentlichten Hauptresultate zu Remibrutinib statistisch signifikant und klinisch bedeutsam gewesen sind – eine Information, die in der ursprünglichen Medienmitteilung fehlte. Die Risikobereinigung von 20 Prozent belässt Vontobel allerdings unverändert. Wegen des Zusammenspiels mit der neuen Remibrutinib-Schätzung beziffert die Bank den negativen Effekt des Pelacarsen-Ausfalls auf lediglich 1,5 Prozent pro Novartis-Aktie und senkt das Kursziel von 130 auf 128 Franken.
JPMorgan sieht zudem in den bevorstehenden Studienergebnissen für Del-Desiran einen potenziellen Kurskatalysator. Die Resultate dürften laut der US-Grossbank positiv ausfallen. Die US-Grossbank rechnet bei dem Mittel gegen die Muskelkrankheit myotone Dystrophie Typ 1 mit positiven Daten. Del-Desiran könnte die Aktienschwäche durch den Pelacarsen-Fehlschlag laut JPMorgan mehr als ausgleichen.