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Auf der Suche nach Signalen

Was haben theoretische Physik und die Kapitalmärkte gemeinsam? Erhard Radatz weiss es.

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Vom Physiker zum Assetmanager: Erhard Radatz. Mario Wagner / 2Agenten für BILANZ

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Erhard Radatz ist studierter Physiker. In die Welt der Geldanlage hat es ihn wegen der Finanzkrise verschlagen. «Ich wollte wissen, was da eigentlich passiert ist.» Nachdem er bei DWS in verschiedenen Anlageklassen Portfolien gemanagt hatte, führte ihn der Weg vor acht Jahren zu Invesco. Seit zwei Jahren ist er beim Assetmanager globaler Chef der quantitativen Strategien. 45 Milliarden Dollar werden von seinem Team verwaltet, zu 80 Prozent für institutionelle Kunden.
Dem theoretischen Physiker ist die komplexe Welt der Kapitalmärkte nicht fremd. Um die richtigen Anlageentscheide zu treffen, versucht er, die wichtigen Daten, die Signale, von den unwichtigen, dem sogenannten Rauschen, zu trennen. «Am Finanzmarkt gibt es besonders wenige Signale und ganz viel Rauschen», sagt der Deutsche. 3500 Aktien werden täglich gescannt. Um in diesen die relevanten Daten zu finden, setzt er wie in der Physik statistische Methoden ein. «Wir schauen, was funktioniert hat und was nicht. Das ist nicht so esoterisch.» Langfristig haben sich günstige Wertpapiere besser entwickelt. «Nur weil eine Aktie billig ist, heisst es nicht, dass sie den Markt schlägt», weiss Radatz. So werden auch Momentum und Qualität als Faktoren eingesetzt. Letztere ist am schwierigsten zu definieren. Hier geht es um Burggräben, die vor Konkurrenten schützen. Vor zwei Jahren hat Radatz Kreditkartentransaktionen als Signal aufgenommen. «Wir schauen, ob Konsumenten eher den Schuh der Marke A als der Marke B kaufen. So wird die Aktie des einen Herstellers gekauft und die andere untergewichtet. «Wir machen immer Pärchen aus derselben Branche, am liebsten aus derselben Region.»

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Um die Quant-Strategie vorzustellen, ist der 40-Jährige ständig unterwegs. Zuletzt in Australien, davor in Japan und Singapur. Früher spielte Radatz als Cellist in einem Orchester. Dafür fehlt mittlerweile die Zeit. Bleibt das Cello zu Hause in Frankfurt, hat der Triathlet die Laufschuhe und die Badehose im Gepäck. Radatz kommt vom Schwimmen. Das Rennrad ist mittlerweile seine Leidenschaft. Ihr frönt er nicht zuletzt bei Rennen. Im Sommer nimmt er sich für den Schweizer Alpenbrevet-Radmarathon Zeit.

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