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InterviewMigros-Chef Mario Irminger zum Radikal-Umbau

«Die Migros wird weniger politisch»

Die Migros bläst zur Zerlegung der zehn regionalen Genossenschaften. Migros-Chef Mario Irminger sagt im Interview, was die Einheitsgenossenschaft für Konsumenten und Mitarbeitende bedeutet.

Ulrich Rotzinger Blick
Ulrich Rotzinger,

Sven Schumann

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Der erste Schritt ist getan: Mario Irminger (61) hat die Präsidenten aller zehn regionalen Genossenschaften hinter sich gebracht. Bis Mitte 2027 geht es nun darum, die 2,3 Millionen Genossenschafter und Genossenschafterinnen ins Boot zu holen für den Umbau der Migros-Organisation zur Einheitsgenossenschaft. Nach der historischen Pressekonferenz in der Welle 7 beim Berner Hauptbahnhof konnte die Redaktion den Migros-Chef zum Gespräch treffen.
Herr Irminger, die Migros steht finanziell auf guten Beinen. Warum werfen Sie jetzt alles über den Haufen?
Mario Irminger: Wir werfen überhaupt nicht alles über den Haufen, sondern stellen die Gruppe mit einer Gruppengenossenschaft strukturell zukunftsfähig auf. Zeitgleich wollen wir unser Kerngeschäft – das Supermarktgeschäft – verschlankt einstufig führen. Heute wird dieses über elf Genossenschaften inklusive dem Migros-Genossenschafts-Bund geführt.
Mit der Einheitsgenossenschaft wollen Sie Doppelspurigkeiten abbauen und effizienter werden. Einen dreistelligen Millionenbetrag wollen sie damit sparen, wird herumgereicht. Was sagen Sie dazu?
Da sage ich: falsch! Wir wollen eine Grundsatzentscheidung herbeiführen, die unsere Migros zukunftsfähig aufstellt. Wir wollen vor allem effektiver in der Leistung für unsere Kundinnen und Kunden werden. Aber auch die Genossenschafter werden von dieser Entscheidung massiv gewinnen.

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Gibt es in den Supermärkten also bald keine regionalen Produkte mehr zu kaufen?
Nein, selbstverständlich nicht. Diese Regionalität bleibt erhalten, das Label «Aus der Region. Für die Region.» gibt es weiter. Wir werden perspektivisch fünf Regionen unter dem Dach der Supermarkt AG führen, die eigenständig ihr regionales Sortiment gestalten.
Wie profitieren denn Ihre Kundinnen und Kunden von der neuen Organisation, wenn sie denn kommt?
Der Migros-Supermarkt vor Ort bei den Kunden verändert sich nicht, sondern die Art und Weise, wie die Migros sich hinter den Kulissen organisiert. Die Migros wird weniger politisch und dadurch fähig, in ihrem Kerngeschäft mit den Supermärkten schnellere Entscheidungen zu treffen. Das wird das Leistungsspektrum definitiv erhöhen: tiefere Preise, besseres Angebot, Innovationen schneller im Regal.
Ein Stellenabbau steht im Raum ...
... im Bereich des Managements werden parallele Strukturen abgebaut. Mehr kann ich noch nicht dazu sagen. Wir haben aber zugesichert, dass es bis mindestens 2028 zu keinen Entlassungen aufgrund der Gruppengenossenschaft kommt.
Wie bleibt die grösste Arbeitgeberin der Schweiz attraktiv?
Rein aus der Vielfalt unserer Aktivitäten. Es gibt sonst keine Schweizer Unternehmung, die in vier Geschäftsfeldern tätig ist: Retail, Online, Gesundheit und Bank. Ich glaube, das ist eine einmalige Chance, auch für junge Menschen, zur Migros zu kommen und hier Karriere zu machen.

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Ihr Abtreten zum jetzigen Zeitpunkt überrascht viele. Mit 61 Jahren könnten Sie noch ein paar Jahre als Chef wirken. Warum hören Sie auf, wenn es spannend wird?
Ich werde nächstes Jahr 62. Was vor uns liegt, ist aber ein mehrjähriger Transformationsprozess. Künftig braucht es Personen an der Spitze, die diese Transformation bis zum Ende führen können. Diese Perspektive habe ich altershalber nicht mehr.
Mega Umbau bei der Migros. Mario Irminger geht und 10 Regio Genossenschaften sollen weg.
Migros Bern 26.10.2026
Im Bild: Ulrich Rotzinger mit Mario Irminger
Migros-Chef Mario Irminger im Gespräch mit Blick-Wirtschaftschef Ulrich Rotzinger.Mattia Coda
Mega Umbau bei der Migros. Mario Irminger geht und 10 Regio Genossenschaften sollen weg.
Migros Bern 26.10.2026
Im Bild: Ulrich Rotzinger mit Mario Irminger
Migros-Chef Mario Irminger im Gespräch mit Blick-Wirtschaftschef Ulrich Rotzinger.Mattia Coda
In einer Urabstimmung braucht es unter anderem eine Zweidrittelmehrheit, damit der Entscheid durchkommt. Böse Zungen würden behaupten, Sie gehen jetzt von Bord, weil Sie nicht an eine erfolgreiche Abstimmung glauben.
Das stimmt nicht. Ich habe explizit gesagt, dass ich an Bord bleibe, bis die Urabstimmungen durch sind. Das wird Mitte 2027 der Fall sein. Das verkörpert meine klare Überzeugung, dass wir diese Zweidrittelmehrheit gewinnen werden.
Falls die Einheitsgenossenschaft Tatsache wird, wäre das ein historischer Schritt. Wie gehen Sie als Person dann in die Migros-Geschichte ein?
Das müssen die Historiker dann sagen. Aber sicher möchte ich als jemand in Erinnerung bleiben, der mitgeholfen hat, die Migros in allen Bereichen zukunftsfähig aufzustellen.
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