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Erfahrung 
Pilgerfahrt ins Silicon Valley: Zu Besuch bei den Hackern

Firmenchefs pilgern in Scharen ins Silicon Valley. Doch was bringen 
die Kurztrips 
ins kalifornische Hightech-Tal wirklich? Ein Besuch vor Ort.

Von Philipp Albrecht
24.01.2017

Auf einmal bleibt die Gruppe stehen. Einer zückt sein iPhone und knipst ein Bild. Ein Zweiter folgt, ein Dritter, bis alle ihr Handy in die Luft halten und die atemberaubende Aussicht durch die grosse Fensterfront festhalten.

Ein dichtes, fünftägiges Programm lastet auf den Schultern der Gruppe von der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ). Nach stundenlangen Vorträgen, monotonen Gesprächen und langen Busfahrten wollen sie nicht mehr recht mithören, was die junge Frau von Swissnex über den Coworking Space im neuen spektakulären Standort in der San Francisco Bay zu erzählen hat. Die Aussicht auf die Schiffe und die Bay Bridge wirft den digitalen Führungsnachwuchs komplett aus der Bahn. «Wahnsinn», stottert einer. Vor dem grossen Fenster sitzen drei junge Menschen in einer Design-Polstergruppe und plaudern auf Englisch über ihr Businessmodell. Draussen zieht ein unbeladenes Transportschiff vorbei.

Hochschulabgänger mit Führungsverantwortung

Der Besuch bei der halbstaatlichen Vernetzungsorganisation Swissnex ist die letzte Station der einwöchigen Silicon-Valley-Tour. Die zwölf Männer und zwei Frauen zwischen Mitte zwanzig und Ende vierzig sind Hochschulabgänger, die bereits Führungsverantwortung wahrnehmen und dereinst mit ihrer Digitalkompetenz die Schweizer Teppichetagen entstauben sollen. Der 18-tägige CAS-Studiengang «Digital Leadership» ist begehrt und bis Mitte 2018 ausgebucht. Studienleiter ist Patrick Comboeuf. Der 48-jährige Zürcher zeigt dem Nachwuchs, wie das Tal der Träume tickt, und reist dafür mehrmals jährlich hin.

Von 2006 bis 2014 war Comboeuf E-Business-Chef bei den SBB. Er leitete ein 50-köpfiges Team, das unter anderem die SBB-App programmierte. Es ist die bis heute meistgenutzte Schweizer iPhone-Anwendung. Sein Enthusiasmus ist erdrückend. Sein Twitter-Feed ist voll mit Digitalisierungsweisheiten wie: «Change is difficult ... but not changing is fatal.» Er liebt es, über den digitalen Nachholbedarf der Schweizer Wirtschaft zu referieren.

Inspirierendes Tal

Das Tal inspiriert alle Besucher. Nach ein paar Gesprächen mit Ingenieuren und Start-up-Lenkern glauben selbst überzeugte Nicht-Unternehmer, dass sie das nächste Unicorn gründen könnten. Viele verlassen das Silicon Valley als neue Menschen. Kai Diekmann, früherer Chefredaktor der «Bild», ging 2012 mit Anzug und Pomadenfrisur ins Valley und kehrte Monate später mit Hipster-Bart, Hornbrille und Visionen zurück.

Ex-Swisscom-Chef Carsten Schloter war so begeistert, dass er die Aussenstelle in Palo Alto früh zu einem einflussreichen Schweizer Tech-Hub ausbaute. SBB-Chef Andreas Meyer war seit 2014 dreimal im Valley, besuchte den Googleplex, das Tesla-Werk und baute daheim eine Innovationsgruppe auf, die sich den ganzen Tag mit nichts anderem beschäftigt als selbstfahrenden Autos und digitaler Disruption.

Schnell verwehter Valley-Wind

Inzwischen haben es ihnen unzählige Manager gleichgetan und sind hoffnungsvoll nach San Francisco geflogen. Doch die meisten bleiben nicht länger als zwei Wochen. Mit der Konsequenz, dass die wenigsten einen nachhaltigen Nutzen aus der Tour ziehen. Unvermeidliche Sparübungen, verhärtete Strukturen und lähmende Hierarchiestufen sorgen dafür, dass der Valley-Wind im Schweizer Konzernalltag schneller verweht, als eine ordentliche Verwaltungsratssitzung dauert. Das bestätigen Gespräche mit mehreren Schweizer Kaderleuten.

