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Entziffert: Jeder Schweizer zahlt 25 Franken Zuckersteuer

Unser Schutz der Landwirtschaft schadet der Dritten Welt – und den einheimischen Konsumenten.

Markus Schneider

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Β«Brot fΓΌr BrΓΌder, aber die Wurst bleibt hierΒ», lautet ein Bonmot, das im Kleinen gilt wie im Grossen. So reservieren die IndustrielΓ€nder einiges an Geld fΓΌr die Entwicklungshilfe. Noch mehr Geld indes spendieren sie, um ihre eigenen Bauern samt den verarbeitenden Betrieben am Leben zu erhalten, was die Menschen in der Dritten Welt ihrer Chancen beraubt. Sehr unschΓΆn zeigt sich dieser Widerspruch in der Schweiz, dem Land mit den welthΓΆchsten Agrarsubventionen und AgrarzΓΆllen.
GΓ€be es einen freien Markt fΓΌr ein gewΓΆhnliches Produkt wie zum Beispiel einen Sack Zucker, sΓ€he die Welt anders aus. Die RΓΌben kΓ€men kaum aus der hiesigen Scholle, die Fabriken stΓΌnden kaum in Aarberg oder Frauenfeld. All diese Werte wΓΌrden anderswo geschΓΆpft, in LΓ€ndern, die besser dafΓΌr geeignet sind. Im Gegenzug wΓΌrden wir Β«das weisse GoldΒ», wie der Zucker zur Kolonialzeit genannt wurde, importieren, fertig verpackt. Und das Kilo wΓ€re im Laden erst noch billiger als heute, wo es ab 1.50 Franken angeboten wird.
Wem dient der heutige Protektionismus? Gut 7000 Schweizer Bauernfamilien, die neben vielem andern ZuckerrΓΌben anbauen, auf einer FlΓ€che von insgesamt 18 000 Hektaren. FΓΌr jede einzelne Hektare erhalten sie, Β«sofern der ΓΆkologische Leistungsnachweis erbracht wirdΒ», maximal 1200 Franken Direktzahlung plus einen Zusatzbeitrag von 400 Franken, weil es sich um eine Β«offene AckerflΓ€cheΒ» handelt. So wird der Anbau mit rund 26 Millionen Franken von den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern direkt finanziert.

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Doch damit nicht genug. Auch die Verarbeitung in den beiden Zuckerfabriken in Aarberg und Frauenfeld wird subventioniert, zurzeit mit 29 Millionen Franken im Jahr. Umgerechnet macht dies fΓΌr jeden einzelnen der 300 ArbeitsplΓ€tze fast 100 000 Franken aus. Die Lobby der Zuckerfabriken funktioniert perfekt: Ihr Verwaltungsrat wird prΓ€sidiert von CVP-StΓ€nderat Philipp StΓ€helin und ergΓ€nzt durch Politiker von der SVP bis zu den GrΓΌnen.
Trotz dieser ΓΌppigen staatlichen StΓΌtze ist der national produzierte Weiss-, Kandis-, Puder-, Gelier- und WΓΌrfelzucker international nicht konkurrenzfΓ€hig. Der Markt muss vom Ausland abgeschottet werden, denn nur so kΓΆnnen die Bauern fΓΌr ihre RΓΌben Preise erzielen, die weit ΓΌber dem Weltmarkt liegen. Die Zollregelung ist komplex: Die Schweiz bevorzugt EntwicklungslΓ€nder wie etwa Nicaragua. Stammt der Rohstoff aus einem der so genannten Least Developed Countries (am wenigsten fortgeschrittene LΓ€nder) wie etwa Haiti, sinkt der Zoll nochmals. Meist wird die Ware aber aus der EU importiert, die den Zuckeranbau ebenfalls subventioniert, wenn auch nicht so rigoros wie die Schweiz.
Der Zoll gegenΓΌber der EU betrΓ€gt 51 Rappen pro Kilo, die Kriegsvorsorge schlΓ€gt weitere 10 Rappen drauf, was einen Grenzschutz von 61 Rappen pro Kilo ergibt. Diese Differenz zeigt sich bei den Engrospreisen ab Aarberg und Frauenfeld. Diese folgen schΓΆn den Kursen an der RohstoffbΓΆrse in London, sind allerdings um 61 Rappen pro Kilo ΓΌberhΓΆht. Verteilt aufs ganze Jahr zahlen die Schweizer Konsumenten deswegen 135 Millionen Franken Β«zu vielΒ».

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Die Endabrechnung prΓ€sentiert sich so: 26 Millionen fΓΌr den Anbau plus 29 Millionen fΓΌr die Produktion plus 135 Millionen fΓΌr Β«zu hoheΒ» Konsumentenpreise gleich 190 Millionen Franken Zuckersteuer im Jahr. Oder 25 Franken pro Kopf.
Nun gibt es Leute, die meinen, eine solche Steuer sei sogar willkommen. WÀre der Zucker billiger, würden wir noch mehr Süsses essen, manche Schweizerinnen und Schweizer wÀren noch dicker und die Gesundheitskosten noch hâher. Allerdings wird die jetzige Zuckersteuer nicht dazu verwendet, die Gesundheitsunkosten zu finanzieren. Nein, es geht hier einzig um einen Zustupf an 7000 Bauernfamilien und um das Überleben von 300 ArbeitsplÀtzen in Aarberg und Frauenfeld. Oder darum, dass «die Wurst hier bleibt».

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