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Mann des Monats

So tickt Schindler-CEO Paolo Compagna

Charmant, hart, opportunistisch: Wie sich Paolo Compagna an die Spitze des Liftbauers Schindler hievte und das Erbe der Familie verwaltet.

Ueli Kneubuehler Rinigier

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Die Zahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr waren solid – 2026 strebt Paolo Compagna moderates, aber profitables Wachstum an. Christian Beutler/Keystone Keystone

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Der 11. Februar 2026 hätte der Tag des Paolo Compagna werden sollen. An diesem Mittwoch präsentierte der Chef des Aufzug- und Fahrtreppenherstellers Schindler erstmals sein Jahresergebnis. Im Februar des Vorjahres hatte er bei Schindler das Ruder übernommen. Endlich konnte er das Zeugnis seines Schaffens ablegen. Keine grossen Überraschungen, aber einen soliden Zahlenkranz legte er vor. «Delivered on our promises», kommentierte der 58-jährige Italiener im besten Big-Corporate-Sprech. Umsatz und Auftragseingang lagen etwas tiefer, Konzern- und Betriebsgewinn höher. Der Luzerner Liftbauer erreichte eine Betriebsgewinnmarge (Ebit) von mehr als 13 Prozent – wenn auch nur beim bereinigten Ergebnis. Gleichwohl. Ein lang gehegtes Ziel.
Schindler ist kerngesund, «Schindler is back», sagte Compagna in unnachahmlichem Italo-Englisch. Zwölf Quartale in Folge hat Schindler die Ebit-Marge verbessert, die Aktie hat in dieser Phase 40 Prozent zugelegt und die Konkurrenten Otis und Kone distanziert. In der Medienmitteilung heisst es, Compagna freue sich, sagen zu können, dass Schindler aus den besonderen Herausforderungen des Jahres 2022 – dazu später – als stärkere und widerstandsfähigere Firma hervorgegangen sei. Die Aktie stürzte trotzdem ab. 8 Prozent tiefer schlossen die Valoren am Tag der Ergebnispublikation, und das bei einem stabilen Gesamtmarkt. Ein durchwachsener Ausblick und Gewinnmitnahmen sorgten für Ausverkaufsstimmung – und möglicherweise auch der Elefant im Raum.

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Schindler ohne Schindler

Der 11. Februar war auch klassisch für Alfred Schindler. Der Patron, formell nur noch einfaches Verwaltungsratsmitglied im Gewand eines «Chairman emeritus», stahl dem CEO die Show. Mit einem gleichentags in der «NZZ» erschienenen Interview – und dem zweitletzten Satz in der Medienmitteilung zum Jahresergebnis: «Alfred Schindler hat den Verwaltungsrat darüber informiert, dass er beabsichtigt, sich nur noch für eine Amtsperiode zur Verfügung zu stellen und danach seine 50-jährige Tätigkeit als Mitglied des Verwaltungsrats abzuschliessen.» Alfred Schindler, das Familienoberhaupt, das sich den Medien seit Jahren verweigert und eigentlich keine Interviews gibt, lässt sich zusammen mit Ex-SNB-Präsident Thomas Jordan am Tag der Publikation der Schindler-Jahreszahlen über zwei Zeitungsseiten zum Befinden der Schweiz aus. Anlass ist Schindlers Rückzug als Stiftungsratspräsident des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik der Uni Luzern. Jordan soll ihn beerben. Zu seinem angekündigten Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat seines namentragenden Liftbauers: kein Wort. Schlechtes Timing, merkwürdige Prioritätensetzung, sich bewusst kleiner machen – oder von allem etwas?

