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Luftfahrt-Pionier Moritz Suter rechnet mit Lufthansa ab

«Der Verkauf von Swiss war einer der grössten Fehler der Schweiz»

Crossair-Gründer Moritz Suter rechnet 25 Jahre später mit dem Verkauf der Swiss an die Lufthansa ab – und nennt ihn «einen der grössten Fehler der Schweiz».

Daniel Kestenholz

Die Swissair galt über Jahrzehnte als eines der Aushängeschilder der Schweiz. International stand sie für Qualitätswerte, die man mit der Schweiz verband.
Die Swissair galt über Jahrzehnte als eines der Aushängeschilder der Schweiz. International stand sie für Qualitätswerte, die man mit der Schweiz verband. Keystone

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Wenn einer über Swiss und Swissair urteilen kann, dann Moritz Suter (83). Der Crossair-Gründer schuf die Grundlage für die heutige Swiss – und nennt deren Verkauf an die Lufthansa heute einen der grössten Fehler der Schweiz.
Nach dem Grounding der Swissair 2001 wurde Suters Crossair zur Basis der neuen Swiss. Dabei verschwand auch der legendäre Swissair-Code SR – die neue Airline flog fortan unter dem Kürzel LX, dem Code der Crossair.
Ein Vierteljahrhundert nach dem Grounding rechnet Suter mit dem Verkauf der Swiss an die Lufthansa gnadenlos ab. Für ihn war der Deal «einer der grössten Fehler der Schweiz». Im Interview mit der «NZZ am Sonntag» erhob der Aviatik-Pionier schwere Vorwürfe – gegen Politik und Lufthansa.

Bund bettelte

«Stellen Sie sich vor, wir würden heute die SBB der Deutschen Bahn übergeben – und die hätte plötzlich das Sagen über das Schweizer Schienennetz.» Genau so absurd sei der Verkauf der Swiss gewesen, sagt Suter. «Dieser Verkauf hätte so nie stattfinden dürfen.»
Besonders brisant: Suter war eng mit dem langjährigen Lufthansa-Chef Jürgen Weber (†83) befreundet. Dieser habe ihm einst geschrieben, er würde die Swiss nur übernehmen, «wenn die Lufthansa auf den Knien darum gebeten würde».

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Genau dazu sei es gekommen. Nachdem die Swiss Milliarden verbrannt hatte, habe Bundesrat Hans-Rudolf Merz (83) den damaligen Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber (†71) angefleht, die Airline zu übernehmen – «egal zu welchem Preis».

Glücksfall für Lufthansa

Für den deutschen Konzern sei der Deal ein Glücksfall gewesen. Die Swiss habe «Milliarden» eingebracht und laut Suter die ganze Lufthansa-Gruppe «über Wasser gehalten», während andere Konzerngesellschaften kaum Gewinne erzielt oder sogar Verluste geschrieben hätten. Bezahlt habe Lufthansa dafür «fast nichts» – und nutze die Schweizer Flugrechte bis heute gratis.
Suter ist überzeugt: Die Swiss hätte auch allein überlebt. Nach dem Grounding der Swissair wäre ein Neuanfang möglich gewesen. Gemeinsam mit der Crossair hätte die Swiss seiner Ansicht nach «die beste Airline Europas» werden können. Als Vorbild nennt er Singapore Airlines – eine Weltklasse-Airline aus einem noch kleineren Land.

«Nie richtig aufgearbeitet»

Suter kritisiert zudem, der Verkauf sei bis heute «nie richtig aufgearbeitet» worden. Grund für die Notlage der Swiss war laut Suter schlechtes Management, das die 3 Milliarden Franken der Grossaktionäre – darunter auch des Bundes – innert weniger Jahre verbrannt habe.
Vorausgegangen war der sogenannten Hunter-Strategie: Die Swissair hatte sich mit dem Zukauf maroder Fluggesellschaften massiv verschuldet, bevor sie 2001 Konkurs ging.

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Strafrechtlich musste sich nie jemand für das Swissair-Debakel verantworten. 2007 sprach das Bezirksgericht Bülach im grössten Wirtschaftsprozess der Schweizer Geschichte alle 19 angeklagten Manager frei – darunter Ex-Swissair-Chef Philippe Bruggisser (77) und Verwaltungsratspräsident Eric Honegger (80). Auch Ex-CEO Mario Corti (79) wurde 2008 im Berufungsprozess vollumfänglich entlastet.

«Die Schweiz ist ärmer geworden»

Heute, sagt Suter, werde das gesamte Lufthansa-Streckennetz von Frankfurt aus geplant. Genau das bereitet ihm Sorgen. In einer Krise werde zuerst bei den kleineren Drehkreuzen wie Zürich, Wien, Mailand oder Brüssel gespart – nicht aber in Frankfurt oder München. Die Entscheider seien in erster Linie Deutschland verpflichtet.
Für Suter hat die Schweiz mit dem Verkauf weit mehr als ihre nationale Airline verloren. Das Aviatik-Know-how sei weitgehend verschwunden, junge Menschen hätten eine ganze Branche verloren. Sein bitteres Fazit: «Die Schweiz ist ärmer geworden ohne eine unabhängige Schweizer Airline-Industrie.»

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