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Konzernspitze

CS-Umbau: Das sind die Auf- und Absteiger

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam mischt die Führungsriege der Grossbank mächtig auf: Fast alle Posten der Geschäftsleitung werden neu besetzt. Die Gewinner und Verlierer im Umbau.

Karen Merkel-Gyger

Die Gewinner im Umbau der Credit Suisse: 
Thomas Gottstein übernimmt die «Swiss Universal Bank». Der 51-Jährige ist damit für das Schweiz-Geschäft zuständig, das künftig viel unabhängiger geführt werden soll. Der Schweizer Bereich soll darum an die Börse gehen. Gottstein ist seit 1999 bei der Credit Suisse. Mit seinem Einzug in die Geschäftsleitung stösst er seinen bisherigen Chef, Hans-Ulrich Meister, vom Thron.
Für das operative Geschäft ist künftig Pierre-Olivier Bouée zuständig. Der Franzose kam gemeinsam mit Konzernchef Tidjane Thiam zur Credit Suisse und ist seit 2004 sein treuer Weggefährte.
Lara Warner ist wie Gottstein ein Eigengewächs der Credit Suisse. Bisher war sie für Finanzen in der Investmentbank zuständig, in der Geschäftsleitung kümmert sie sich um Compliacne. Sie ist die einzige Frau in dem zwölfköpfigen Team.
Helman Sitohang übernimmt das Asien- und Pazifikgeschäft (APAC). Der 49-Jährige ist ebenfalls bereits seit 1998 im Unternehmen.
Die Verlierer im Umbau der Credit Suisse: 
Hans-Ulrich Meister ist nicht länger Mitglied der Geschäftsleitung. Der neue Konzernchef betonte zwar, Meister werde den Umbau des Schweizgeschäftes begleiten. Dennoch ist das Signal: Meister, der bisweilen als Anwärter auf den CEO-Posten galt, wird entmachtet.
Ebenso Robert Shafir, der mit Meister gemeinsam die Vermögensverwaltung leitete. Die Absetzung des Duos überrascht nicht alle – der Bereich hatte in den letzten Jahren Probleme, die gewünschten Zahlen zu liefern.
Pamela Thomas Graham muss die Verantwortung für das Personal an einen Getreuen Thiams abgeben. Peter Goerke übernimmt für sie. Thomas Graham verwantwortet künftig einen neu geschaffenen Bereich, der etwas aussergewöhnlich ist. Unter dem Titel «New Markets» bemüht sie sich um Frauen, Afroamerikaner und Homosexuelle als Kunden. Bilder: Credit Suisse/ Keystone
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Die Gewinner im Umbau der Credit Suisse: Thomas Gottstein übernimmt die «Swiss Universal Bank». Der 51-Jährige ist damit für das Schweiz-Geschäft zuständig, das künftig viel unabhängiger geführt werden soll. Der Schweizer Bereich soll darum an die Börse gehen. Gottstein ist seit 1999 bei der Credit Suisse. Mit seinem Einzug in die Geschäftsleitung stösst er seinen bisherigen Chef, Hans-Ulrich Meister, vom Thron. RMS

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Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam veranstaltet eine beachtliche Personalrochade. Als er heute früh den Startschuss zum Umbau der Credit Suisse gab, mussten vorherige Topkräfte ihren Hut nehmen. Die Geschäftsleitung insgesamt wächst aber an auf zwölf Mitglieder, zwei mehr als vorher. Sechs Manager sind frisch dabei.

Langjährige Weggefährten von Thiam wie Pierre-Olivier Bouée und Peter Goerke wurden im Vorfeld als Kandidaten für wichtige Posten gehandelt. Thiam hatte Buoée bereits zu seinem Amtsamtritt am 1. Juli zu seinem Stabschef gemacht, der Franzose leitet nun künftig als COO das operative Geschäft. Bouée kennt den heutigen CS-Chef aus seiner Zeit bei McKinsey in Paris. Er folgte Thiam nach London, als er die Leitung des britischen Versicherers Prudential übernahm.

Getreue von Tidjane Thiam

Ebenfalls zu seinen Getreuen zählt Peter Goerke. Er kümmerte sich bei Prudential um das Personalwesen und übernimmt diese Funktion auch bei der Credit Suisse. Er löst damit Pamela Thomas-Graham ab, die nicht länger Teil der Geschäftsleitung ist. Sie führt künftig ein neu geschaffenes, aussergewöhnliches Ressort: Unter dem Titel «New Markets» soll sie sich um Frauen, Afroamerikaner und Homosexuelle als Kunden kümmern.

