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Kommentar zum Migros-Chef

Kann Mario Irminger mehr als bloss Abbau?

Mario Irminger hat die Migros gesundgeschrumpft. Doch den Beweis, dass er mehr als ein Aufräumer ist, hat er noch nicht erbracht.

Karin Kofler

«Nach dem grossen Hosenlupf rücken beim Detailhandelsriesen allmählich andere Themen ins Zentrum», schreibt Karin Kofler, freischaffende Publizistin.
«Nach dem grossen Hosenlupf rücken beim Detailhandelsriesen allmählich andere Themen ins Zentrum», schreibt Karin Kofler, freischaffende Publizistin.HZ

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Sie werden Aufräumer, Sanierer oder Kahlschläger genannt: Manager, welche die Führung eines Unternehmens übernehmen, wenn es in Schieflage ist. Migros-Chef Mario Irminger gehört in diese Kategorie. Als er 2023 auf dem Chefsessel der Migros-Generaldirektion Platz nahm, befand sich der finanziell einst grundsolide Migros-Konzern auf einer drastischen Talfahrt. Sowohl der operative Gewinn als auch der Reingewinn des orangen Riesen schmolzen wie Frey-Schoggi an der Sonne. 2023 wies der Konzern noch 286 Millionen Franken Ebit und 175 Millionen Reingewinn aus. Eindeutig zu wenig für einen Multimilliardenkonzern.
Irminger, dem langjährigen Finanzchef von Heineken Schweiz und ehemaligen Denner-CEO, kam diese Notlage insofern entgegen, als er bei der veränderungsträgen Migros Tabula rasa machen konnte. Melectronics, Sport X, Hotelplan, Bikeworld, Bestsmile, alles kam auf den Verkaufstisch – es gab kaum mehr Tabus. Das Supermarkt-Geschäft wurde in einer AG gebündelt, ein grosser Stellenabbau initiiert. Kurz: Irminger hat den Konzern radikal gesundgeschrumpft und klare Renditeziele formuliert: Das Kerngeschäft Supermärkte müsse eine Ebit-Marge von 2 bis 2,5 Prozent liefern.
Doch alles im Leben einer Firma hat seine Zeit. Der Abbau, die Konsolidierung und eben auch der Aufbau. Wofür steht die Migros künftig? Wie gewinnt der Konzern die Innovationshoheit im Kerngeschäft Lebensmittel zurück, für die er einst stand? Nach dem grossen Hosenlupf rücken beim Detailhandelsriesen allmählich andere Themen ins Zentrum und mit ihnen die Frage: Kann Finänzler Irminger auch Aufbau?

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Maue Vision, Kaderlass

Den Beweis dafür hat er noch nicht wirklich geliefert. Die Vision 2035, die er und sein Management für die Migros im letzten November der Öffentlichkeit präsentierten, war eher ein Sammelsurium von austauschbaren Allgemeinplätzen als das Framework einer klaren Zukunftsvorstellung. Auch die permanenten Abgänge von Kaderleuten – etwa Denner-Chef Thorsten Friedrich und Migros-Online-Chefin Katrin Tschannen –, mit denen die Migros zuletzt von sich reden machte, hinterlassen ein zwiespältiges Gefühl dazu, ob Irminger bei der Migros die Wirkung einer integrativen Führungsperson entfalten kann, auch wenn eine gewisse Fluktuation in Transformationen normal ist.
Wenn Irminger nicht bloss als «Abrissbirne» in die Historie der Migros eingehen will, sollte er rasch zeigen, dass er mehr ist als ein guter Rechner.

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