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Apéro Wein

Kein Zollschutz für die Chasselas-Sofawinzer!

Wenig innovative Winzer wollten die Schweiz schon einmal zum Chasselas-Trinken zwingen. Es hat nicht geklappt. Jetzt versuchen sie es erneut.

Tina Fischer

Prost! Zum Apero darfs auch mal ein Chasselas sein.
Prost! Zum Apero darfs auch mal ein Chasselas sein. Tessy Ruppert

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Es gab einmal eine Zeit, in der Schweizer Winzer, allen voran die Walliser und die Waadtländer, so viel Weisswein produzierten, dass sie nicht mehr wussten, wohin damit. Als Zwischenlager befüllten sie ganze Schwimmbecken. Denn die Rekordernte von Chasselastrauben – im Wallis keltern sie daraus den Fendant – führte Anfang der 80er-Jahre zu einem massiven Weinüberschuss.
Die für die Winzer damals logische Lösung: Die Deutschschweizer müssten halt mehr trinken. Wer Fernsehberichte aus dieser Zeit schaut und sich die Forderungen des damaligen Präsidenten der Gesellschaft der Schweizer Weinbauern anhört, dem sträuben sich die Haare. In nur drei Jahren subventionierte der Bund die Abfederung der Weinschwemme mit 69 Millionen Franken, die Winzer hätten noch mehr gewollt.
Tempi passati, möchte man meinen. Denn ab der Jahrtausendwende veränderte sich der Markt. Verdienten sich in den 90er-Jahren sogenannte Sofaimporteure mit raren Kontingenten eine goldene Nase, wurden 2001 die Importe liberalisiert und der Markt geöffnet. Der Zollschutz fiel.

Wer innovativ war, überlebte

Entgegen dem Gejammer aus der Westschweiz ging die heimische Weinbranche nicht unter: Wer innovativ war, auf Qualität setzte und seinen Markt kannte, gewann. Weinhändlerinnen verzeichneten grandiose Jahre mit Importen, aber auch mit Schweizer Weinen, deren Qualität sich unter dem neuen Konkurrenzdruck teilweise massiv verbesserte. Der Markt zeigt das noch heute: Zwar hat sich, wie allgemein bekannt ist, der Pro-Kopf-Konsum von Wein markant verringert. Doch zeitgleich ist im vergangenen Jahr der Marktanteil von Schweizer Wein auf 37,5 Prozent gestiegen. Das ist beachtenswert.

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Und jetzt das! Bundesrat Guy Parmelin, ehemaliger Winzer aus dem Kanton Waadt, hat zum runden Tisch geladen und will den Winzern ein Geschenk machen: Importkontingente sollen künftig nur noch jenen zustehen, die Schweizer Trauben keltern. Rund viertausend Weinimporteure müssten sich ihre Importrechte künftig bei etwa achtzig Kellereien besorgen. Schweizer Winzer würden damit indirekt steuern, was künftig noch importiert werden dürfte.

Guter Schweizer Wein ist meist vergriffen

Die Forderung stammt vornehmlich von Winzern aus den eingangs erwähnten Gebieten. Sie trauern den alten Zeiten nach, in denen die Schweiz trank, was sie produzierten. Weil es kaum Alternativen gab. Doch andere Winzer haben Gas gegeben und halten qualitativ mit der Konkurrenz aus dem Ausland mit. Das zeigt nicht zuletzt der Markt: Weine guter Winzerinnen sind hierzulande chronisch vergriffen. Chasselas ebenfalls, wenn auch seltener.
Parmelins Lösung ist also die falsche Antwort auf die richtige Frage, wie mit dem sinkenden Konsum umzugehen ist. Dabei hätte die Schweiz ein Ass im Ärmel: Sie exportiert nur rund 1 Prozent ihres Weins. Er ist im Ausland selten, einzigartig – und margenträchtig. Doch um Erfolg zu haben, braucht es Mut und Energie. Und keine Sofawinzer.

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Wein-Kolumne
Wein-KolumnezVg
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Typisch: Ausverkauft
Dass hier einmal ein Fendant stünde, hätte ich selber nie erwartet. Aber der Coteaux de Plamont von der gefeierten Walliser Winzerin Marie-Thérèse Chappaz darf das. Biodynamischer Anbau, Ausbau im Betontank, vielschichtig im Geschmack, lang im Abgang. Fendant Coteaux de Plamont, 2025, Domaine Chappaz, Wallis. 12,1% vol. Alk., 31.50 Fr.
In dieser Kolumne schreiben HZ-Redaktor Michael Heim, HZ-Redaktorin Olivia Ruffiner und Autorin Tina Fischer alternierend über Bier, Wein und Drinks. Fischers Familie besitzt eine Weinhandlung.
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