USA grosser Nutzniesser der WTO-Vereinbarungen
Die Frage aber lautet:
darf der US-Präsident neue Zölle und Handelshürden schaffen, wie er es über den Nachrichtendienst Twitter oder seine Helfer androht. Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sagt Nein. «Pauschal 20 Prozent Importzoll ist mit dem WTO-Recht nicht vereinbar», bewertet er entsprechende US-Drohungen. Und in WTO-Kreisen heisst es: «Die USA sind bestimmte Verpflichtungen in der WTO eingegangen, und diese Verpflichtungen müssen eingehalten werden.» Dort gebe es bindende Zollsätze, auf die sich ein Land verpflichtet, und die es nicht einfach einseitig hochsetzen darf, schon gar nicht für ein spezielles Land. Ein Beispiel: für die Autoindustrie lautet der bindende Importzollsatz in den USA 2,5 Prozent. Eine Erhöhung auf 20 oder 25 Prozent wäre WTO-widrig.
Schert sich Trump aber nicht um diese Regeln - im Wahlkampf sagte er: «Die WTO ist ein Desaster» - müsste er mit Klagen von Handelspartnern rechnen. Bis die allerdings in zweiter Instanz entschieden wären, würden in der Regel zwei bis drei Jahre vergehen. Die WTO als die einzige weltweit anerkannte Instanz im Welthandel infrage zu stellen, wäre für Trump auch ein Risiko. Denn deren Streitschlichtungssystem, mit dem Länder gegen unfaire Handelspraktiken wie Dumpingpreise und Subventionen vorgehen könnten, würde er damit gefährden. Das aber kann nicht im US-Interesse sein. «Amerika ist einer der Hauptnutzer dieses Streitschlichtungsverfahrens. Die brauchen die WTO wie kaum ein anderer, um immer wieder China zu verklagen», sagt ein Insider.