Natürlich sehen das die Unternehmen anders. Niemand will einräumen, dass die teuren Reisen keinen nachhaltigen Effekt bringen. Und dann ist da noch das Problem mit der Verweigerung. Vor allem KMUs glauben, ohne digitalen Wandel überleben zu können. «Für viele Führungsleute heisst Digitalisierung gerade mal, dass sie weniger Papier in die Hand nehmen müssen», sagt eine HWZ-Studentin aus der Versicherungsbranche.

Ein anderer, er ist IT-Zuständiger bei einem Vermögensverwalter, will die Firma in die digitale Gegenwart führen, muss aber seinen Mitarbeitern ständig erklären, dass er als IT-Mann nicht fürs Auswechseln der LED-Leuchte zuständig ist. Es herrscht der Irrglaube, dass die Digitalisierung nur die anderen betrifft. «Dabei ist die Disruptionsgefahr in der Vermögensverwaltung riesig», warnt der Mittzwanziger, «Social Trading ist längst Realität.»

Tadelloses WLAN im Bus

Der Highway 101, die verkehrstechnische Hauptschlagader des Silicon Valley, ist löchrig und rissig. Der Kleinbus wird zum Schüttelbecher. Auf ihrer ersten Fahrt ins Tech-Tal schweigen die HWZ-Studierenden. Sie sind mit ihren Smartphones und Laptops beschäftigt. Auf Social Media lassen sie ihre Follower und Freunde wissen, was sie tags zuvor alles gelernt haben: dass im Valley drei Millionen Menschen leben, der Durchschnittslohn mit 122'000 Dollar rund 50 Prozent höher liegt als im US-Schnitt, Programmierer in der Regel nicht länger als zehn Monate im gleichen Unternehmen arbeiten und 37 Prozent der hier lebenden Menschen nicht in den USA geboren wurden.

Das WLAN im Bus funktioniert tadellos, die Finger tippen flink. Nur selten schweift der Blick über die von der kalifornischen Sonne beschienene, aber grossflächig trostlose Vorstadtlandschaft, die das Silicon Valley ist.

Tech-Vergnügungspark

Bald wird dem Digitalnachwuchs klar, dass man hier viel Oberfläche, aber kaum Hintergründe zu sehen bekommt. Beim Autohersteller Renault in Sunnyvale wird ihnen gezeigt, dass alle grossen Automobilhersteller in der Nähe sind und jeder für sich am selbstfahrenden Auto forscht. «Müssten die nicht alle zusammenarbeiten?», fragt einer zu Recht. Schliesslich preist hier jeder die unternehmerische Offenheit in der technologischen Entwicklung an. So wie Tesla-Gründer Elon Musk, der den Bauplan für den Fahrzeug-Akku ins Netz stellte.

Später im Facebook-Campus in Menlo Park dürfen die Studierenden auf einer einstündigen Führung sehen, mit welchen Annehmlichkeiten die 8000 Angestellten verwöhnt werden: Verpflegung, Coiffeur, Arzt, Veloservice – alles gratis. Eine junge Frau mit romantischer Zopffrisur und sportlichen Nike-Sneakers führt die Gruppe herum. Mit erstarrtem Lächeln spult sie mechanisch ihre Sätze ab. Jene Gebäude, in denen Angestellte vor Bildschirmen sitzen, dürfen die Besucher nicht betreten. In der Eisdiele und im Merchandising-Shop sind sie willkommen. «Genauso läufts bei Google ab», stöhnt Studienleiter Comboeuf später. Dort werden jährlich bis zu 20'000 Besucher durch den Hauptsitz geschleust – von Schulklassen bis zu Ministern. Man will das halt einfach gesehen haben.

Zum Tech-Vergnügungspark gehört auch ein kurzer Stopp am Haus des 2011 verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs in Palo Alto. Dort lebt angeblich noch dessen Witwe. Nur einen Katzensprung entfernt weist eine Tafel auf die Gründergarage von William Hewlett und David Packard hin, die hier 1938 unbewusst so etwas wie den Geburtsort des Silicon Valleys errichteten. Stanford-Professor Frederick Terman soll damals seine Studenten dazu ermutigt haben, sich nicht etablierten Unternehmen anzuschliessen, sondern «to start up their own electronics companies». So steht es auf der Gedenktafel.

