Bei der SIG muss es wieder die Finanzchefin richten
Der Traditionskonzern SIG setzte den neuen CEO aus Finnland nach wenigen Monaten wieder ab. Jetzt muss die Finanzchefin erneut anpacken. Die Hintergründe eines kostspieligen Wechsels.
Barmettler Stefan,
Karin Kofler
Zum zweiten Mal auf der Kommandobrücke bei SIG: Ann-Kristin ErkensMelanie Duchene/Schaffhauser Nachrichten
Uff, war das ein Murks. Am 1. März bezog Mikko Keto das Chefbüro beim Industriekonzern SIG mit Sitz in Neuhausen SH. Ein erprobter Sanierer, voller Tatendrang, einer, der dem Industrieriesen neuen Drive beibringt. So war es geplant. Doch statt Tempo trug der gebürtige Finne nur Unruhe und Endlosdebatten ins Unternehmen. Letzte Woche zog der Verwaltungsrat die Reissleine: Konzernchef Keto wurde nach nicht einmal sechs Monaten unsanft verabschiedet. Das Communiqué fiel entsprechend dürr aus. «Mikko ist zu einem wichtigen Zeitpunkt in der Entwicklung des Unternehmens zur SIG gekommen und hat zu den Fortschritten der letzten Monate beigetragen», schrieb Präsident Ola Rollén. Der Schwede präsidiert die SIG Group seit Frühjahr 2025, die Ernennung von Mikko Keto war seine erste wichtige personelle Weichenstellung, der Rausschmiss die zweite. Rein und raus – alles in hoher Kadenz. Dabei hatte VR-Präsident Rollén bei Ketos Antritt versprochen: «Wir sind überzeugt, dass er das Wachstums- und Innovationspotenzial der SIG ausschöpfen wird.»
Dazu kam es nicht. Denn Keto, der laut Quellen vom Headhunter Egon Zehnder in Skandinavien vermittelt wurde, plante die Revolution. Die SIG neu zeichnen wollte er, total umbauen, vorab das Kerngeschäft aufspalten. Das Schaffhauser Unternehmen baut Verpackungsanlagen, die aseptische Getränkekartons, Bag-in-Box-Verpackungen oder Quetschbeutel verarbeiten und anschliessend befüllen. Sowohl Abfüllmaschinen als auch Material, wie beschichteter Karton, stammen von der SIG, was die Kundschaft langfristig bindet. Der neue CEO wollte diese integrierte Produktionskette ohne Not aufbrechen, in Produktion, Material und Services. Doch seine radikalen Umbaupläne kamen nicht gut an – weder beim einfachen Angestellten noch beim Verwaltungsrat. Und auch nicht bei den Grossaktionären, etwa beim aktivistischen Eigner Cevian.