Überfliegerin Martullo-Blocher will in den Nationalrat
Seit mehr als zehn Jahren führt die Managerin die Ems-Gruppe höchst erfolgreich. Nun könnte Magdalena Martullo-Blocher schon bald in die politischen Fussstapfen ihres Vaters treten.
Mathias Ohanian
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Magdalena Martullo-Blocher bei der Präsentation der Jahresergebnisse 2014: Die Managerin führt die Ems-Chemie seit rund 10 Jahren sehr erfolgreich. Berüchtigt ist sie für ihren autoritären Führungsstil.KeystoneNach der Wahl von Christoph Blocher in den Bundesrat übernahm seine Tochter wie erwartet die Führung der Ems Gruppe per Januar 2004. Dies, nachdem sie drei Jahre zuvor von ihrem Vater in die Geschäftsleitung des Chemiekonzerns geholt wurde.RMSMartullo-Blocher mit Vater Christoph Blocher, nach ihrer Wahl in den Verwaltungsrat der Ems Chemie, im August 2001 in Domat-Ems. Zuvor arbeitete sie bei Johnson & Johnson und als Marketingleiterin von Rivella.RMSPolitisch dürfte die 45-Jährige nach ihrem Vater kommen. Die Schweizer Hochschulen brauchten kein europäisches Austauschprogramm, sagte sie im vergangenen Sommer. Erasmus sei «für die Schweiz teuer, ineffizient und zweckentfremdet». Bildergruppe von KeystoneRMS
Sie gilt als Vorzeigefrau der Schweizer Wirtschaft – und stritt bislang alle politischen Ambitionen ab. Zu wenig Zeit, lautete der in Interviews gebetsmühlenartig vorgetragene Einwand. Nun will die Lenkerin der Ems Chemie und Tochter von Alt Bundesrat Christoph Blocher doch in die Politik: Magdalena Martullo-Blocher kandidiert für den Nationalrat und ist eine der beiden Spitzenkandidaten der Bündner SVP für die Wahlen in diesem Jahr.
Mit ihr stelle sich eine ausgewiesene Wirtschaftsführerin für die Wahl ins Bundesparlament zur Verfügung, teilt die Partei heute mit. «Bereits seit über zehn Jahren führt sie als Mehrheitsaktionärin die Ems Chemie, das grösste Bündner Unternehmen, äusserst erfolgreich und ist mit der Situation und den Herausforderungen des Wirtschaftsstandortes Graubünden bestens vertraut.» Zudem setze sie sich seit Jahren aktiv für einen starken Wirtschaftsstandort und eine liberale Wirtschaftspolitik ein.
Jüngste Konzernchefin der Schweiz
Tatsächlich gilt Martullo-Blocher heute als eine der erfolgreichsten Leaderfiguren der Schweiz. Sind Frauen in Toppositionen hierzulande noch eine Seltenheit, stellt sie so manchen männlichen Konzernlenker in den Schatten. Ihr Führungsstil indes gilt als autoritär. Martullo-Blocher regiert das Unternehmen wie ein Königreich, schrieb die «Bilanz» vor einem Jahr. «Wer nicht kuscht, bekommt ihren Zorn zu spüren.»
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Als ihr Vater Christoph Blocher Ende 2003 in den Bundesrat gewählt wurde, übernahm seine älteste Tochter das Zepter bei der Ems Chemie – da war sie hochschwanger. Mit 34 Jahren wurde sie jüngste Konzernchefin der Schweiz. Seitdem ging es mit dem Aktienkurs nach oben: In den vergangenen zehn Jahren legte das Papier an der Börse um rund 570 Prozent zu, zeigte eine Auswertung der Handelszeitung im Februar. Seit 2009 steht ein Plus um 310 Prozent.
Martullo-Blocher erhält 85 Millionen Dividende
Damit gehört Ems Chemie zu den besten Performern an der Schweizer Börse in der vergangenen Dekade. Heute floriert vor allem das Geschäft mit der Automobilindustrie, zudem stützt das zunehmend freundlichere Konjunkturumfeld. Den Rekord-Umsatz von 2013 toppte Ems-Chemie im vergangenen Jahr noch einmal: Der Umsatz legte um 4,6 Prozent auf 1,97 Milliarden Franken zu.
Dank dem neuerlichen Rekordgewinn stieg die Dividende pro Aktie von 11 auf 12 Franken. Das macht sich freilich auch im Portemonnaie der Mutter dreier Kinder bemerkbar: Als CEO und Grossaktionärin erhielt Martullo-Blocher 85 Millionen Franken an Dividenden, 8 Millionen mehr als im Vorjahr.
Darin hob sie die Notwendigkeit von Innovationen für die Schweiz hervor und verwies auf die exzellente universitäre Ausbildung. Das in Europa etablierte Studentenaustauschprogramm Erasmus kritisierte Martullo-Blocher scharf. Dieses sei «für die Schweiz teuer, ineffizient und zweckentfremdet».
Kampf gegen fremde Richter: Wie der Vater so die Tochter
Insofern kommt die 45-Jährige ganz nach ihrem Vater. Die Schweizer Hochschulen brauchten kein europäisches Austauschprogramm, sagte sie. So habe etwa die Uni Zürich bekannt gegeben, dass sie die bisherigen Erasmus-Verträge mit europäischen Universitäten bereits zu 96 Prozent bilateral neu geregelt habe und in den nächsten zwei Semestern 300 Studenten ins Ausland könnten.
Das Manuskript schickte Martullo-Blocher im Anschluss an die Parlamentarier in Bern – verbunden mit dem Wunsch, dass ihre «relevanten Erkenntnisse» in der Politik umgesetzt werden möchten. Dafür kann sie womöglich schon bald selbst kämpfen.