Knappe Planung

Heute ist das ganze Tal in der Hand der Techfirmen. «Es ist eine Blase», sagt Lukas Peter. Der 33-Jährige arbeitet seit neun Monaten im Swisscom-Outpost. Unter den vielen Bekanntschaften, die er hier gemacht hat, finden sich nur drei, die nicht bei einer «digital company» arbeiten. Dafür sei aber auch die Innovationsdichte absolut einzigartig. In der Schweiz hat er ein Start-up erfolgreich verkauft und ein zweites an die Wand gefahren – das verschafft ihm hier die nötige Glaubwürdigkeit.

Seit 2011 hilft er der Swisscom, Innovationen voranzutreiben. Im Valley fühlt er sich zu Hause. Er lebt in San Francisco, seine Freundin arbeitet bei Google. Als Schweizer staune man, wie knapp alles geplant werde: «Wir wollen unsere Termine immer weit im Voraus planen. Hier lernen wir, dass es auch spontan geht.» Venture-Capital-Firmen investierten ohnehin nur in Start-ups, die sie innerhalb einer Stunde im Auto erreichen.

Outpost als Jungfirmen-Förderer

Die Swisscom ist seit 1998 an wechselnden Standorten präsent, zuletzt mit zehn Angestellten in Menlo Park. Zwei weitere, unregelmässig besetzte Arbeitsplätze wurden bei Swissnex im Pier 17 eingerichtet. Inzwischen sucht Peter wieder eine neue Location. Es hat sich gezeigt, dass die damaligen Vorstellungen von Carsten Schloter nur teilweise umgesetzt werden können. Zwar schafften es Technologien von hier in einzelne Swisscom-Produkte, und es wurde erfolgreich in einige Start-ups investiert. Doch heute dient der Outpost vor allem als Jungfirmen-Förderer und Trend-Spürhund. Das Gleiche macht auch Swissnex. Und bei beiden können Schweizer Firmen geführte Touren buchen.

«Lukas Peter hat zunehmend Mühe, seine Ideen bei den Swiss­com-Chefs in Bern durchzubringen», glaubt HWZ-Studienleiter Comboeuf. «Wer einen Outpost einrichtet, braucht dazu auch ­einen aktiven Inpost.» Heisst: Ohne ständigen Kontakt mit dem Mutterhaus ist die Aussenstelle nur ein Kostenfaktor.

Peter selber sieht das nicht so eng. Schloter sei der visionäre Typ gewesen, sein Nachfolger Urs Schaeppi habe andere Prioritäten. Schaeppi sei ein guter Teamplayer, der zuhören könne. Auch er suche «the next big thing». Aber eben nicht zwingend nur im Silicon Valley. Peter nimmt es ihm nicht übel. «Die wenigsten Start-ups hier kennen uns, in die Schweiz zieht es keinen. Trotz allem geniessen wir einen guten Ruf, weil wir nicht wie alle anderen nach dem Platzen der Dotcom-Blase die Zelte abgebrochen haben.» Darum müsse man am Ziel festhalten, die Schweiz als Innovationsstandort bekannt zu machen: «Man muss es versuchen.»

Kaufen, kopieren oder Netzwerken

Es gibt drei Wege, vom Silicon Valley zu profitieren. Man kauft oder finanziert Start-ups; man schaut sich um und kopiert Ideen, was einem gefährlich werden könnte, oder man richtet einen Outpost ein, der beides kombiniert und ein Netzwerk aufbaut. Dass Letzteres bei der Swisscom nur bedingt den erwarteten Erfolg bringt, beunruhigt andere Schweizer Firmen, die Ähnliches planten.

Der Basler Detailhändler Valora versuchts trotzdem. Seit einem Jahr versorgt Cyril Dorsaz in San Francisco das Unternehmen mit digitalen Inputs. Der Romand ist Teil des sechsköpfigen Valora Labs, das dem Retailer neue digitale Impulse geben soll. Dorsaz, der von Swissnex abgeworben wurde, arbeitet in einem Coworking Space für Start-ups und etablierte Unternehmen aus dem Detailhandel im Shoppingcenter Westfield im Herzen der Stadt. «Man verliert schnell die Übersicht, wenn man nicht selber vor Ort ist», sagt er. «Es geht darum, bereit zu sein und zu sehen, was kommt.»

Dorsaz hat den «ersten Schweizer Chatbot» angestossen. Über Messenger-Apps versuchen Detailhändler, mit Kunden in Kontakt zu treten und personalisierte Rabatte zu gewähren. Ein erster Valora-Versuch über die Messenger-App von Facebook sei erfolgreich gewesen. CEO Michael Mueller war selber mehrmals in der Gegend: «Ich habe mir überlegt, wie wir uns schlank und effizient ins Ökosystem einklinken können.» Eine «Schulreise» ins Valley reiche da einfach nicht.