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Compagna kennt ­Fabrikhallen und ­Teppichetage. Er kann charmant und gesellig sein, greift aber auch unzimperlich durch.
Keystone
Compagna kennt ­Fabrikhallen und ­Teppichetage. Er kann charmant und gesellig sein, greift aber auch unzimperlich durch.
Keystone
Während Compagna versuchte, Analysten mit gefälligen Zahlen und Margenfortschritten zu bezirzen, setzte Alfred Schindler die Schlagzeilen. Im Schindler-Konzern spielt der CEO immer die zweite Geige. Compagnas Vorgänger Jürgen Tinggren, Thomas Oetterli und Silvio Napoli können ein Liedchen davon singen. Sie alle folgten an der Konzernspitze auf Alfred Schindler, der die Konzernleitung 2011 abgegeben hatte. Das ist das Los des CEO im 152 Jahre alten Unternehmen, dessen Geschicke die Nachkommen der Gründer mit rund 70 Prozent der Stimmen kontrollieren.
Schindler ohne Schindler: Der lange erwartete finale Rückzug des Familienoberhaupts kommt nicht ganz unerwartet und ist trotzdem überraschend. Bloss ein Jahr nachdem mit Silvio Napoli der CEO und VR-Präsident in Personalunion, während dreissig Jahren in Schindler-Diensten, mit Nebengeräuschen abgedankt hat, verlässt nun der Patron und letzte Vertreter der vierten Generation das Ruder. Die Art und Weise der Kommunikation ist konsequent; Konzern und Patron bleiben sich ihrem Stil treu. Schindler, schmunzelt einer, der den Liftbauer aus dem Effeff kennt, sei eben ein kompliziertes Unternehmen.

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Es ist die ultimative Weichenstellung einer Firma, die wie kaum eine andere nach dem Taktgefühl eines Einzelnen funktioniert. Während der Übervater seinen Abschied auf Raten lanciert, muss der Mann an der Front beweisen, dass die Aufzüge auch ohne den langen Schatten des Patrons himmelwärts fahren.
Paolo Compagna, ab Februar 2025 interimistisch im Amt, drei Monate später fix installiert, führt ein Unternehmen im Umbruch – und steht vor der Aufgabe, Schindler aus dem Korsett eines patronalen Familienbetriebs in eine zeitgemässe Zukunft zu hieven, ohne die Gunst der Familie zu verlieren. Erst seit 13 Monaten steht Compagna an der Schindler-Spitze. Wer ist dieser Mann, der einen der wichtigsten internationalen Schweizer Konzerne führt, welcher mit einer Marktkapitalisierung von 30 Milliarden Franken im Mittelfeld des SMI spielen würde, und dessen Kernaufgabe es eigentlich wäre, Schindler auf Profitabilität zu trimmen und das harzige Geschäft im wichtigsten Markt China auf Vordermann zu bringen? BILANZ hätte sich gerne persönlich ein Bild gemacht von Paolo Compagna, dem unbekannten Italiener an der Spitze dieses urschweizerischen Konzerns. Doch die Gesprächsanfrage wurde «höflichst» abgelehnt. Die Medien und Schindler: Das ist schwierig. Viele im Unternehmen würden Schindler medial gerne offensiver positionieren. Doch «Wes Brot ich ess, des Lied ich sing» galt bei Schindler schon immer. Auch in dieser Recherche wurde die Führungskorona ermahnt, sich gegenüber BILANZ nicht zu äussern.

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Kommunikativ, sympathisch, nahbar

Einige folgten der Befehlsausgabe – andere weniger. Und so schält sich nach zahlreichen Gesprächen mit langjährigen ehemaligen und aktuellen Begleitern ein Managerprofil von Paolo Compagna heraus, das die Kunst der Workplace-Diplomatie bis zur letzten Sekunde beherrscht. Compagna, Jahrgang 1968, Italiener mit deutschem Diplomingenieur-Hintergrund und perfektem Deutsch, gilt als Vollblutverkäufer, als kommunikativ, sympathisch und nahbar. Er spricht die Sprache der Basis und ist ein guter Zuhörer. Er kennt die Fabrikhallen so gut wie die Teppichetage und weiss, wo er anpacken muss. Charmant, unterhaltsam, gesellig sei er. Privates bleibt bei Compagna hingegen privat. Die Mediendatenbanken sind leer; keine Informationen über Hobbys, Familie oder Haustiere. Bekannt ist, dass er in Küssnacht am Rigi wohnt. Einer, der ihn gut kennt, sagt, dass er Kinder habe und vernarrt sei in sein Motorboot auf dem Vierwaldstättersee. Dem Vernehmen nach mag er Motorräder und Klettern, und er habe – ganz der Italiener – ein Faible für modische Kleidung. «Wenn man ihn kennenlernt, dann mag man ihn. Compagna hat empathische Fähigkeiten, was die Zusammenarbeit angenehm gestaltet», sagt einer, der ihn einige Jahre begleitet hat. Das gelte indes vornehmlich gegen oben, denn Konflikte mit höheren Hierarchie-Ebenen habe er nie gesucht. Compagna gilt als Konformist, als Anpasser, als Opportunist. Man kann es auch clever nennen. Einer mit konzernpolitischem Gespür. «Wie das Fähnchen auf dem Turme sich kann dreh’n bei Wind und Sturme», zitiert ein ehemaliger Compagna-Kollege ein bekanntes deutsches Kinderlied zur Charakterisierung des Schindler-Chefs. Einer vom Typ «Soziale Camouflage», der sich perfekt an die Umgebung anpasst. Auch das Gesellige sei immer zielorientiert und nicht da, um die Leute mitzunehmen, sagt ein Weggefährte. Er habe eine eigene Agenda.

