Abo
Banken

Der neue Raiffeisen-Chef steht vor einem schwierigen Aufbruch

Gabriel Brenna organisiert die Führung von Raiffeisen neu und setzt einen Ex-CS-Banker an die Spitze der neu geschaffenen Privatkunden-Einheit. Das birgt Risiken.

Holger Alich

«Raiffeisen-Chef Brenna muss die genossenschaftlichen Banken hinter sich scharen», schreibt Redaktor Holger Alich.
«Raiffeisen-Chef Brenna muss die genossenschaftlichen Banken hinter sich scharen», schreibt Redaktor Holger Alich.HZ

Werbung

Der neue Mann bei Raiffeisen versucht den Aufbruch. Seit gut einem halben Jahr leitet der Ex-Chef der LLB, Gabriel Brenna, Raiffeisen Schweiz, und so langsam schält sich heraus, wohin die Reise geht: Raiffeisen soll digitaler werden. Doch Digitalisierung funktioniert nur als einheitliche Lösung. Das ist Konfliktstoff, denn Preise und Produkte legen die 208 rechtlich eigenständigen Banken selbst fest.
Um das Produktangebot zu schärfen, holt Brenna mit Patrick Lehner einen Ex-CS-Banker nach St. Gallen. Lehner war an der Entwicklung des erfolgreichen Onlineangebots CSX der Credit Suisse beteiligt, mit dem die frühere Grossbank vor allem bei jüngeren Menschen punkten konnte.
So etwas gibt es bei Raiffeisen nicht, dort gibt es nicht einmal ein kostenloses Basiskonto inklusive Debitkarte für alle, was im Retailbanking mittlerweile schon als Standard gilt. Stattdessen kostet das Basiskonto je nach Raiffeisenbank unterschiedlich viel. Angesichts der Tatsache, dass Neobanken wie Revolut immer stärker in den Markt drängen und zunehmend auch zur Erstbank-Beziehung werden, kann sich die zweitgrösste Bankengruppe der Schweiz dieses Tarif-Wirrwarr je länger, je weniger leisten.
Laut Brenna soll Lehner nun helfen, dass die Raiffeisenbanken die richtigen Produkte im Regal haben. Anders als bei einer zentral gesteuerten Bank wie einer Credit Suisse kann das Management aber nicht durchregieren. Lehner wird viel Fingerspitzengefühl brauchen, um die notorisch Grossbank-aversen Raiffeisen-Banker auf seine Seite zu ziehen. Lehner ist quasi ein Herr ohne Truppen – ein Chef für das Privatkundengeschäft, dessen Vertriebsleute nicht auf sein Kommando, sondern auf das der jeweiligen Raiffeisenbank-Chefs hören. Der Posten dürfte einer der schwierigsten im Banking sein.

Partner-Inhalte

Vermutlich ist der geplante Abbau von 180 Stellen der insgesamt 2300 Arbeitsplätze bei Raiffeisen Schweiz vor diesem Hintergrund zu sehen. Er liest sich wie ein Zeichen des neuen Raiffeisen-Schweiz-Chefs Brenna, dass er seine Zentrale, die ihm untersteht, nicht schont, sie stattdessen verschlanken will. Das Manöver dürfte an der Basis mit Wohlwollen aufgenommen werden.
Liefern muss Brenna nun bei der technischen Plattform. Sowohl das E-Banking als auch die mobile App harren der Verjüngung. Bekanntlich endete die Entwicklung der geplanten «Super-App» in einem Millionendesaster: Auf den letzten Metern stoppte Raiffeisen Schweiz das Roll-out, weil die Technik nicht zuverlässig funktionierte. Wenn Raiffeisen Schweiz der Bankengruppe hier eine überzeugende, einfach zu bedienende Lösung baut, die mit neuen Produkten ergänzt werden kann, dürfte Brenna Punkte an der Basis machen.
Denn letztlich wird Raiffeisen nur dann im Wettbewerb gegen die UBS und die ZKB auf der einen und gegen Revolut, Yuh und Neon auf der anderen Seite bestehen, wenn Zentrale und Mitgliedsbanken an einem Strang ziehen. Das zu schaffen, ist der wichtigste Job des neuen Raiffeisen-Chefs Gabriel Brenna.
Über die Autoren

Werbung