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Telekom-Rating 2026

Telekompreise steigen erstmals seit Jahren: Wer jetzt bei Service und Preis überzeugt

Die Schweizer Telcos erhöhen die Preise, die Kunden werden unzufriedener. Davon profitieren laut neuem BILANZ-Rating wieder die kleineren Anbieter.

Marc Kowalsky

Swisscom, Salt und Sunrise verlangen ab 2026 mehr für Abos und Bundles.
Swisscom, Salt und Sunrise verlangen ab 2026 mehr für Abos und Bundles. Anne-Marie Pappas / Kombinatrotweiss für BILANZ

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Seit 27 Jahren schon erstellt Jörg Halter mit seiner Beratungsfirma Ocha für BILANZ das alljährliche Telekom-Rating. Er hat viel erlebt in dieser Zeit: Neugründungen, Pleiten, Fusionen, Firmen, die aus dem Nichts kamen, und solche, die vom Markt verschwanden. Dazu natürlich ständig neue Technologien, Anwendungen und Telekom-Manager. Aber so etwas wie heuer hat der 69-Jährige noch nie erlebt. «Bisher sind die Preise jedes Jahr gesunken – Telekom-Dienste sind in der Schweiz immer billiger geworden», so Halter. «Jetzt geht es erstmals in die andere Richtung.»
Im April erhöhte Swisscom die Preise für Handy- und Internet-Abos ebenso wie für Festnetz und TV. Wenig später zog Salt mit den Mobilfunkabos nach, pünktlich zum Nationalfeiertag dann auch Sunrise samt ihren Töchtern Yallo und Lebara. Wingo drängt sogar Bestandskunden aus einem Vertrag, der lebenslang stabile Kosten versprach. Auch die Bundle-Preise steigen. Und während man bislang im Lauf der Zeit immer mehr Internetbrandbreite für gleich viel Geld bekam, muss man nun draufzahlen für höhere Surf-Geschwindigkeit. Die gestiegenen Stromkosten für die Datacenter spielen da eine Rolle, die infolge der geopolitischen Lage gestörten Lieferketten für Elektronikmaterial, die Investitionen der Telcos ins KI-Zeitalter. «Vor allem aber steigen die Lohnkosten für IT-Fachleute», sagt Halter. Denn in der Schweiz und speziell in Zürich herrscht zwischen Techgiganten wie Google, Meta, Anthropic oder Apple ein Tauziehen um die besten Mitarbeiter. Kein Wunder, dass Swisscom gerade die Verlagerung von 200 IT-Stellen nach Lissabon angekündigt hat.

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Insgesamt stabil

Dabei ist der Preis inzwischen das wichtigste Verkaufsargument im Telekom-Markt: «Wir sind noch nicht bei deutschen Verhältnissen mit ‹Geiz ist geil›, aber die Kunden werden immer kostensensitiver», sagt der Co-Autor der Studie, Peter Messmann von der Beratungsfirma MepAdvice: «Wer bezüglich Preis nicht wettbewerbsfähig ist, kann den Nachteil kaum mehr aufholen durch guten Support, Innovationen oder was auch immer.» Andersherum nützt der Preis allein aber auch nichts. «Sunrise etwa gilt als preislich attraktiv, verliert aber den Vorteil durch das Image und das Verhalten am Markt: Noch immer ist es anspruchsvoll, einfach zu kündigen», sagt Messmann. So belegt Sunrise bei den Geschäftskunden im Mobilfunk sowie im Bereich Internet Service Providing (ISP) und Corporate Networks, also bei den Datendienstleistungen, den letzten Platz, bei der Festnetztelefonie den vorletzten.

Marktführer Swisscom ist nicht viel erfolgreicher, wie schon seit Jahren. Salt schneidet jeweils ein bisschen besser ab. Insgesamt bleibt das Ranking stabil – und das, obwohl die Anzahl Anbieter immer grösser wird. Die paradoxe Folge: Je mehr Player es gibt, desto weniger schaffen es ins Ranking, weil die Stimmen sich auf mehr Anbieter verteilen und damit weniger von ihnen das nötige Minimum an Bewertungen erhalten. Messmann und Halter haben dieses Jahr 9582 Privat- und 892 Geschäftskunden befragt.