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Paolo Compagna wird ein Faible für modische Kleidung nachgesagt. Ganz der Italiener.
Keystone
Paolo Compagna wird ein Faible für modische Kleidung nachgesagt. Ganz der Italiener.
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Compagna, das wird aus den Gesprächen klar, wollte schon früh nach ganz oben. «Nach links und rechts schaut er nicht. Er kann durchaus hart sein.» Wer nicht mitziehe, der sei raus – und das oft in einem amerikanischen Stil, der in der Innerschweiz nicht eben gut ankommt, sagt ein langjähriger Schindler-Mitarbeiter. Entlassungen erfolgten dem Vernehmen nach mitunter so abrupt, dass selbst abgebrühte Industrieveteranen leer schlucken mussten. Im ersten Amtsjahr hat Compagna in der Geschäftsleitung einige Male durchgewechselt. Hart gefallen ist Hugo Martinho. Der Personalchef, erst seit 2024 oberster Personaler, musste sein Pult Ende November räumen – per sofort. Kein Wort des Dankes, keine Zukunftswünsche.

Nach zehn Jahren einfach weg

Aktuell ist CEO Compagna auch Personalchef ad interim von rund 67’000 Mitarbeitenden. Trocken trennte sich Schindler auch von China-Chef Daryoush Ziai, der zehn Jahre den wichtigsten Markt geleitet hat. Auch hier keine warmen Worte. Freundlicher war die Verabschiedung von Robert Seakins, dem Asien-Pazifik-Verantwortlichen, der nach acht Jahren in der Konzernleitung in den Ruhestand ging. Die Geschäftsleitung hat sich unter Compagna temporär von elf auf neun Mitglieder reduziert. Dessen frühere Funktion des Chief Operating Officer (COO), die er zwischen 2022 und Anfang 2025 innehatte, ist verschwunden – oder Compagna übt die Tätigkeit weiterhin aus. Man hätte es gerne in Erfahrung gebracht. Die Medienstelle wollte die schriftlich eingereichten Fragen nicht beantworten. Nicht nur in der Konzernleitung, auch eine Hierarchiestufe tiefer hätten Manager Reissaus genommen, sagt ein Schindler-Kenner. Unter anderem die Länderchefs von Indien oder UK und Irland. Dem Vernehmen nach hat die Kultur unter Silvio Napoli und auch Paolo Compagna gelitten. Dass die Truppe um den ehemaligen Leithammel Napoli intern als «italienische Mafia» betitelt wird, ist längst ein Running Gag, aber symptomatisch für die Kultur. Ein Drittel der aktuellen Konzernleitung hat einen italienischen Pass. Wobei sich das bald ändern könnte – bei Compagna selbst. Er will sich einbürgern lassen, wie aus dem «Amtsblatt des Kantons Schwyz» hervorgeht. Noch bis zum 4. März 2026 läuft die Einsprachefrist. Was Kultur für Napoli bedeutet, sagte der langjährige Schindler-Haudegen in einem Interview mit der «NZZ» im Juni 2024. Gefragt nach den Feierlichkeiten zum 150-Jahr-Jubiläum des Konzerns, antwortete Napoli: «In den nächsten 150 Jahren haben wir als Schindler viel vor uns. Die vergangenen 150 Jahre zählen da nicht.» Zwinglianisches Arbeitsethos im katholischen Luzern in Ehren. Aber die Geringschätzung der Vergangenheit lässt Mitarbeitende konsterniert zurück.