Ortstermin beim Tech-Giganten Cisco Systems in San José am südlichen Ende des Silicon Valleys. Der Telekomausstatter nimmt sich vier Stunden Zeit für den digitalen Nachwuchs aus der Schweiz. Doch die Studierenden trauen ihren Augen nicht: Sie sitzen in einem dunklen Hightech-Sitzungsraum in Kalifornien und schauen auf einen Bildschirm, auf dem drei Schweizer Vertreter von zu Hause aus zugeschaltet sind. Einige HWZler haben sich im Vorfeld viel von Cisco versprochen. Die Enttäuschung ist gross. Schliesslich mutiert der Ortstermin zu einem endlosen Promo-Gespräch. Kommt dazu, dass ausgerechnet beim Router-Produzenten das WLAN nicht richtig funktionieren will.

Zürcher Wunderknabe bei Google

Und so bleibt dem Digitalnachwuchs von diesem Tag nur das kurzweilige Treffen mit Google-Designer Selim Cinek in guter Erinnerung. In einem schicken Open Workspace in Palo Alto erzählt der 27-jährige Wunderknabe aus Zürich, wie er vom Hobbyprogrammierer aus Zürich Seebach zum App-Designer und Millionär im Silicon Valley wurde. Über sein Vermögen darf er nicht sprechen – der dicke Google-Vertrag verbietet es ihm. Die Besucher aus der Heimat hängen ihm an den Lippen.

Cinek, ein heller Kopf mit bescheidenem Auftritt, spricht von seinem Arbeitsalltag, wo Diversität nicht nur gänzlich akzeptiert ist, sondern in der Arbeitskultur als Zusatznutzen betrachtet wird. Je mehr Mitstreiter aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund, desto besser das Produkt. Die Studierenden twittern wie wild. «Diversity is not just a program on a poster of a company», tippt eine von ihnen in ihr Handy, «it is really appreciated as it brings a team on a next level. #SelimCinek».

Leuchtende Augen

Und da ist es auf einmal. Das Gefühl, jeder könne mit einer simplen Idee die Welt verändern. Der Funken springt nirgends so oft wie im Silicon Valley. «Mein ganzes Streben geht dahin, herauszufinden, wie die Zukunft aussehen kann», beschrieb es Alphabet-CEO Larry Page einmal, «und sie dann zu erschaffen.» Als Cinek sagt, dass er bald wieder «etwas selber aufbauen» wolle, leuchten seine Augen. Der gut bezahlte Job bei Google reicht eben nicht. Er will wieder selber etwas erschaffen.

Woher kommt dieser Antrieb? Manager aus aller Welt fragen sich, wie man ihn nach Hause bringt. Dabei ist die Frage eher, ob man, zurück in der Heimat, etwas damit anfangen kann. «Man kommt schon sehr ernüchtert zurück», sagt Ubaldo Piccone, einer von Comboeufs Digital-Leadership-Abgängern. Seine Gruppe besuchte letztes Jahr ein Start-up-Pitching, wo die Ideen potenziellen Investoren vorgetragen werden. Obwohl es sich bei jenem Pitching nur um eine Trockenübung gehandelt habe, hätten die Jungspunde alles gegeben, erzählt Piccone: «Alle waren emotional voll dabei. Keiner hatte Angst, dass jemand vielleicht seine Idee klauen könnte. In der Schweiz wäre das unvorstellbar.»

Anderes Mindset

Es geht um das Mindset – die Einstellung. Weil das Silicon Valley nicht nur 10'000 Kilometer, sondern ganze Welten von der Schweiz entfernt ist, funktioniert der Import nur in seltensten Fällen. Das beginnt schon bei der ungleichen Definition des Begriffs Hacker.

In Europa gilt ein Hacker als krimineller Computernerd, der in fremde Systeme eindringt. In Kalifornien ist es vielmehr «jemand, der Freude daran hat, geistige Herausforderungen kreativ zu überwinden oder Beschränkungen zu umgehen», wie es der deutsche Unternehmer Mario Herger, der seit 2001 im Tech-Hotspot lebt, in seinem Buch «Das Silicon Valley Mindset» beschreibt. Darum nennt sich Facebook «The Hacker Company», und das Hauptquartier in Menlo Park steht am 1 Hacker Way. «Wenn Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zu Hackathons einlädt, tut er das mit dem Ziel, Positives zu schaffen», schreibt Herger. Hacker seien der Überzeugung, «dass Computer das Leben zum Besseren verändern können».

