Rund 6 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle fallen in der Schweiz jährlich an. Rund 3,1 Millionen Tonnen, etwas mehr als die Hälfte, werden gemäss Bundesamt für Umwelt (Bafu) gesammelt und wiederverwertet. Das 55-Prozent-EU-Ziel, das man in der Schweiz 2025 erreichen wollte, wurde damit knapp verfehlt. Das nächste Ziel liegt bei 60 Prozent für das Jahr 2030, und fünf Jahre später sollen es 65 Prozent sein.
Die Schweiz steht gut da
Die Gesamtquote verzerrt das Bild: Mit 52 Prozent liegt die Schweiz zwar über dem EU-Schnitt von 48 Prozent, glänzt aber vor allem bei den Einzelstoffen: Glas erreicht fast 100 Prozent, Alu-Dosen 90 Prozent, PET-Flaschen 84 Prozent und Textilien 50 bis 55 Prozent. Grund für diesen Erfolg sind einheitliche, landesweite Systeme und etablierte Trägerorganisationen wie PRS (PET), Vetro Swiss (Glas) oder Igora (Alu). Kantone und Gemeinden vollziehen hier lediglich.
Beim Plastikrecycling hinkt die Schweiz im Vergleich zu Deutschland und Österreich (beide über 60 Prozent) jedoch deutlich hinterher. Laut Swiss Recycle liegt das an der Kompetenzverteilung: Verpackungskunststoffe gelten rechtlich als Siedlungsabfall, für den die einzelnen Gemeinden und Abfallzweckverbände zuständig sind. Statt einheitlicher Strukturen entstand so ein regionaler Flickenteppich unterschiedlicher Sammelsysteme auf Basis der Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA). Die Spurensuche führt zu einer Motion von 2021: Mit der «Förderung der Kreislaufwirtschaft – die Schweiz soll mehr Plastik rezyklieren» verlangte man vom Bundesrat, Massnahmen zu erarbeiten, um Verpackungsabfälle massiv zu reduzieren und das Recycling von Haushaltskunststoffen (über PET hinaus) rechtlich zu verankern. Parallel gab es im gleichen Jahr juristische und politische Klärungen zur Definition von Siedlungsabfällen (VVEA). Haushaltsmüll und haushaltsähnlicher Abfall von kleineren Betrieben (unter 250 Stellen) unterstehen weiterhin dem Entsorgungsmonopol der Kantone und Gemeinden. Eine Privatisierung dieses Bereichs wurde abgelehnt, um Gebühren- und Recyclingsysteme (wie den Sackgebührenzwang) rechtlich zu schützen.
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Darauf, dass sich die Fragmentierung nicht nur auf die Schweiz beschränkt, weist man bei Recycling Schweiz (ehemals VSMR, Verband für Stahl-, Metall- und Papier-Recycling) hin; dieser Verband vertritt die Interessen der privaten Recyclingbetriebe. Denn auch auf der Ebene der gewerblichen Recyclingindustrie dominiert Kleinräumigkeit. Lithium-Ionen-Batterien aus Alltagsgegenständen landen noch immer häufig im normalen Haushaltskehricht statt in der Separatsammlung, was zu Bränden in Recyclinghöfen führen kann. Die Prävention muss gemeindeweise organisiert werden, obwohl das Risiko landesweit gleich gross ist.
Zug als Vorzeigemodell
So existieren heute mehrere konkurrierende Plastiksammelsysteme: Recypac (national organisiert, aber regional unterschiedlich), «Bring Plastic Back» (in über 600 Gemeinden) und kantonale Eigenlösungen wie die der Avag im Kanton Bern. Einen Sonderweg hat der Kanton Zug eingeschlagen: Als «Recyclingkapitale der Schweiz» etablierte er früh «Ökihöfe», auf denen neben Papier, Flaschen und Dosen auch Kunststoffe, Altmetall, Textilien, CDs, Batterien oder Korken abgegeben werden können. Die Entsorgungszentren sind so attraktiv, dass selbst Bewohner aus Nachbarkantonen anreisen. Laut der Fachstelle für Statistik Zug liegt die hiesige kantonale Recyclingquote mit 57 Prozent deutlich über dem Schweizer Durchschnitt und über den aktuellen EU-Vorgaben.