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Schindler ist einer von wenigen börsenkotierten Luzerner Konzernen, mit Hauptsitz in ­Ebikon vor den Toren der Leuchtenstadt.
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Compagna hat es in der Hand, auch an der kulturellen Front für Remedur zu sorgen. Die Machtballung von CEO-, Personalchef- und womöglich COO-Funktionen in einem erinnert indes eher an seinen Vorgänger, der offenbar über seine Machtkonzentration gestolpert und äusserst dürftig verabschiedet worden ist. Ein langjähriger Schindler-Kenner sagt, Napoli habe aufgrund seines Doppelmandats das doppelte Gehalt verlangt, worauf es der Familie zu bunt geworden sei. Compagna wird seine Lehren gezogen haben.

Früh aufs Servicegeschäft gesetzt

Der Diplom-Elektro- und -Wirtschaftsingenieur hat an der Technischen Hochschule Köln und der Berliner Hochschule für Technik studiert. Seine ersten Karriereschritte tätigte er beim Gebäudetechniker Cofely, der später im französischen Energieversorger Engie aufging. Er stieg zum Regionalleiter Nord und Mitglied der Geschäftsleitung auf. 2010 wechselte er zu Schindler Deutschland als Field Operations Manager. Das deutsche Geschäft lief behäbig, hatte aber Potenzial. Drei Jahre später folgte er auf Oswald Schmid als Deutschland-Chef. Und er lieferte. Innerhalb kurzer Zeit hat er den deutschen Markt aufgeweckt. Auch weil ihm bewusst war, dass das Servicegeschäft eine Goldgrube ist. In einem Antrittsinterview als Deutschland-Chef sagte er, dass er Schindler bei Servicelösungen als Trendsetter sehe. «Ich bin sicher, dass wir auch im Servicebereich in den nächsten Jahren noch zulegen werden.» Das prägt bis heute den Gesamtkonzern.

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Anfang 2015 beerbte er erneut seinen Vorgänger Schmid, übernahm die Region Europa Nord und stieg in die Konzernleitung auf. Compagna war im Machtzentrum angekommen. 2021 wurde er stellvertretender CEO von Thomas Oetterli und übernahm im Folgejahr die Rolle des COO – bereits unter neuer Konzernleitung. Der Luzerner Oetterli musste nach einer Gewinnwarnung und sechs Jahren an der Spitze abdanken, Napoli übernahm abermals die operative Leitung, die er bereits von 2014 bis 2016 innehatte. Oetterli wurden Probleme in der Lieferkette, die schleppende chinesische Wirtschaft, die Covid-Lockdowns und die hohe Inflation zum Verhängnis. Napoli mimte den Feuerlöscher und initiierte das Effizienzsteigerungs-Programm «Top Speed», während Compagna die Umsetzung der Konzernstrategie leitete und sich als einer der Architekten der operativen Erholung profilierte, die er jüngst für abgeschlossen erklärte.
Im Three-ITC-Komplex in Shanghai ist Schindler drin.
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Operative Fortschritte

Compagna wäre der logische Oetterli-Nachfolger gewesen. Offenbar traute man ihm die Konzernleitung aber noch nicht zu. Als es dann so weit war, musste er früher einspringen als geplant. Compagna hätte per Anfang April 2025 übernehmen sollen. Doch nach dem Zerwürfnis mit Napoli und dessen abruptem Abgang auch als Schindler-Präsident sprang Compagna bereits im Februar interimistisch ein und übernahm ein Unternehmen, das finanziell stabilisiert, aber kulturell verunsichert war. Das Verhältnis zwischen Compagna und Napoli scheint heute unterkühlt zu sein. «Unsere Wege haben sich nicht mehr gekreuzt», so Compagnas knappe Antwort auf die Frage nach seinem Vorgänger gegenüber der «Finanz und Wirtschaft».