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US-Bashing

Beim Mobilfunk für Geschäftskunden hat Peoplefone den Sieg davongetragen, mit Spitzenleistungen bei der Flexibilität, dem Support und der Innovation. Wobei Letztgenannte nicht überwertet werden darf: «Das Thema Innovation vermissen wir im Mobilfunkmarkt, da kommt wenig Neues», so Messmann. Auffallend ist der Absturz von Vorjahressieger iWay. Dass die Tochter der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke besonders bei Qualität und Support Federn lassen musste, deutet auf Pannen hin.
Umgekehrt ist es bei Net+, einem Westschweizer Zusammenschluss lokaler Kabelnetzanbieter: Im vergangenen Jahr waren sie die Schlechtesten punkto Qualität, heuer sind sie die Besten. «Sie haben das Problem ernst genommen, die Plattform stabilisiert und die einzelnen Anbieter geschult», so Messmann. «Das honoriert der Markt jetzt.» Auch beim Fixnetz sowie im Bereich ISP und Corporate Networks hat Net+ zugelegt. Diese Datendienste sind das wichtigste Telekom-Thema für Firmen. Das ewig totgesagte Fixnetz ist zwar noch da, aber inzwischen unbedeutend in der Palette der Telekom-Dienste – wer den Internetprovider wechselt, nimmt das Festnetz meist gleich mit.

Das derzeit heisseste Thema sind dafür die Datacenter. Wobei gilt: Jeder Geschäftskunde braucht Mobilfunk, aber noch lange nicht jeder benötigt ein Rechenzentrum. Auffallend hier: Erstens ist die Spitzengruppe fest in Schweizer Hand – vorne liegen Player, die seit mindestens zehn Jahren im Markt sind und die entsprechende Glaubwürdigkeit und Infrastruktur vorweisen können. Eine Ausnahme ist Green: Die Firma ist im Ranking abgestürzt, wohl auch wegen des Besitzerwechsels von der französischen InfraVia zum australischen IFM Global Infrastructure Fund, was zuerst die Mitarbeiter und dann die Kunden verunsicherte. Zweitens werden US-Anbieter wie Microsoft oder AWS abgestraft. «US-Bashing ist ein Thema, aber auch der vergleichsweise schlechte Support aus Übersee», sagt Messmann.

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Das gleiche Phänomen zeigt sich bei Cloud Services: Dropbox, Google, Microsoft und Apple rangieren zuhinterst. Swisscom, knapp davor liegend, setzt bei myCloud ebenfalls auf eine Microsoft-Lösung. Amazon ist ganz aus dem Ranking gefallen. Spannend zu beobachten wird im nächsten Jahr das Abschneiden des Anbieters Sunrise sein, der gemeinsam mit der Zürcher Firma Phoeniqs einen neuen Versuch unternimmt, in das Geschäftsfeld einzudringen.
In Bezug auf die Zufriedenheit der Privatkunden sagt Halter: «Die vielen Preiserhöhungen haben den Anbietern geschadet.» Und im Mobilfunk rächt sich nun, dass wegen der hierzulande strengen Bauvorschriften die Antennen nicht weiter ausgebaut werden können, um mit der Nachfrage nach Bandbreite mitzuhalten. «Die drei Netzbetreiber Sunrise, Swisscom und Salt werden als Erste abgestraft», sagt Messmann, «aber sie können nichts dafür. Die Kunden bringen schlechte Netzqualität direkt mit den grossen drei in Verbindung.» Also liegen Swisscom und Sunrise ganz hinten, Salt liegt im Mittelfeld – wie beim Internetzugang, bei der Festnetztelefonie und dem TV-Angebot. Auch beim Internet ist Green abgestürzt, es dominieren die Technologieführer Init7, iWay und Quickline. Dito beim TV-Angebot. Hier vollzieht sich gerade ein Generationenwechsel: Den Markt dominierten anfangs Player wie Swisscom, Sunrise, Net+ und Teleboy, die lineares Fernsehen mit der Möglichkeit des Zurückspulens anboten. In einer zweiten Phase gaben Streamingdienste wie Yallo, Zattoo und Netstream den Ton an. Nun liegt die dritte Generation vorn. Sie setzt auf TV-Boxen von Fremdanbietern, etwa von Apple (Init 7) oder ISP TV (iWay).

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Wer alle Telekom-Dienste aus einer Hand beziehen will, ist als Privatkunde oder KMU mit Salt am besten bedient. Bei den Grosskunden hat Swisscom den ersten Platz zurückerobert: Der Anbieter hat das Geschäft mit den wichtigen Firmen wieder gestärkt – nachdem der Fokus in den vergangenen Jahren mehr auf KMUs lag. «Das schlägt jetzt relativ stark durch», so Halter.
Ein ungewöhnliches Telekom-Jahr also. Interessant wird daher nicht nur die Frage sein, ob sich die grossen drei im nächsten Jahr endlich besser gegen die kleinen Anbieter behaupten können. Sondern auch, ob die Preise aufhören zu steigen.

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