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Im Finish Luft nach oben

Peter Brabecks Abgang mit Getöse

Der Nestlé-Altmeister tritt gegen seine langjährige Firma nach – jedoch mit wenig überzeugenden Argumenten.

Dirk Schütz

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Der langjährige CEO und Präsident nutzte als Chairman emeritus die Räumlichkeiten von Nestlé, inklusive Assistentin. Heftige Kritik an seiner Lebensfirma gönnt er sich trotzdem. Keystone

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Es war ein kerniges Interview, das der Altmeister da seiner Hauspostille gewährte. Mit Nestlé könne er sich «nicht mehr identifizieren», sagte der 81-Jährige Peter Brabeck Ende Januar der Kärntner «Kleinen Zeitung»: «Das ist nicht mehr die Firma mit den Werten, wie ich sie hatte.» Der langjährige CEO und spätere VR-Präsident tritt bei der Generalversammlung vom 16. April nach neun Jahren als Chairman emeritus ab: «Ich kann nicht Chairman emeritus sein und gleichzeitig überzeugter Kritiker der Strategie, die gefahren wird.» Bei seinem Abgang habe Nestlé 40 Milliarden Franken Eigenkapital und 12 Milliarden Franken Verschuldung gehabt, dann wurden Aktien «um über 100 Milliarden zurückgekauft». Deshalb könne Nestlé nicht mehr investieren. «Ich bin mit einer Politik, die von der Finanzwelt gesteuert wird und nicht von Industriellen, nicht einverstanden.»
Die Kritik mag ihre Meriten haben, nur beim Timing glänzt Brabeck nicht. Die Aktienrückkäufe begannen 2018 und endeten 2024, da sass Brabeck noch gern in den Nestlé-Räumen in La Tour-de-Peilz, inklusive Assistentin, finanziert von der Firma, die er jetzt so heftig kritisiert. Den Beleg lieferte die «Kleine Zeitung» selbst. Im Dezember 2024 empfing Brabeck sie schon einmal in seinem grosszügigen Büro, in dem er «wochentags bis zu acht Stunden arbeitet», wie das Blatt ehrfürchtig vermeldete. Da bedrückten ihn die angeblich verlorenen Werte noch nicht, im Gegenteil: Er investierte wieder in Nestlé. «Seit einem halben Jahr kaufe ich wieder Aktien», sagte er im Mai 2025 der «Aargauer Zeitung».

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Die simple Wahrheit lautet: Weil der Verwaltungsrat unter dem neuen Präsidenten Pablo Isla den Wert der Kosteneffizienz verfolgt, hat er dem Chairman emeritus Büro und Assistentin gestrichen und ihm die Gnade erwiesen, seinen Rücktritt selbst zu verkünden. Was den grossen Kärntner nicht davon abhält, in den Nestlé-Räumen die Strategie seiner Firma heftig zu kritisieren und gleichzeitig zu verkünden, dass ihn das Board seit 2017 nie befragt habe. Büro und Assistentin für neun Jahre Nicht-Leistung hat er trotzdem gern genommen. Fazit: im Finish Luft nach oben.
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