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Digitec-Gründer Florian Teuteberg, Marcel Dobler und Oliver Herren (v.l.).
Guter Deal: Digitec-Gründer Florian Teuteberg, Marcel Dobler und Oliver Herren (v.l.).

140 Millionen Franken Kaufpreis für 400 Millionen Franken Umsatz: Migros lässt sich Digitec viel Geld kosten.

Von Marc Kowalsky
2012-06-12

Knapp ein halbes Jahr hatten sie verhandelt. Am 4. Juni, einem verregneten Montag, setzten sie schliesslich im Mi­gros-Sitz am Zürcher Limmatplatz die Unterschrift unter den Vertrag: Damit verkauften Florian Teuteberg (33), Oliver Herren (33) und Marcel Dobler (31) 30 Prozent ihrer Galaxus Holding an den Detailhandelsriesen.

Ein loh­nender Deal: Mit 140 Millionen Franken bewertete die Migros die Firma, wie BILANZ-Recherchen ergeben haben. Mit den Töchtern Digitec (Computer) und ­Galaxus (Haushaltswaren) erzielte der Onlinehändler letztes Jahr einen Umsatz von knapp 400 Millionen Franken (in der Presse war bislang von 280 Millionen Franken die Rede). Der Deal spült per sofort rund 14 Millionen in die Taschen jedes der drei Gründer; weitere Millionen werden folgen, wenn die Migros ihre Kaufoption auf die Aktienmehrheit zieht. Ein Rückkaufsrecht seitens der Digitec-Gründer ist hingegen nicht ­vorgesehen.

«Wir sind auf die Migros zugegangen, und fast gleichzeitig hat die Migros über andere Kanäle den Kontakt zu uns gesucht», erzählt Teuteberg. «Aber wir haben auch andere Partner geprüft.» Durch die Verflechtung erwarten die Gründer Zugang zum Lie­feranten-Netzwerk der Migros und ­bessere Einkaufskonditionen für ihr Online-Kaufhaus Galaxus.

Treibende Kraft auf Migros-Seite war CEO Herbert Bolliger. Ihm ist die neue Beteiligung direkt unterstellt. Er erhofft sich von den Jungspunden neben Online-Expertise und technischem Know-how vor allem frisches Denken und mehr Dynamik in seinem Konzern. Kulturkonflikte sind vorprogrammiert: «Wenn es die stört, dass wir im Pulli in die VR-Sitzung kommen, müssen sie halt mal zu uns kommen», sagt Teuteberg.

Der Verwaltungsrat der Galaxus Holding wird laut Kaufvertrag paritätisch besetzt werden, ungeachtet der jetzigen oder zukünftigen Mehrheitsverhältnisse. Einen Stichentscheid seitens des Präsidenten gibt es nicht. «Wenn wir uns nicht einig sind, muss man eben diskutieren, bis man eine Lösung findet», sagt Herren. 

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