Es braucht Wurzeln im Verwaltungsrat

Für die digitalen Antreiber in Schweizer Unternehmen führt das zu einer logischen Konsequenz: Die Affinität für digitale Abenteuer, Risiken und Experimente braucht Wurzeln im Verwaltungsrat. «Es müssen organisatorische und kulturelle Voraussetzungen geschaffen werden», sagt Valora-Chef Mueller. «Das geht nicht mit einem Chief Digital Officer, der mal im Silicon Valley war und jetzt allen sagt, sie sollten so digital wie er arbeiten. Es muss von oben vorgelebt und dann in der Organisation umgesetzt werden. Das beginnt schon im Verwaltungsrat.» HWZ-Studienleiter Comboeuf sagt es so: «If you want to get on board with digital, then you have to bring digital in your board.» Ihm seien bislang keine digitalaffinen Verwaltungsräte in den grossen Schweizer Unternehmen bekannt.

Immerhin startete die Credit Suisse 2014 einen Versuch, als sie Sebastian Thrun in den VR holte. Der Deutsche war für die Entwicklung des Google-Autos verantwortlich, hat das Entwicklungslabor Google X gegründet und ist Professor an der Stanford-Uni. Allerdings trat er nach knapp zwei Jahren bei der CS wieder ab. Heute berät er die Credit Suisse Labs im Silicon Valley.

20'000 Besucher bei Swissnex

Der Trip der HWZ-Studierenden neigt sich dem Ende zu. Nach Vorträgen von Gert Christen, der früher in Zürich Start-ups förderte und heute bei City Innovate von San Francisco Stadtverwaltungen mit Digitalisierungslösungen berät, und Oliver Flückiger, der in der Schweiz mit dem Start-up Rayneer scheiterte und jetzt ein neues Projekt im Silicon Valley starten will, endet die Tour nach fünf Tagen bei Swissnex im spektakulären Pier 17. Es ist das Schweizer Herz des Silicon Valleys.

Gründer Christian Simm betont später am Telefon, dass Schweizer Firmen nur vom Valley-Wind profitieren könnten, wenn sie sich langfristig engagierten. Er kooperiert inzwischen mit 15 Unternehmen, darunter auch grössere Konzerne. Der grösste ist Nestlé, Mieter von 14 Office-Plätzen im Pier 17. Andere wie Swiss Life, Givaudan, Syngenta und Avaloq sind nicht selber vor Ort, beziehen aber Swissnex-Dienstleistungen. Dazu zählen wöchentliche Updates über neue Entwicklungen oder eben organisierte Kurztrips. Daneben fördert Swissnex Schweizer Start-ups, rund 60 durften seit 2010 vom Netzwerk profitieren.

«Wir sind ein Unikum hier», sagt Simm. Kein anderes Land ist mit einer offiziellen Brückenorganisation im Valley so stark präsent wie die Schweiz. Bis zu 20'000 Besucher zählt Simm pro Jahr.

Grosse Pläne

Die künftigen Digital Leaders gehen nach den fünf Tagen mit brummendem Schädel auf den Flieger. Einige gönnen sich vor der Rückkehr in den Schweizer Arbeitsalltag noch ein paar Tage USA-Ferien. Christian Schweizer, der zehn Jahre lang eine Sozialfirma in Zürich führte, hat jetzt grosse Pläne. Der 49-Jährige will wieder etwas Eigenes aufbauen, «das Sozialwesen auf den Kopf stellen», wie er sagt.

Das Ziel sei, mit Hilfe der Digitalisierung den administrativen Aufwand von Sozialverwaltungen um bis zu 80 Prozent zu reduzieren. «Es rollt ein gewaltiger wirtschaftlicher Drive und Umbruch bis in jede Ecke unseres Lebens», sagt er. Nach der lehrreichen Woche sei seine Vision noch stärker geworden.

Für Studienleiter Comboeuf zählt einzig, dass seine Schüler verstanden haben, was es in der Schweiz zu durchbrechen gilt. In den hiesigen Firmen herrsche immer noch eine verkrustete Mentalität vor: «Lieber noch mal ein Expertengutachten in Auftrag geben, ein Benchmarking abwarten oder von einem Beratungshaus eine saubere Auslegeordnung erstellen lassen, damit man bloss keine falschen Entscheidungen trifft», spottet er und hebt sogleich den Mahnfinger: «If you wanna be 100% sure, you gonna be 100% late.»

In der Bildergalerie unten sehen Sie die neuesten Tech-Trends:

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