Donald Trumps Preispolitik hat Folgen für die Patienten und Patientinnen hierzulande. Die Industrie steht bei neuen Therapien auf der Bremse. Nun reagiert die Politik.
Leere Regale: In der Schweiz sind bereits heute nur 50 Prozent der in der EU zugelassenen innovativen Medikamente erhältlich. Nun könnte es noch schlimmer kommen.Keystone
Carina Bobzin weiss, was es bedeutet, wenn man von einem Tag auf den anderen um das Leben eines geliebten Menschen fürchten muss. Ihre Tochter war 15 Jahre alt, als bei ihr mehrere seltene Autoimmunerkrankungen diagnostiziert wurden, die die Leber angreifen. Das war vor zwölf Jahren. Seither kämpft sie dafür, dass Patienten mit schweren Lebererkrankungen auch in der Schweiz die Medikamente bekommen, die sie brauchen. 36 Themen rund um die Leber hat sie als Präsidentin von Swiss Hepa, der Schweizer Patientenorganisation für Lebergesundheit, auf dem Schirm. Sie schreibt Stellungnahmen und Vernehmlassungsantworten nach Bern und Briefe an Pharmafirmen, um Betroffenen zu helfen. Ihr bitteres Verdikt: «Das Bundesamt für Gesundheit spielt auf Zeit, während die Patienten leiden.» Und: «Die Preise müssen steigen, sonst droht mit der neuen Preispolitik der USA ein Horrorszenario bei der Versorgung. Wenn wir so weitermachen, werden uns die Patienten unter der Hand wegsterben.»
Bobzin und ihre Swiss Hepa sind kein Einzelfall; reihum schlagen die Patientenorganisationen Alarm. Grund: Die Pharmafirmen stehen bei den neuen Medikamenten hierzulande auf der Bremse, seit sich die USA an den tiefen Schweizer Medikamentenpreisen orientieren und diese ihnen das Geschäft auf dem ungleich grösseren und lukrativen US-Markt zu vermasseln drohen (siehe Grafik). Das zeigt eine Umfrage von Interpharma bei ihren 23 Mitgliedern. Bei 7 von 22 neuen Medikamenten haben Pharmafirmen zwischen Januar 2025 und Juni 2026 darauf verzichtet, einen Antrag auf Vergütung zu stellen – das ist ein Drittel; bei drei neuen Therapien wurde nicht einmal ein Antrag auf Zulassung durch Swissmedic eingereicht.