Bastelt die Migros heimlich an einer neuen Dorfladen-Kette?
Speicher bekommt nächstes Jahr eine Migros-Teo-Filiale. Im ehemaligen Postgebäude entsteht der 24-Stunden-Laden mit Selbstbedienung.Der Konzern plant weitere Eröffnungen, auch in kleineren Gemeinden.
Die Migros wächst mit ihren Mini-Filialen Teo weiter. In der 4500-Seelen-Gemeinde Speicher AR eröffnet der orange Riese nächstes Jahr einen Ableger im ehemaligen Postgebäude – auch hier wird der unbediente Laden 24 Stunden geöffnet sein, wie die Migros in einer Medienmitteilung schreibt.
Die dauergeöffneten Selbstbedienungsläden, die die Migros Zürich nicht zum Laufen brachte, sollen in der Ostschweiz gut ankommen. Neun Filialen gibt es derzeit in der Region. «Wir sind sehr zufrieden mit unseren Migros-Teo-Standorten und verzeichnen eine laufend steigende Nachfrage», sagt Andreas Bühler, Sprecher für die Genossenschaft Migros Ostschweiz, gegenüber Blick. Auch in Räterschen ZH in der Nähe von Winterthur will die Genossenschaft noch dieses Jahr eine Migros-Teo-Filiale fertigstellen.
Kleine Dörfer passen gut ins Konzept
Dass die Migros mit Teo aufs Land zieht, passt laut Detailhandelsexperte Marco Kern sehr gut. «Dort besteht häufig ein Bedürfnis nach lokaler Nahversorgung», so der Experte zu Blick. «Gleichzeitig reicht das Kundenpotenzial nicht immer für einen klassischen Supermarkt.»
Laut Migros Ostschweiz sind die Standorte in Dörfern durchaus rentabel: «Wir machen sowohl in städtischen Quartieren als auch in kleineren Ortschaften gute Erfahrungen», so der Sprecher. Für die Migros ist Teo ein Wachstumsmodell: «Wir suchen ständig nach geeigneten Standorten und wollen auch in den kommenden Jahren weitere Migros Teos eröffnen.» Zieht der orange Riese mit Teo also nach und nach ein neues Dorfladen-Konzept hoch?
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Teo könnte zum modernen Dorfladen werden
Zentral für den Erfolg: Weil die zur Verfügung stehende Fläche so klein ist, muss alles genau den Kundenbedürfnissen entsprechen. Wenn das gelinge, «könnte ich mir durchaus vorstellen, dass Teo verstärkt die Funktion eines modernen Dorfladens übernimmt», so Experte Kern.
Ob das Modell Hand und Fuss hat? «Ich halte es grundsätzlich für zukunftsfähig», sagt Kern. «Ob es langfristig erfolgreich ist, würde ich aber nicht allein an der Anzahl neuer Standorte messen.» Entscheidend sei viel eher, ob die Kundinnen und Kunden das Format dauerhaft annehmen und die einzelnen Standorte rentieren.
Speicher sehnt sich schon lange nach einer Migros im Dorf
In Speicher wartet die Bevölkerung seit Jahren auf eine Migros-Filiale. Ein Baugesuch wurde schon Ende 2017 eingereicht, die Eröffnung an der Reutenenstrasse war für Frühjahr 2020 vorgesehen gewesen. Die Pläne wurden aber durch langwierige Einsprachen blockiert, weswegen das Projekt bis heute auf Eis liegt. Migros will trotz allem noch eine normale Filiale in Speicher bauen, wie lange es aber noch dauert, ist ungewiss.
Ob der Teo-Laden auch bestehen bleibt, wenn eine normale Migros-Filiale nach Speicher kommt? «Wir ziehen in ein Gebäude der Gemeinde, das für einige Jahre zwischengenutzt werden kann», sagt der Migros-Sprecher dazu. Der Mietvertrag soll gemäss dem Portal appenzell24.ch befristet für fünf Jahre abgeschlossen worden sein, mit Option auf Verlängerung. «Wie lange diese Zwischennutzung möglich ist, lässt sich heute nicht sagen», sagt der Sprecher.
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Die Migros eröffnete Anfang Juli die erste 24-Stunden-Filiale in Herisau AR. Dort wird das Geschäft bis zum regulären Ladenschluss um 19 Uhr normal von der Belegschaft betrieben. Nach Feierabend bleibt der Laden aber offen, auch an Sonn- und Feiertagen. Dann basiert der Einkauf auf dem gleichen System wie bei den Migros-Teo-Filialen: Der Zutritt erfolgt via Bank- oder Cumuluskarte, der Laden wird video- und sensorüberwacht.