Billig-ETFs boomen. Wie wollen Sie sich gegen die globalen Fondsgiganten behaupten?
Wir differenzieren uns nicht über den Tiefstpreis, sondern über Kundennähe, Beratung und eigene Anlagekompetenz. Reine Indexlösungen sind kosteneffizient und haben auch bei uns ihren Platz, aber sie beantworten nicht die Frage, was für die konkrete Situation eines Kunden sinnvoll ist. Unser Ansatz ist aktiv, aber pragmatisch: Wir nutzen Marktchancen gezielt und weichen bei Bedarf bewusst von strategischen Quoten ab. Ergänzt wird das durch Diversifikation, etwa mit Gold, Rohstoffen oder liquiden Hedgefunds. Entscheidend ist für uns, die Situation unserer Kunden ganzheitlich zu verstehen.
Nach ihrem Jura-Studium an der Universität Bern sowie einer Weiterbildung im Banking sammelte die Juristin umfassende Führungserfahrung bei der ZKB, bevor sie 2018 als Leiterin Legal & Compliance zur BKB wechselte. Anschliessend übernahm sie die Leitung Vertrieb kommerzielle Kunden und trat im März 2025 die Funktion als CEO der BKB an.
Ihre Strategie 2026+ fordert Wachstum im Kommissionsgeschäft. Liefert das Assetmanagement die Zahlen?
Ja, das Assetmanagement spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Bank will ihre Ertragsbasis breiter und weniger zinssensitiv aufstellen. Genau hier ist das Anlagegeschäft ein wichtiger Hebel. Der Konzern BKB betreute Ende 2025 rund 55 Milliarden Franken Kundenvermögen. Besonders dynamisch wuchsen die Delegationslösungen: Diese Vermögen legten 2025 um 15 Prozent auf 9,7 Milliarden Franken zu, die Zahl der Vermögensverwaltungsmandate stieg um einen Viertel auf knapp 5000. Das zeigt, dass wir Vertrauen gewinnen und Marktanteile ausbauen. Diese Entwicklung ist das Ergebnis gezielter Investitionen in Beratung, Prozesse und Anlagekompetenz.
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Können Sie mit den grossen Denkschmieden der Branche mithalten?
Ja. Wir haben in den vergangenen Jahren gezielt in unsere eigene Anlagekompetenz investiert. Im Assetmanagement und im CIO-Office arbeiten heute über vierzig spezialisierte Experten. Anlageentscheide werden bei uns nicht aus dem Bauch heraus gefällt, sondern folgen einem klar strukturierten Prozess unter Führung des CIO und in enger Abstimmung mit dem Investment Committee. Ein unabhängiges Quality-Management prüft diese Prozesse laufend. Damit ist das Assetmanagement heute ein Kompetenzzentrum für die gesamte Bank.
Bestimmt bei Ihnen bereits die KI die Portfolios, oder ist das nur Marketing?
Nein, KI ersetzt bei uns weder den Anlageprozess noch die Verantwortung der Portfoliomanager. Die finale Einschätzung bleibt weiterhin immer beim Menschen. Gleichzeitig nutzen wir KI dort, wo sie Effizienz und Qualität steigert – zum Beispiel im Research, bei Datenanalysen, in der Szenarioarbeit oder beim Aufbereiten grosser Informationsmengen. Dafür haben wir eine geschützte bankeigene Umgebung geschaffen. KI ist für uns ein Werkzeug, kein Selbstzweck.
Basel fordert netto null bis 2037. Bewegen Sie echtes Transformationskapital, oder verwalten Sie nur grünes Gewissen?
Man muss ehrlich bleiben: Bei börsenkotierten, liquiden Anlagen lässt sich ein direkter Beitrag zu lokalen Klimazielen kaum kausal nachweisen. Nachhaltiges Assetmanagement ersetzt weder Realwirtschaft noch Regulierung oder öffentliche Investitionen. Aber wir nutzen die Hebel, die wir haben. Dazu gehören Ausschlüsse, ESG-Integration sowie Stimmrechtsausübung und Engagement. Mit Produkten wie dem Fairtrade-Gold-Fonds mit Max Havelaar zeigen wir zudem, dass Nachhaltigkeit auch produktseitig glaubwürdig verankert werden kann. Der direkteste Hebel für die Region liegt im Kreditgeschäft, wo wir Unternehmen mit Green, Social und Sustainability-Loans bei konkreten Transformationsprojekten unterstützen.
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Die Inflation drückt. Wie verhindern Sie, dass das Geld Ihrer 3a-Vorsorgekunden wegschmilzt?
Indem wir Vorsorgegelder nicht einfach auf dem Sparkonto parken, sondern sinnvoll anlegen. Ein reines Liegenlassen vernichtet über die Zeit reale Kaufkraft. Das Umdenken ist längst im Gang: Der Anteil der in Wertschriften angelegten Säule-3a-Guthaben ist bei der BKB zwischen 2019 und 2025 von 22 auf 38 Prozent gestiegen. Darauf haben wir früh reagiert und bieten heute im Konzern hocheffiziente Wertschriftenlösungen für Vorsorgekunden an. Die Vorsorge betrifft dabei nicht nur das Produkt, sondern die gesamte Lebensplanung – von der Steueroptimierung über den Kapitalbezug bis hin zur Unternehmensnachfolge.
Wenn wir auf das Jahr 2035 blicken: Wird das Assetmanagement der BKB eher eine Tech-Plattform mit Banklizenz sein, oder bleibt die persönliche Beziehung der entscheidende Performancetreiber?
Für uns ist das kein Entweder-oder. Technologie wird weiter an Bedeutung gewinnen, vor allem bei Analyse, Effizienz und Prozessqualität. Gleichzeitig bleibt die persönliche Beziehung zentral, gerade bei komplexen Vermögen und bei langfristigen Strategien. Kunden wollen keine anonyme Plattform, sondern eine Lösung, die zu ihrer Situation passt. Genau darin sehen wir unsere Stärke: digitale Möglichkeiten dort nutzen, wo sie sinnvoll sind, und persönlich bleiben, wo es entscheidend ist.
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