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Compagnas Wirken jedenfalls kommt durchaus an. Vontobel-Analyst Alexander Koller spricht von einer ordentlichen Auftrags- und Umsatzentwicklung im vergangenen Jahr und sieht operative Fortschritte. Wie die ganze Branche verdient auch Schindler vor allem Geld mit dem Servicegeschäft, während das Neugeschäft weniger margenträchtig ist. Insbesondere wegen des wichtigsten Marktes China war Letzteres in Franken rückläufig. Kurzfristig freut die Margenhausse Anleger. Doch fehlendes Neugeschäft sorgt dafür, dass in einigen Jahren weniger Lifte in den Service kommen und die Margen unter Druck geraten. Es ist ein Balanceakt. US-Riese Otis glänzt derweil mit bereinigten Margen jenseits der 16 Prozent, während Schindler damit kämpft, die Währungseffekte des starken Franken zu verdauen. Der Markt traut dem Frieden noch nicht ganz: Hat Compagna die Marge auf Kosten der künftigen Substanz hochgepeitscht?
Das ist die operative Flanke, die Compagna orchestrieren muss. Die Hände gebunden sind ihm beim Generationenwechsel. Die Amtszeit von Übergangspräsident Josef Ming ist auf zwei Jahre ausgelegt und endet 2027 – gleichzeitig mit Alfred Schindlers Abgang aus dem Verwaltungsrat. Was dann? Neben Alfred Schindler sitzen drei Nachkommen der fünften Generation der Familien Schindler und Bonnard im Aufsichtsgremium. Schindlers Nichte Carole Vischer, eine Juristin, hat ein gutes Standing, ihr werden aber keine Ambitionen nachgesagt, zumal sie auch keine operative Erfahrung mitbringt. Marion Bonnard, Tochter des 2025 zurückgetretenen langjährigen Vizepräsidenten Luc Bonnard, vertritt nun die Interessen des Familienzweigs. Sie ist 2014 bei Schindler gestartet und seit vergangenem Jahr als Key-Account-Managerin für die Romandie tätig. Zu wenig für höhere Weihen. Die besten Karten dürfte Tobias Staehelin haben. Der Jurist ist ein Neffe von Luc Bonnard. Staehelin hat sich in Deutschland und China operativ bewährt und ist Mitglied des Aufsichts- und Strategieausschusses des Verwaltungsrats. Er gilt als besonnen, aber bestimmt. Der 47-Jährige wäre das Gesicht der Kontinuität.

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Unternehmenskenner bezeichnen ihn als einen vom Schlag Alfred Schindlers. Doch Schindler ist bekanntlich ein kompliziertes Unternehmen. Insofern könnte auch Max Linsi noch eine Rolle spielen. Alfred Schindlers Schwiegersohn ist CEO der AS Aufzüge, die markenunabhängig Lifte plant und wartet. Den Verwaltungsrat kennt er indes nur vom Hörensagen.

Weltkonzern mit Bodenhaftung

Compagnas Souplesse wird ihm in dieser Gemengelage nützen. Er muss beweisen, dass er nicht nur das Erbe von Napoli fortführen kann, sondern auch langfristig und innovativ denkt. Und er darf die kulturellen Befindlichkeiten nicht unterschätzen. Schindler ist ein Weltkonzern, der in der Zentralschweiz zu Hause ist. Bodenhaftung und kulturelle Rückbesinnung mögen konservative Werte sein – aber hier kommen sie an. Potenzielle Nachfolger für die Konzernspitze stehen bereit. Ein Name, der oft fällt, ist Patrick Hess. Der heutige Nordeuropa-Chef gilt als der personifizierte Gegenentwurf zum «italienischen Block». Er ist Luzerner, war zuvor Schweiz-Chef und kann es dem Vernehmen nach gut mit der Familie. Empathisch, klar, strukturiert, eine Persönlichkeit, beschreibt ihn ein ehemaliger Wegbegleiter. Der 48–Jährige bringt allerdings keine China-Erfahrung mit, was früher ein Must war fürs Bewerbungsdossier. Wobei das auch bei Compagna ein weisser Fleck ist. Ein anderer Name, der durch die Flure geistert, ist jener von Meinolf Pohle, der seit gut einem Jahr China verantwortet. Der 59-Jährige ist altersmässig aber am oberen Ende für den Sprung an die Konzernspitze. Möglich, dass Pohle dereinst stattdessen sein Know-how im Verwaltungsrat einbringt.

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Compagna, der gegen oben taktisch gewieft navigiert hat, muss jetzt zeigen, dass er es auch mit 67’000 Untergebenen kann. Im ersten Jahr hat er geliefert. Aber im Schindler-Lift ist man schnell oben – und genauso schnell geht es wieder abwärts, wenn die Last zu gross wird. Dann ist es von Vorteil, wenn man ein Team an seiner Seite weiss, das mitzieht.
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