Urgesteine der Credit Suisse kommen dabei auch zum Zug: Thomas Gottstein, Helman Sitohang und Lara Warner bringen es zusammen auf 47 Jahre im Konzern. Sitohang wird sich um das Asiengeschäft kümmern, während Lara Wagner für Compliance zuständig ist. Der Leiter der Vermögensverwaltung, Iqbal Khan, kam 2013 von EY.

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Börsengang des Schweiz-Geschäftes

Vor allem die Personalie Thomas Gottstein ist dabei interessant: Der 51-Jährige wird das künftig wesentlich unabhängigere Schweiz-Geschäft führen. Mit dem geplanten Börsengang leitet Gottstein damit einen Bereich, welcher der früheren Schweizerischen Kreditanstalt gleicht. Die Vorgängerin der Credit Suisse war auf die Schweiz konzentriert, die Ausrichtung als internationale Grossbank kam erst mit dem neuen Namen im Jahr 1989.

Zu den Verlierern der Personalrochade zählt damit eine wichtige Figur: Hans-Ulrich Meister. Der prominente Banker führte die Vermögensverwaltung gemeinsam mit Robert Shafir und das Schweiz-Geschäft. Allerdings kam der für die Grossbank wichtige Bereich nicht recht vom Fleck – wohl auch darum gingen die beiden nun leer aus. Meisters Abgang aus der Geschäftsleitung, so betonte Thiam bei der Präsentation, sei «freundschaftlich» erfolgt. Denoch ist nun ein Banker, der bislang als möglicher Konzernchef gehandelt wurde, nicht länger Mitglied der Geschäftsleitung.

Das wird die Credit Suisse der Zukunft: Heute früh hat der neue Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam seine Umbaupläne präsentiert. Bis Ende 2018 will die Credit Suisse 3,5 Milliarden Franken einsparen, dazu werden kräftig Stellen gestrichen.
So sollen in der Schweiz innert drei Jahren bis zu 1600 Stellen abgebaut werden, das heisst pro Jahr werden 500 bis 600 Stellen eingespart. Der Abbau soll über natürliche Fluktuation gehen, was laut Thiam «einfach machbar» sei. Vom Abbau betroffen ist auch Schweiz-Chef Hans-Ulrich Meister.
Auch in Grossbritannien stehen der Bank Einsparungen bevor, dort sollen 1500 Jobs auf der Kippe stehen.
In den USA trennt sich die Credit Suisse vom direkten Kundengeschäft, bestehen bleibt das Investmentbanking für reiche Kunden. Mit der US-Bank Wells Fargo hat die Credit Suisse ein Abkommen unterzeichnet, demnach sollen US-Berater der CS und ihre Klienten per Anfang 2016 zu Wells Fargo wechseln können.
In der Vergangenheit – unter dem früheren CEO Brady Dougan – war gerade das Investmentbanking erheblich vom Stellenabbau betroffen. So wurden zwischen Herbst 2007 und Frühjahr 2011 insgesamt 3320 Stellen gestrichen.
Credit Suisse
Durchgeschüttelt wird die CS-Geschäftsleitung – vier bisherige Mitglieder treten aus, während sechs neue dazustossen. Die Abgänge: Gaël de Boissard, Hans-Ulrich Meister, Robert Shafir and Pamela Thomas-Graham. Die Neulinge: Pierre-Olivier Bouée, Peter Goerke, Thomas Gottstein, Iqbal Khan, Helman Sitohang und Lara Warner.
Mit dem Spar- und Umbauprogramm verfolgt CS-Chef Thiam drei Ziele. Erstens soll der Heimmarkt gestärkt werden. Dazu gehört ein Ausbau der Schweizer Universalbank, wobei ein partieller IPO von 20-30 Prozent bis Ende 2017 erfolgen soll.
Zweitens will der neue Chef die Vermögensverwaltung und das Private Banking weiter ausbauen. Künftig soll diesem Bereich mehr Kapital zur Verfügung stehen.
Als drittes stellt Thiam das Investmentbanking in den Fokus. Dieses Geschäft soll profitabler und gleichzeitig weniger volatil und kapitalintensiv werden.
Zwei Kapitalerhöhungen sollen den finanziellen Spielraum für die Umsetzung der Ziele und die Stärkung des harten Kernkapitals ermöglichen. Die Ausgabe neuer Namenaktien an einige qualifizierte Investoren soll rund 1,35 Milliarden einbringen. Die zweite Erhöhung soll via Bezugsrechtsemission für bestehende Aktionäre erfolgen und etwa 4,7 Milliarden lösen.  Bilder: Keystone
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Das wird die Credit Suisse der Zukunft: Heute früh hat der neue Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam seine Umbaupläne präsentiert. Bis Ende 2018 will die Credit Suisse 3,5 Milliarden Franken einsparen, dazu werden kräftig Stellen gestrichen. RMS

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